Donnerstag, 14. Juli 2016

Gott gebe, dass es klebe.

So ein Spruch aus meiner Kindheit. Woher, von wem gehört - ich weiss es nicht mehr. Aber er drückt für mich eine klare Botschaft aus:
Es ist nicht alles in unserer Hand.

Gemeint ist natürlich: Gott wird es richten und uns wissen lassen, ob es richtig war, was wir gewollt und getan haben, oder nicht.

Nun arbeite ich ja weder mit einer Vorstellung von Gott, noch mit Begriffen wie Schicksal. Ich denke eher in der Begrifflichkeit des Zufalls, oder wie ich es nenne 'es ist halt so, irgendwas wird schon passieren'. Dennoch bin ich ziemlich schicksalsergeben, man könnte auch sagen, ich akzeptiere halt, was passiert, wenn ich's nicht instantan ändern kann. Verbesserungsstrategien und Lösungen sind für mich eher Mittel zur langfristigen Planung.

Ich denke, ich kann meinen Weg auf lange Sicht verändern, Dinge verbessern etc. Kurzfristige Problemlösung halte ich in 80% der Situationen für sinnlos, denn wenn man etwas abwartet und die Situation mal genau anschaut lösen sich eben 80% der Probleme von selbst, wenn sich alle Beteiligten halbwegs an vereinbarte Regeln halten.

Ich bin schon der Typ 'Verbessern wo's geht', aber eben auch 'abhaken, wo's sich das Eingreifen nicht wirklich lohnt'. Übertragen gesprochen: eher die Ernährung umstellen, als ne 2-Wochen-Diät.

Wie komme ich jetzt darauf? Also, ich versuch's mal zu erklären.

Ich ging in einen Rückbildungskurs und ich muss sagen, ich hab mich direkt nach der ersten Stunde wieder abgemeldet. Ich hab die Mütter nicht ertragen. Nicht, weil die so grässlich waren, sondern weil ich über die Metaebene nachdenken muss und mir die Müttergeschichten die Konzentration rauben.

Neomütter. Noch voll im Rausch der Geburtsverarbeitung. Nicht, dass mich das als alten Hasen nervt, ich gehe 3x die Woche mit einer Mutter aus dem Kurs spazieren (so klischeehaft mit Kinderwagen schieben und Kaffee-to-go). Sie hat einen ähnlichen Geburtsverlauf wie ich bei T1 erlebt und sie ist aber nicht aufdringlich. Ganz wichtig bei mir…

Jedenfalls ich hab ja meine Geburten tatsächlich nun abgehakt und man könnte meinen ich sei durch mit dem Thema. Tatsächlich dachte ich das auch, aber ich komm nicht von der Frage der selbstbestimmten Geburt los.

Ich würde ja sagen, meine Geburten waren alle so selbstbestimmt, wie es nur ging, aber auch das Gegenteil trifft zu. Ich konnte nullkommagarnichts bestimmen. Und darüber möchte ich eigentlich schreiben.

Die Fragen dazu, die mich umtreiben:
Warum haben Frauen Angst vor der Geburt?
Warum erleben Frauen Geburten als Eingriff von außen?
Warum traumatisieren Geburten einige der Frauen?

Die pauschalen Antworten sind natürlich einfach: Angst vor Schmerzen, Angst vor Geburtsschäden/Fehlern, Überforderung in Bezug auf die Verantwortung.

Und nun hole ich etwas weiter aus.

Gottergebenheit ist und war unter uns Menschen nur bei den wirklich gläubigen jemals Trend. Der Rest begnügte sich mit dem Schicksal - irgendwer wird irgendwas schon richten, ob's jetzt Gott ist oder sonstwer. Heute ist man ja eher selbst verantwortlich für sein Schicksal (im besten Falle) oder man macht gleich alles Mögliche direkt von der eigenen Person abhängig. Am liebsten Dinge, die man haben möchte und gut kann. Schuld und Verantwortung sind immer blöd, wenn man eben selbst Schuld ist, darum macht man die lieber am Mitmensch fest. Ja und das Selbstoptimieren ist ja ganz groß zur Zeit. Ey, wenn du krank wirst, dick bist, blöd oder ungebildet, einsam oder süchtig - klarer Fall: biste selbst Schuld! Hättet ja bloss alles besser machen müssen! Musste dich halt auch mal anstrengen!

Ein beschissenes Argument, möchte ich mal sagen, dass auf den ersten Blick von der modernen Genetik auch noch untermauert wird. Ich hasse es. Denn klar, mit noch MEHR kann man IMMER BESSER! Nur, dass das eigentlich gar nicht stimmt, denn immer noch optimaler untergräbt unser Selbstbewusstsein, unser Ego und auch unsere Menschlichkeit und Solidarität. Viel diskutiertes Problem in Bezug auf Krankenkassenleistungen. Aber auch in Bezug auf Schwangere und Mütter.

Ja wir tragen Verantwortung. Für uns selbst, für die Mitmenschen und auch für unsere Babys. Und 'optimal' wird leider nur in Bezug auf das Kind, nicht auf die Mutter verwendet. Wen interessiert denn schon die Gebärmaschine? Das Kind ist die Zukunft, nicht die Mutter.

Diese Herabwürdigung ist ein großes Problem, finde ich. Die Wertigkeit der Mutter wird verändert und das ist ein gesellschaftliches Problem. Es geht fortan nicht mehr darum, auch mal etwas zu akzeptieren, oder mit vorhandenen Ressourcen zu arbeiten, sondern wenn was nicht perfekt ist, so hat die Mutter Schuld. Die hat ja die Verantwortung. Den Bogen zu Überforderung und Ängsten muss ich da gar nicht erst mehr spannen.

Bei Vielen setzt erst Schockstarre ein und dann geflissentliches Befolgen irgendwelcher Regeln in Ratgebern oder von medial präsenten Pädagogen. Natürlich wird in diesen Foren stets betont, eine Mutter wisse schließlich am besten, wie ihr Kind sei und was zu machen sei. Äh ja genau. Aber sie das machen lassen, was sie will, das lässt man sie eben dann doch nicht, weil wenn sie dann doch etwas nicht gut macht, dann ist die Persönlichkeit und Vertrauen und die kindliche Psyche generell versaut. Das arme Kind!

Man predigt also Selbstbestimmung unter kontrollierten Bedingungen. 

Ich. mag. das. nicht!

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