Dienstag, 17. November 2015

Wie ich einen Plan ersann, gleich eine ganze Helikopterflotte zu chartern

Ja, ich behaupte durchaus, eine total entspannte Mutter zu sein. 

Stillen? Ach, ich nehme das Fläschchen, wenn's geschickter ist. Beikostart? Wurscht, Hauptsache es schmeckt. Kita? Ne gute Betreuung und dann passt das schon, egal wie früh. Dem Kind geht's auch gut, wenn man als Mutter nicht am Rad dreht und alles perfekt machen will.
Klar, ich mach mir Gedanken - meine eigenen Gedanken - sind ja auch meine eigenen Kinder, aber bei mir gab's bisher kein Pekip, keinen Babykurs, keine Ratgeber, keine Apfelschnitze und kein Gerenne. Ich mach halt so gut wie alles, wie ich denk. Die Kinder werden sich schon melden, wenn's ihnen nicht passt. Den Rest werden sie wohl überleben. Total easy. Sogar schwimmen kann kann die Große bereits, obwohl wir nie einen Schwimmkurs besucht haben. Ich war halt bisher so naiv und dachte, wenn wir eh regelmäßig im Schwimmbad sind, dann kann ich ihr das auch zeigen, wenn sie Bock drauf hat. Wozu Geld und Zeit aufwenden, damit andere das erklären, was wir sowieso tun?

Sodann wachte ich vor einigen Tagen auf und fand mich als Hubschrauberpilotin wieder, völlig unerwartet und völlig überfordert, wo ich das riesen Ding denn nun landen sollte - so mitten in der Stadt.

Nun worum geht es? 

Es geht um diese eine Sache, die wohl die meisten Eltern manchmal zur Verzweiflung bringt, ebenso wie deren Kinder. Es geht um die Schule.
Eine gute Schule. Die richtige Schule. Die perfekte Schule für das perfekte Kind.

Und zack, wer so denkt hat schon verloren.

Wie es dazu kam?

Tja, die Große ist gerade 4 geworden und war somit bereits dran mit der amtsärztlichen Vorschuluntersuchung. Darüber hab ich auch gar nicht nachgedacht, denn wozu? Kind ist gesund, kann alles, weiß alles besser, macht alles. Kein Grund sich über irgendwas Gedanken zu machen.

Doch dann, dann fingen die anderen Eltern an im Kindergarten über die Infotermine in den Grundschulen zu fachsimpeln und ich fing an darüber nachzudenken, dass ich mich da mal informieren könnte/sollte/müsste. Das Kind wird ja nun auch nicht jünger. 
Und klar, sie wird erst 2017 eingeschult, aber nächstes Jahr hab ich dann 3 Kinder an der Backe - ein Baby - tja und ob ich da so viel Muse hab? Da nutz ich schlaues Weibchen doch die Zeit und begeb mich jetzt auf Grundschulsuche und dann ist das nächstes Jahr alles ganz einfach. Nur Anmeldung unterschreiben und fertig...

Ja, ich weiß, ich bin ein Depp. Ein totaler Idiot und der naivste Mensch der Welt.


Die perfekte Schule - Durchdrehen für besorgte Eltern - Schritt 1

Ich suchte also im Netz, wurde direkt befriedigt und fand schnell heraus, wie das hier läuft. Entweder man ist Hausfrau und kann sein Kind in die staatliche Grundschule schicken und um 12 Uhr abholen. Hortplätze gibt es unverschämt wenige und einen zu ergattern ist utopisch. Man könnte jedoch eine private Betreuung organisieren. 
Die eigentlich einzige Alternative: eine Privatschule. Der endlose freie Himmel für helikopternde Eltern - freien Flug für freie Bürger. 

Die Entscheidung fiel schnell - es wird nur mit einer Privatschule funktionieren.


Schritt 2: gut, besser, am BESTEN.

Was sind wir? 
ELTERN!

Was wollen wir?
DIE BESTE SCHULE FÜR UNSER KIND!

Nur falls einer fragt, Schule heute und Schule damals ist ja gar nicht mehr vergleichbar. Unzählige pädagogische Konzepte, bilingual, klassenübergreifendes Lernen, kleine Klassen, individuelles Lernen mit individuellen Lernplänen? Ist bereits Standard.

Und dann fand ich sie. Die perfekte Schule. Ich war verliebt. Die Rektorin - ein Traum. Der Personalschlüssel, unverschämt hoch. Die Lehrer, platzen vor Begeisterung und ich würde alle sofort heiraten, so emphatisch sind die. Die Sozialpädagogen, so engagiert, da bleibt kein Kind allein in der Ecke sitzen. Das Konzept: 'Wir sind nicht leistungsorientiert, sondern tun alles, um Ihr Kind in seiner natürlichen Neugier und Kompetenz zu unterstützen. Freies Lernen für glückliche Kinder!'

