Donnerstag, 26. Januar 2017

Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele von mir haben schon resigniert?

Mutter und Frau sein. Und Ehefrau und Arbeitnehmerin und noch tausend Sachen mehr. Aber hauptsächlich Mutter und gleichzeitig Frau sein. Darüber lese ich zur Zeit wieder mehr. 
Oder vielmehr lese ich Überschriften und dann hört's bei mir nämlich gleich schon wieder auf mit dem Thema.

Es drängt sich mir dann nämlich sofort der Gedanke auf, was ich nicht alles wollen muss... Und das auch noch gleichzeitig. Und dann fällt mir ein, dass ich das ja gar nicht muss und nicht will und zwar nicht, weil ich das so entscheide, sondern weil der eine und auch andere Teil von mir längst resigniert hat und daran gar nix schlimm ist.

Ich möchte also heute ein Lob der Resignation aussprechen. Denn im Gegensatz zu den meisten Menschen, die Resignation irgendwie negativ kontieren, finde ich das super. Mit Resignation lebt es sich ganz klasse. Allerdings darf's nicht nur vorgeschobene Resignation sein, obwohl man doch noch Hoffnung auf Änderung hat. Das macht nur unzufrieden und unglücklich. Echte Resignation hingegen ist ungemein befreiend. In einer gewissen Hinsicht zu resignieren ist sogar meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit zur inneren Freiheit, die wir haben. 

Um konkret zu werden, fangen wir also bei den Schlagworten 'Frau bleiben trotz Mutterschaft' an. Ehrlich? Ich hab beim Thema 'Frausein' längst resigniert. 

Ich bin schon aus 200 Metern Entfernung als Muddi auszumachen. Haare niemals offen, sonst klammert sich ein Babyäffchen dran. Kein Schmuck an Kopf/Ohren/Hals - Babyäffchen. Seit Jahren ausschließlich Stillkleidung oder Schwangerschaftszeugs. Keine hohen Schuhe, in mir oder an mir hängt ja ständig ein Baby. Keine feinen Schuhe, ich treib mich eh nie wo rum, wo's fein sein müsste. Kein Parfum/Deo da Schwangerschaftsübelkeitsgeruchsinnswahnsinn oder Babyäffchen. Keine Schminke, da keine Zeit, da zu viele Kinder. Keine vorzeigbar saubere Kleidung, da Babykotze und Babyrotze und Eis- und Schokoladenhändegeschmier. Kein Nagellack - wann soll ich das denn auch noch machen??? Kein Friseur, da keine Frisur, da lange Haare zusammengebunden eh keine spezielle Frisur brauchen. Kein schicker Wintermantel, da Tragejacke (100x geflickt, da permanent irgendein Kind dran hängt). Schöne Unterwäsche? Könnt ihr euch vorstellen, wie meine Still-BHs inzwischen aussehen, nach so vielen Jahren permanenten Gebrauchs und Waschens? Wollt ihr euch das vorstellen? Und generell, betrachte ich meine Brüste, so haben die längst nix mehr mit Weiblichkeit zu tun. Das ist Babygebiet.

Ich sag's mal ganz deutlich: Ich bin halt jetzt mal ne Muddi und ich seh auch so aus! 

Manch eine mag diese Aufzählung lesen und denken 'Aber mach doch mal für dich, für dein Gefühl!' Das dachte ich ja am Anfang auch. Aber dann merkte ich, dass der Aufwand dafür viel größer war als vor den Kindern. Es raubt meine Zeit, kostet mich Kraft und der Outcome ist dafür viel zu gering. Also hab ich mich in meine Rolle gefügt und resigniert. Wer viele kleine Kinder hat, der ist halt ne Mutti und der sieht auch so aus. 
Und das ist gar nicht schlimm.

'Tu dir doch auch mal was Gutes! Was für die Sinne!'
In dem Punkt hab ich resigniert, denn es war viel zu anstrengend für mich, mich auf Teufel komm raus zu erholen in meinen freien Minuten. Alkohol geht eh nicht. Essen? Gerne lecker, aber egal was es ist, ich würde auch ein 5-Gänge-Menü in Sekundenschnelle in mich hineinschaufeln. Ich sitze meist allein mit kleinen Kindern am Tisch. Mein Ziel ist satt zu werden. Gesund? Ja schon, für mich. Für die Kinder gibt's überwiegend jeden Tag das gleiche und das beinhaltet sicher kaum Gemüse oder Obst. Also versuch ich dieses ausgewogen Kochen für die ganze Familie gar nicht erst. Bin doch nicht blöd. 
Baden? Wann denn? Und wo denn? Wir haben gar keine Wanne.

'Mach dir doch mal nen gemütlichen Abend mit deinem Mann!'
Ich hab jetzt durchgehend nuckelnde, zahnende, rotzende, hustende Kinder, die seit 2011 jede Nacht auf höchstens 5-6 Stunden Schlaf begrenzen. Mir ist ja schon ein Rätsel, wie wir's überhaupt auf drei Kinder geschafft haben! Tssss.

Urlaub? Ach lasst mich einfach in Ruhe damit. Zu viel Arbeit, zu wenig Erholung, zu teuer.

