Dienstag, 13. Oktober 2015

Der komplizierte Mensch

Ich bin nicht einfach, das weiß ich und ich sehe ein, dass ich auch recht schnell recht heftig auf den scharfen Ton meines Gegenübers reagiere. Auch wenn das nicht immer bös gemeint ist. Aber ja, medizinischen Personal gegenüber bin ich nicht mehr objektiv.

So gesehen lief der Hebammentermin im Geburtshaus eigentlich sehr gut. Die Dame ist zwar etwas schnell und forsch und hat mich mit all den Fragen auf einmal etwas überrumpelt, aber das war jetzt nicht negativ. Sie regte sich sehr über die bisherige Behandlung auf, die man mir zukommen lies - die fand sie genauso unmöglich wie ich - und fragte mich über die bisherigen Geburten aus. 

Was mir leider nicht gut gefiel war, dass ich kaum zu Wort kam, in das Gespräch gar nicht eingreifen konnte, keine Erklärungen abgeben konnte, es sei denn sie wollte eine. Ich konnte weder ihr klar machen, was ich mir wünsche, noch erzählen wie es mir geht und dass diese Schwangerschaft diesmal wirklich anstrengend für mich ist. Ich konnte ihr nicht erzählen, dass die Übelkeit diesmal wirklich über das normale Maß hinaus geht. Das hat 2 Gründe:

Zum Einen war nach der Aufregerei über den Gyn keine Zeit mehr. Und zum anderen sagte mir die Hebamme, für die Übelkeit möchte sie mir einen Allgemeinmediziner empfehlen, der Homöopath und Akupunkteur ist, denn die Schulmedizin habe einfach für Schwangere nichts Sinnvolles im Angebot. Als ich ihr sagte, dass ich nicht auf Homöopathie stehe und das gar nicht mein Glaubensystem sei, hat sie direkt zugemacht und nur gemeint, dann müsse ich da eben so durch. Und ich könne auch nur bei ihr im Geburtshaus bleiben, wenn ich mich nicht darüber mit ihr zanken würde. 

Ich denke, die Ablehnung naturheilkundlicher Methoden hat ihr gar nicht in den Kram gepasst. Ansonsten fand ich den Termin sehr gut und sie sehr kompetent. Aber ich bin dennoch ratlos. Denn, was ich an Übelkeit habe, das sehr häufige Erbrechen, das ist ein echtes Problem. Und ein echtes medizinisches Problem sollte hier in Deutschland auch mit echten medizinischen Lösungen angegangen werden. Ich frage mich, warum ich es nicht schaffe, anderen klar zu machen, dass ich nicht wehleidig bin, sondern dass 15-20x am Tag Erbrechen und keinen Schluck Wasser drin behalten, nichts ist, wobei ich mich einfach nicht so blöd anstellen soll. Und nein, da hilft auch kein Nausea, in dem Fall muss ich ohne schlechtes Gewissen ne Vomex einschmeißen können, sonst lande ich ganz fix im Krankenhaus am Paspertintropf. 

Eigentlich war ich über den Termin heute nicht unzufrieden. Dennoch erinnert mich diese Hebamme in einigem an die Nachsorgehebamme der Großen, und diese Frau war ein echtes Problem. 

Ja, ich bin kompliziert, und ich wünsche mir jemand, der mich mit Handschlag begrüßt, mich fragt, wie es mir denn gehe und dann tatsächlich zuhört und nachfragt und mir Vorschläge macht und erklärt. Jemand, der mal sagt, dass meine bisherige Strategie, an wirklich schlechten Tagen echte Medikamente zu nehmen, in Ordnung sei. Ich beschwer mich nicht über 3x am Tag kotzen - das ist für mich ja schon pippifax. 

Aber ich bin jetzt Anfang der 15. Woche. Letztes Wochenende hab ich eine fette Erkältung bekommen, es ging gar nix mehr, ich hab nur gekotzt, mein Körper hat total gestreikt, und ja, ich hab Vomex genommen, 2 Tage nur Wasser getrunken, 2,5kg verloren, nur geschlafen - aber so ist es nun mal. Ich laufe am Limit. Ich breche noch nicht zusammen, aber wenn ich sage, es geht mir beschissen, dann meine ich genau das. Ich würde mich schon lang nicht mehr trauen in einer solchen Situation zu einem Arzt zu gehen, oder eine Hebamme anzurufen, weil ich davon ausgehe, dass ein Arzt sofort große Geschütze auffährt und eine Hebamme dazu rät, Fencheltee zu trinken. Als ob der länger drin bleibe als Leitungswasser.