Ich saß da, auf dieser Infoveranstaltung, seufzte leise vor mich hin, entschwand in den Grundschulhimmel und war glücklich. Genau das Richtige für mein wunderbares Kind…

Ok, von den Wartelisten darf man sich nicht abschrecken lassen, die Hoffnung stirbt zuletzt, wir werden ganz sicher einen Platz in dieser Schule bekommen. Oder zumindest in einer mindestens genauso himmlischen anderen Schule. Oder in einer noch viel besseren, noch viel himmlischeren!


Schritt 3: Wunsch und Wirklichkeit

Gut, natürlich hat die ganze Sache einen klitzekleinen Haken. Aber nur einen kleinen, kaum der Rede wert. Ehrlich. 

Der Haken an einer Privatschule ist natürlich das Schulgeld. Es ist ein klein bisschen teuer. Nicht sehr. Ich mein, hey, wir haben alle studiert und super Jobs und bilinguale Kitas und weil das Kind doch unser Augenstern, unsere Zukunft ist, wird man doch wohl bereit sein, ein paar Euro zu investieren. Man bekommt ja schließlich auch was dafür!

Was also hätten Sie denn gern? 

Sicher nicht die billigste Schule, wo die Anmeldegebür 1000 Euro beträgt und das Schulgeld nur 400.- pro Monat. Dort gibt es aber keine zwei Lehrer plus einen SozPäd pro Klasse!

Also 3500.- müssen Sie schon für ne Anmeldung investieren. Da kommen dann monatlich nur 700.- Schulgeld dazu. A b e r, dann haben Sie auch komplette Ferienbetreuung und ne wirklich gute Schule!

Wer sein Kind aber wirklich liebt, der nimmt die Schule mit 7000.- Anmeldung und 1500.- Schulgeld. Das wird ja meist auch vom Arbeitgeber bezahlt (WTF Hääääääääää?). Dann, und nur dann, wird ihr Kind mit Geldzurückgarantie glücklich im Leben. 


Ich möchte anmerken, die Obergrenze ist da noch lange nicht erreicht in dieser so wunderbaren Stadt. 

Ich habe nun verstanden, weshalb alle die Akademikereltern, die Erfolgreichen mit den tollen Jobs, der super Karriere und dem erstrebenswerten Leben alle nur EIN Kind haben. Mehr als eins kann man verdammt noch mal gar nicht bezahlen!

Die Mami mit Nr.3 im Kugelbauch erntet leicht spöttische Blicke. Selber Schuld, haste halt die Zukunft deines Kindes versaut. Was musste auch Karnickel spielen? Hätteste mal vorher genau überlegt, statt zu rammeln…


Und so setzt langsam Ernüchterung ein. Die Helikopterflotte ist ganz eindeutig sehr viel zu teuer für uns.
Ich mein, die billigste Privatschule ist auch gut und hat ein Ganztagskonzept und eine Kantine und betreute Hausaufgabenzeit am Nachmittag. Ich mein, ich hab die Schule auch überlebt und die war lang nicht so fancy, wie diese Privatschule. Ich mein, der Großen würde es dort doch auch gut gehen. Sie findet dort doch auch Freunde, nette Freunde. Und sie wird dort auch viel lernen. Halt eher auf herkömmliche Weise. Ist eher wie ne staatliche Schule, nur mit Ganztagsbetreuung… (Dennoch bleibt dieser Stachel, dem Kind nicht das Beste vom Besten bieten zu können - zum allerersten Mal.)

Wenn diese vermaledeiten Helikopter nur nicht so im Sonnenlicht funkeln und glänzen würden mit ihrer Regenbogen-metallic Lackierung! Hätte ich mich doch nur von den Helikoptern fern gehalten. Zu ersten Mal frage ich mich, ob ich es bei so einer wichtigen Sache, wirklich richtig mache. Und was wohl passiert, wenn ich es versaue. 

Und dann schäme ich mich, denn bei meiner ganzen Begeisterung für Helikopter-Pädagogik hab ich mein Kind gar nicht mit eingerechnet. Wie komme ich eigentlich dazu, diesem so unglaublich fantastischen Kind nicht zuzutrauen, dass es auf einer normalen Schule zurecht kommt, Freunde findet und seinen Weg selbstbewusst und kompetent alleine geht? Ohne in Watte gepackt zu werden.

Ich hasse Helikopter!


Kommentare:

  1. Die sind auch so sperrig im Wohnzimmer und mA braucht so verdammt lange, bis man sie wieder durch die Tür draußen hat ;)

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  2. Oh Mann..... Das kommt auch noch alles auf einen zu?!?! ;)

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