Ich habe bei recht vielem einfach resigniert. Und es ist gar nicht schlimm. 

Und wisst ihr warum nicht?

Weil alles seine Zeit hat. Und jetzt ist halt Mami-Zeit. 
Mit allem was Mamisein bei drei kleinen Kindern bedeutet.

Was ich aber bei meiner Mutter gesehen habe: Die Zeiten ändern sich auch wieder!

Urlaub: Wenn T3 etwas größer ist und das besser mitmacht: mit dem Wohnmobil Europa erkunden. Aber Geld bezahlen, um in St.-Peter-Ording am Familienstrandabschnitt mit all den anderen Familien zu hocken? Nee, echt nicht.

Kleidung, schöne Sachen, die auch länger als 5 Minuten sauber bleiben? Schmuck, Zeit im Bad? Das wird sich ändern. Aber nicht mit Baby und nicht so lange ich stille und nicht bei dem Gerotze und Gepatsche und Gematschte. Das kommt schon noch.

In Ruhe Essen können? Vielleicht. Abwechslungsreich Essen? Irgendwann. Irgendwann sind alle Kinder aus der 'Is ess nur Nudel und Fisstäbsen'-Phase raus. Irgendwann probieren sie andere Sachen. Bei T1 ist das bereits der Fall. Fehlen nur noch 2 Kinder. Und dann trink ich ein Glas Wein und genieße den Abend mit dem Trüffel.

Aber im Moment wäre es ein echter Aufwand das alles zu organisieren und dann klappt das ja doch nicht so, wie gedacht und überhaupt ist mir das zu blöd. Also hab ich da einfach mal resigniert. Ich fühl mich halt grad nicht als Frau, nicht als Ehefrau. Ich bin halt grad die Mami. Und das ist gar nicht schlimm, denn ich bin frei.

Frei vom Gefühl was zu verpassen, was falsch zu machen, was ausprobieren zu müssen. Frei davon alles gleichzeitig sein zu müssen. Frei einem Lifestyle folgen zu müssen. Frei davon vorzeigbaren Erfolg haben zu müssen. Ich bin ja nur das Muttertier. Niemand hat Erwartungen an mich. Ich bin auch frei alle, die doch Erwartungen haben könnten einfach zu ignorieren.

Alles hat seine Zeit. 

Und wenn ich meine Enkel später auf dem Schoß sitzen habe, dann kann ich mich an die Zeit erinnern und mir denken 'Ach, wie anders war das Leben damals. Und jetzt kannste dir Babys ausleihen für ne Stunde und dann zurück geben und schön Essen gehen und hast beides. Ohne zu müssen.'

Kommentare:

  1. Grandioser Kommentar. Quadratur des Kreises ist halt nicht.
    Man muss, denke ich, nur aufpassen, dass der Mann das auch so sieht. Mit dem Trüffel scheint das ja zu passen, aber es gibt diese Väter, die sich dann furchtbar zurückgesetzt fühlen und irgendwann die Partnerschaft aufkündigen. Natürlich prüfe vorher, wer sich ewig bindet etc. etc., aber das passiert ja nicht immer.

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    1. Ja, dass Männer meine, beim Familienleben Rosinen picken zu können ist ein Unding. Respektiert ein Mann nicht, dass Frau erstmal selbst mir Geburt und Muttersein zurecht kommen muss, so ist er einfach ein Arsch. Es gilt: mitgegangen - mitgefangen. Gilt ja für die Frau auch, die kann ja nun auch nicht eifach sagen: Hab ich mir anders vorgestellt, such ich mir eben was neues... Das sollte man den Männern mal klar machen. Ach nee, halt, das versucht der Feminismus ja schon. Und viele Männer winken einfach ab... Bei so vielen Arschlöchern, die es offensichtlich gibt, fällt den Frauen wohl kaum Schuld zu, falsch ausgesucht zu haben. Wähle mal, wenn du nur die Wahl zwischen Respektlos und Ichbinmirselbstamnächsten hast...

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    2. IMHO ist es den meisten Männern, wenn sie nicht gerade sehr jung und idealtypisch erzogen sind, herzlich egal, was ihnen der Feminismus klar machen möchte. Der Feminismus ist für viele Männer wie eine alte, überdrehte, lästige Tante, die mit zusammengekniffenen Augen auftaucht und herumkeift, ohne dass das längere unangenehme Konsequenzen hätte.
      Was Männer beeindruckt ist das, was die Silberrücken tun. Wenn Männer "oben" in der männlichen Hierarchie um 16 Uhr das Büro verließen, um ihre Kinder (oder Enkel) abzuholen, würde das Eindruck machen. Wenn die Silberrücken mangelndes väterliches Engagment in Film, Funk und Fernsehen oft und wiederholt tadeln würden, und zwar nicht nur als Lippenbekenntnis. Wenn einen empörte Kumpels nicht mehr anriefen, wenn man sein bei der Mutter lebendes Kind nach einer Trennung nicht bestens umsorgt, dann würde das Wellen schlagen und Verhalten ändern.
      Aber ich sehe das in Dtl. nicht kommen.

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    3. Es gibt ja leider gar keinen Grund, etwas zu ändern. Funktioniert doch super so. Leider. Und zum Glück für die Kinder.

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