Montag, 6. Juni 2016

Eins, zwei, drei, vier… viele!

'Ja und macht ihr jetzt weiter, bis ein Junge kommt?'

Diesen Satz höre ich ständig. Darüber kann man sich jetzt aufregen, oder man kann einfach akzeptieren, dass sich mein Gegenüber gar nicht wirklich für die Antwort interessiert, sondern in seinen eigenen Sphären schwebt und da auch nicht rauskommen mag - wieso auch immer. Ich persönlich schließe daraus einfach nur, dass mein Gegenüber eine Niete im Smalltalk ist. Also was soll's. Und so antworte ich: 'Nein, drei ist eine gute Zahl.'

Traurig macht es mich dennoch, denn ich würde gerne irgendjemandem erzählen, warum es nicht zu weiteren Kindern kommen wird. Es gibt nämlich handfeste Gründe dafür.

An den Babys selbst liegt es nicht. Meine Kinder waren bisher sehr elternfreundlich und problemlos, also muss ich zugeben, von der Sorte würde ich durchaus noch ein paar nehmen.

Unsere Familie fühlt sich auch keineswegs so komplett an, dass weitere Kinder nicht in Frage kämen. Wir wollten immer viele Kinder. Bei 5-6 würde ich in jedem Fall aufhören wollen, aber an sich ist so ein ganzer Bus voll Kinder nichts schlechtes.

Die Arbeit - das ist natürlich so eine Sache. So viele Kinder muss man sich ja leisten können und dafür muss man arbeiten und.. ach ihr wisst schon… Viele Kinder und arbeiten, einfacher wird's dadurch auch nicht. Aber auch das würde mich nicht ernsthaft vom Kinderkriegen abhalten.

Es gibt genau 2 Gründe, die mir diese Entscheidung, keine Kinder mehr zu bekommen, nahelegen.

Zum Einen ist da die Schwangerschaft. Die letzte war zum abgewöhnen und ich fürchte fast, eine weitere würde mir die letzte Kraft rauben. Ich kann und will das nicht noch einmal und es steht ja doch zu befürchten, dass es mit meinem Körper nur noch heftiger und nicht einfacher würde. Irgendwo ist die Grenze nunmal erreicht und die muss man dann auch akzeptieren.

Zum Anderen ist da mein Gefühl. Ich habe das sehr starke Gefühl, dass es ein viertes Mal nicht gut gehen würde. Das war bei den vorherigen Schwangerschaften ganz anders. Ich hatte so eine innere Gewissheit, alles würde gut, das Kind sei gesund, alles super. Aber schon vor der 2. Schwangerschaft kam bei mir der Gedanke auf, bis Nr.3 sei alles ok und dann gäbe es Probleme. 
Fragt mich nicht, was sich mein Gehirn da zusammen spinnt. es ist eben so. Ich bin überzeugt, ein viertes Kind wäre eine Katastrophe. Und ich rede hier nicht über Trisomie 21 Risiken aufgrund meines Alters. Ich denke dabei spontan an sehr viel schwerere Behinderungen und Beerdigung. 

Irgendwas sagt mir, ich sollte ab jetzt die Finger vom Kinderkriegen lassen und mich mit dem Kinderhaben begnügen. 
Also ich bin gar kein esoterischer Mensch und ich weiß, dass das ja irgdwo auch Hirngespinste sind, aber ich hätte keine ruhige Minute bei einer erneuten Schwangerschaft. Es ist einfach in meinem Kopf drin. Eine Art Vorahnung. Gerade bei mir… tzzzzzz.

All das war bisher kein Thema, weil ich ja erst jetzt an den Punkt komme, wo diese Gedanken relevant werden. Nicht, dass ich etwas geplant hätte, aber ich habe ja nun drei gesunde Töchter. Und ein weiteres Kind ist nicht erst Thema, wenn es an die konkrete Umsetzung geht. Es ist für mich ein Thema, weil ich merke, dass ich ziemlich trauere und sehr oft denke 'du machst das hier zum letzten Mal'… 

Das letzte Mal ein ganz kleines Baby. Das letzte Mal die ganz kleinen Babysachen anziehen. Das letzte Mal all die ersten Male. Kein weiteres Baby im Babybettchen, im Babysitz, in der Babywanne… 

Das tut mir weh. An manchen Tagen mehr, an manchen Tagen weniger.

Der Trüffel ist dabei keine Hilfe, denn er nennt meine Ängste tatsächlich Hirngespinste. Aber er muss die Kinder ja auch nicht kriegen. Nur die Schwangerschaftskomplikationen lässt er als Argument gelten, weil es diesmal schon so schwierig war. Und auch, weil er sich tatsächlich einen Jungen wünschen würde. Warum kann er allerdings nicht sagen.

Ich wünsche mir weiterhin keinen Jungen. Aber das kann ich anderen ja nicht sagen, dass ich lieber Töchter habe als Söhne. Darf man ja heut nicht. Nicht wegen der Söhne, sondern wegen der anderen Mütter, die Söhne haben. Dass mir die Identifikation mit Töchtern leichter fällt und ich mich einfach nicht mit Sohn sehe ist aber nur ein Scheinproblem. Schließlich habe ich ja nur Töchter.

Ich habe jetzt die nächste Windelgröße gekauft. Noch ein letztes Mal. Ich räume die nächste Kleidergröße ein. Am liebsten würde ich das Zeug direkt verkaufen, damit ich es nicht mehr um mich haben muss. Selbst ein Karton im Keller ist mir zu viel. Aber der Trüffel will nicht. Er will das Kinderkriegen noch nicht aufgeben und sich schon gar nicht damit auseinander setzen, nur noch letzte erste Male zu haben. 

Aber der muss die Kinder ja auch nicht kriegen.

Hoffentlich kriegt er mich nicht doch noch rum, es noch einmal zu versuchen.

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