Mittwoch, 9. Dezember 2015

Baby einmal so und einmal so

Das wird eine Buchrezesion, obwohl das auf meinem Blog ja sonst nicht üblich ist. Ich möchte zwar etwas über ein Buch schreiben, von dem ich begeistert bin, aber nicht nur. Ich möchte vor allem diskutieren, wie unterschiedlich man die Kommunikation über Familienzuwachs gestalten kann.

Im Klartext: Es geht um Kinderbücher für werdende große Geschwister.

In der Schwangerschaft mit T2 war ich auf der Suche nach netten Büchern, die T1 ein wenig vorbereiten sollten auf die Familienerweiterung. 
Ich fand zunächst das Übliche:
Wir sind jetzt vier! von Ministeps und Unser Baby aus der Wieso?Weshalb?Warum?-Reihe. Ich schaute mir natürlich auch noch weitere an aus dieser Kategorie. Und eigentlich fand ich die nicht schlecht. Es sind zwar einfach eine Art kindgerechte Sachbücher - aber warum denn auch nicht?
T1 war damals gerade um die 2 Jahre und es war schon noch sehr früh, ihr diese Geschwistersache näherzubringen.

Im Grunde gibt es eine Menge Bücher, die mit mehr oder weniger ausführlichen Geschichten das Kinderkriegen schildern - manchmal eher erklärend, manchmal als nette Geschichte mit Herz.
Ich würde auch nicht sagen, dass diese Bücher nicht gut oder nicht gut genug sind. 

Aber sie offenbaren eine sehr deutsche Sicht auf Geschwisterkinder. Das Fazit der üblichen Geschwisterbücher ist leider ein negatives: zuerst kann die Mama nicht mehr richtig spielen, weil sie so dick und rund ist und alles so anstrengend und das wird direkt abgelöst von der Zurücksetzung, die große Geschwister dann zwangsläufig erleben müssen. 
Da mag auch faktisch einiges dran sein, aber der Ton ist negativ. Geschwisterchen zu bekommen ist nichts Schönes, Erfreuliches, sondern wirkt sich immer negativ auf das bereits vorhandene Kind aus.

Nun, wenn das der Forschungsansatz von Entwicklungspsychologen sein sollte, ist das eine Sache. Das jedoch als Fakt einem 2jährigen Kind zu vermitteln ist, gelinde gesagt, fragwürdig und unnötig. 
Schön, wenn zwar mögliche Wut oder Ängste der Kinder thematisiert werden, aber fehlt zwischen dem dicken Bauch und der Zurückweisung nicht ein Schritt?

So jedenfalls fand ich und ich suchte nach einem Buch, dass einen anderen Grundtenor hat.
Mein großer Favorit ist:
Was macht das Baby in Mamas Bauch? des Schweden: Thomas Svensson.
Ich möchte gleich betonen, dass es auch in dieser Kategorie herzlicher Geschwistergeschichten mehr als eines gibt. Aber dieses hier hat mir doch ausnehmend gut gefallen und meinen Kinder eben auch. Der Grund? Es macht richtig Lust auf Babys! Es überwiegt in dieser Geschichte die Neugier auf das kleine Geschwisterlichen in Mamas Bauch - unabhängig vom Geschlecht. Und es ermöglicht den Großen bereits zum Kugelbauch eine positive Beziehung aufzubauen.

So hat der große Bruder Jakob im Buch auch allerlei Fragen und natürlich gleich die Antworten parat: Warum nur das Baby anfängt im Bauch herumzuhüpfen, wenn die Mama gerade schlafen gehen will? Was das Baby wohl gerne isst und ob es auch so gern Limonade trinkt? Und ob das nicht anstrengend für das Baby ist immer im Kopfstand zu stehen, wenn die Mama sich bückt? Wie sich das Baby wohl vorstellt, wie alle aussehen?

Eine typische Frage, die ja eigentlich fragt: Wie stellst du dir denn das Baby vor? Das allein ermöglicht eine Identifikation und so ist nach der Geburt auch nicht die fehlende Zeit der Eltern das Thema, sondern ein großes Herz, dass gemeinsames Spielen verheißt, wenn das Baby erst groß genug dafür ist.

Ich mag dieses Buch so, weil es wirklich witzig ist und kein bisschen negativ. Und das ist gut so. Mamas Rückenschmerzen sind nämlich nicht das Problem der Kinder und sollen es auch nicht sein. 

Und für meine Damen ist dieses Buch auch sehr einleuchtend, denn die beiden haben eine so innige Beziehung miteinander, dass völlig klar ist, je mehr Kinder - desto besser. Auch Eifersuchtsdramen gab es bei uns keine, denn einerseits habe ich nur selten dem Baby mehr Aufmerksamkeit gewidmet, aber andererseits hab ich T2 auch immer als etwas Schönes dargestellt. Wir haben uns darauf gefreut.
Eifersüchteleien gibt es natürlich dennoch, aber nur situationsbedingt, nicht als grundlegend negatives Gefühl dem anderen Kind gegenüber. 

Und so wird es wohl auch bei T3, denn die 3 Damen spielen bereits jetzt miteinander. Die Großen kitzeln meinen Bauch und bringen dem Baby bei, wie es mich genauso auch von innen kitzeln soll. Außerdem wird dem Baby bereits erklärt, dass man beim Essen den Mund schließen soll und dass man T2 besser nicht ihren Parasaurolophus wegnimmt, sonst haut sie nämlich. 

Ich muss aber zugeben, dass dieses Buch wahrscheinlich erst für Kinder ab ca. 3 Jahren seinen ganzen Witz entfaltet, denn die Gedankengänge sind durchaus eher die eines Kindergartenkindes. Jedenfalls würde ich mich immer wieder für ein Buch entscheiden, dass positive Gefühle dem Baby gegenüber in den Mittelpunkt stellt. Probleme kann man immernoch thematisieren, wenn sie dann auftauchen.

1 Kommentar:

  1. Franzi ist dann zwar erst etwas über 2 Jahre... Aber dein Buchtip klingt toll... Werd ich mir mal genauer ansehen!
    Danke dafür

    AntwortenLöschen