Die Erkältung hat mich natürlich jetzt nochmal umgehauen. Insgesamt ist aber eine leichte Besserung zu verzeichnen in allen Schwangerschaftsbeschwerden. Nur wirklich Ernst genommen fühle ich mich auch von dieser Hebamme nicht - zumindest bisher. 

Warten wir mal auf den nächsten Termin. Vielleicht haben wir da mehr Zeit. Wenn die Homöopathie allerdings zum Problem wird, dann weiß ich auch nicht wirklich weiter. Ja und Amen sagen, damit ich im Geburtshaus bleiben kann? Andere Hebamme suchen (dafür dürfte es dann aber schon recht spät sein) und im KH entbinden? Keine Vorsorge? Kann ja nun auch nicht die Lösung sein. Hebammenvorsorge der Uniklinik mit sehr unindividuellen Vorsorgeplänen? Jedesmal nen anderen Gyn bis ich einen habe, der ok ist? Und wenn ich keine andere Hebamme fände? Ich meine, keine die nicht rein alternativ eingestellt ist. Irgendwie weiß ich auch nicht recht, was da immer so schief läuft. 

Bin ich so komisch, dass man wirklich nicht mit mir auskommen kann? Ich greife grundsätzlich nie an. Aber wer mir im Befehlston oder mit Drohungen kommt, ja, der wird von mir angezickt. Ich hätte so gerne medizinische Betreuung von jemandem, dem ich vertraue. Und Drohen und Befehlen fördert mein Vertrauen nicht. Was soll ich denn da tun? Ich bin ziemlich ratlos. Sich aus der medizinischen Vorsorge zurück zu ziehen halte ich für verantwortungslos. Aber vor jedem Vorsorgetermin Angst haben, weil ich nicht weiß, was diesmal auf mich einprasselt, oder was ich abnicken soll, ist auch keine Lösung. 

Wie macht ihr das? Kennt ihr solche Probleme gar nicht? Habt ihr alle einfach super Ärzte und Hebammen? Steht ihr alle auf Naturheilkunde? Fallen euch diese Unstimmigkeiten gar nicht auf, oder gibt es die bei euch gar nicht? Oder tut ihr die einfach so ab und vergesst es schnell wieder? 
Ganz ehrlich, Antworten würden mich wirklich interessieren. Was macht ihr anders?

Kommentare:

  1. Guten Abend :)

    Ich sehe das so: solange es definitiv nicht schadet, habe ich nichts zu verlieren ;)
    Soll heißen, bei so kleinen Zuckerkullern, mit ein bisschen Pflanzenextrakt muss ich mir keine Sorgen machen. Und wenn es nur der Plazebo-Effekt ist, na und? Der kann mir ruhig auch mal helfen ;)
    Dabei muss ich aber auch sagen, dass ich Globuli bisher nur in wenig schlimmen Fällen eingesetzt habe. Gegen ein dickes Knie nach einem Sturz, wenn der Kleine wieder ein paar Zähne bekommt, bei entzündeten Schrammen... Wenn es lebensgefährlich würde, hätte ich Probleme, falls der Arzt mir mit Kamomilla kommt ^^
    Jedenfalls hatte ich den ganz subjektiven Eindruck, dass es geholfen hat :) Wenn der Zwerg zahnbedingt wieder unleidlich wurde, ist mir zB. eingefallen, dass er seine Kugeln nicht bekommen hat.
    Schöne Grüße :)
    Bine

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    1. Also ich halte Homöopathie für Verarsche. Und ich kenn mich beim Thema durchaus ein bisschen aus, denn meine Mami ist vom Fach und ich hab damals die 'Weiterbildungen' dazu mit ihr mitgemacht.
      Mein eigentliches Problem ist, dass ich ein echtes Krankheitsbild habe. Das ist nicht eingebildet, das ist eine echte Krankheit und wir sind nicht im Hinterland in Mali, wo es nur einen Schamanen gibt. Wenn man hier wirklich krank ist, dann bekommt man wirklich echte Medizin mit Wirkstoffen und auf Indikation. Ich meine, ein Arzt, eine Hebamme, die mir nicht abnimmt, dass ich krank bin oder meint, ich würde mir da bissel was zusammenjammern, wie soll ich denn dem vertrauen? Durch alternative Heilmethoden hat man sehr wohl etwas zu verlieren, nämlich dann, wenn man echte Medizin braucht. Eine medizinisch ausgebildete Person, die auf Indikation keine Medizin anwendet, sondern sagt 'Stell dich mal nicht so an.', hat definitiv den falschen Beruf.
      Meine Kinder und ich, wir nehmen keine Kügelchen und leben gut damit. Wenn mein Kind schmerzen hat, dann bekommt es Schmerzmittel. Schmerzen und starke körperliche Belastungen, sind nichts was einen stärker macht, wenn man sich durchquält. Und die Kügelchen bergen auch die Gefahr, dass man schnell und etwas wahllos behandelt, denn es schadet ja nix. Das halte ich auch für unangemessen. So lernen schon Kinder, dass man immer etwas nehmen kann. Jeder sollte aber lernen differenziert zu entscheiden, ob er wirklich Schmerzen hat und dann nimmt man ein Medikament und gut ist. Bisschen Kügelchen hier und da klingt eher nach eine Briese Salz hier und ein bisschen Pfeffer dort und zack hat man ein köstliches Mahl. Medizin sollte nicht so verwendet werden.

      Im Übrigen hat meine Mutter in ihrer Fachtätigkeit im Krankenhaus vor 2 Wochen eine Frau in den Tod begleitet, auf Intensiv, die eben daran starb. Statt u erkennen, dass die Frau 1 Tag nach der Geburt eine ernsthafte Infektion hatte, hat die Hebamme ihr Kügelchen gegeben. 3 Tage nach der Geburt war sie tot. Mitten in einer strukturstarken Gegend in Deutschland. Meine Mutter ist zwar im Zweitberuf Heilpraktikerin, aber sie ist seit 30 Jahren Intensivschwester. Von ihr hab ich gelernt, dass Medizin unverzichtbar ist und nicht durch Kügelchen ersetzt werden kann. Eine Hebamme, muss das wissen, oder es kommen Menschen wirklich zu Schaden.

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    2. Es tut mir Leid, wenn ich mich so zweideutig ausgedrückt habe. Ich würde nie die "traditionelle Deutsche Medizin" ;) durch Kügelchen ersetzen. Sie rangieren eher so im Bereich Kamillentee ^^ Ich würde mich bei entliehen Erkrankungen auch nie auf Tee verlassen.
      Aber natürlich möchte ich mich auf meinen Arzt verlassen können. Wenn das nicht geht, ist das wirklich mies.
      Und wenn er einen als Hypochonder darstellt, fühlt man sich ja auch nicht ernst genommen und gut aufgehoben...
      Eine Bekannte von mir arbeitet als Ergotherapeut und hat an ihrem frisch geborenen Kind Auffälligkeiten festgestellt. Sie hat einen Marathon an Ärzten hingelegt, bis ihr einer geglaubt hat, dass sie nicht "umgekehrt Betriebsblind" ist... Es hat sich herausgestellt, dass sie Recht hat und ihr Kind wird regelmäßig behandelt.
      Vielleicht lohnt es sich, sich noch einmal nach einem anderen Arzt umzusehen. Das heißt ja auch nicht, dass dubiosen fallen lassen musst, sondern du kannst dir ja eine zweite Meinung einholen. Wenn du ihn schätzt, dann sagst du ihm vielleicht vorher noch Bescheid ^^
      Ich hoffe in jedem Fall, dass du eine Lösung findest, mit der du bis zur Geburt leben kannst :)

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    3. entliehen sollte ernstlichen heißen -.-
      und dubiosen waren ursprünglich zwei Worte, nämlich du diesen...
      ich liebe die Autokorrektur :P

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