Dienstag, 15. September 2015

Der perfekte Plan

Beim dritten Kind komme ich auf den Geschmack. Ich habe mich in meine Hebammen verliebt und den perfekten Plan, der mich bisher sehr glücklich macht. 

In Basel lief ja die überwiegende Vorsorge, außer Ultraschall, auch über die Hebammensprechstunde der Frauenklinik. Ähnlich kann man das auch hier organisieren. Allerdings habe ich mich direkt für das Heidelberger Geburtshaus entschieden. Es ist in einem Krankenhaus integriert und so können, wieder bis auf US, alle Untersuchungen dort gemacht werden. Für den US wurde mir ein Belegarzt des KHs empfohlen. 

So war ich also gestern bei meinem ersten Vorsorgetermin und bin positiv überrascht. Der Arzt wusste sofort, wie er mit meinen Wünschen und meiner Planung umgehen muss, denn er arbeitet sehr eng mit besagtem Geburtshaus zusammen. Im US bestätigte sich dann auch mein geheimer Verdacht. Es waren zu Beginn Zwillinge. Das erklärt die K.O. Runde in dieser SS. Allerdings ist ein Embryo bereits so weit absorbiert, dass kein weiteres Vorgehen notwendig ist. Das Baby ist bei 10+1 schon 7 cm groß und irritierender Weise wahrscheinlich ein Prachtbursche. Allerdings glaub ich das erst, wenn ich's richtig sehe. 

Erstaunt war der Arzt, wie schlecht es mir teilweise wirklich geht. Seine Anmerkung 'Das ist ja wirklich heftig bei Ihnen.' brachte mich dann doch zum Schmunzeln. Als ob ich wegen ein bisschen Übelkeit so ein Theater machen würde. Aber das kann er ja nicht wissen…

Sehr angenehm fand ich überdies: Man wollte keine Schwangerschaftstest von mir. Bereitwillig trug die Assistentin mein errechnetes Geburtsdatum ein und im US bestätigte sich exakt dieses Datum. Das freut mich besonders, denn mein Körpergefühl wurde einfach anerkannt. Das tut wirklich gut. Der Arzt kommentierte auch nicht, dass ich nur ein Blutbild wollte und keine weiteren Antikörpertests. 

Für die Assistentin war das allerdings zu viel des Guten. Auch sie versuchte recht massiv auf mich einzuwirken. Diesmal konnte ich aber ruhig bleiben und als sie mir von vorgeschriebenen Untersuchen anfing, erklärte ich ihr erstmal, dass sie mich überhaupt nicht anzufassen habe, wenn ich dem nicht zustimmte. Das war vielleicht ein bisschen harsch, aber sie lies sich nach anfänglichem Beleidigtsein von mir erklären, dass sie mir doch bitte vorher aufklären solle, wofür sie mir jetzt Blut abnehmen wolle. Sie zählte also auf und ich sagte 'Dann bitte nur ein Blutbild.' Sie versuchte es dann noch mit 'Aber die Kasse zahlt es doch sowieso.' Darauf antwortete ich nicht zum ersten Mal 'Dass die Kasse etwas bezahlt, sei keine medizinische Indikation.' Das akzeptierte sie dann und verpasste mir einen riesigen blauen Fleck. Das ist wohl der Preis für ein einfaches Blutbild. 

Als ich dann ging, ergänzte sie jedoch, dass es einfach nur sehr selten vorkäme, dass Frauen nicht die Kassenuntersuchungen machen wollen. Das hat mich doch sehr erschreckt. Vor allem, weil die Assistentin ohne Erklärung mehrere Röhrchen vorberietet hatte und auch ohne Nachfrage nicht aufgeklärt hätte. Die Methode - erst Schießen, dann fragen auf wen und warum - scheint mir immer noch sehr unangebracht. Und doch hab ich es jetzt so oft erlebt, dass ich wirklich schockiert bin. So kann doch Medizin und Gesundheitswesen gar nicht funktionieren. Und so will doch niemand Patient sein. Eine furchtbare Diskrepanz, die Normalität zu sein scheint. 

Diesmal hat mich das allerdings nicht wirklich tangiert. 
Begeistert bin ich von den drei Hebammen, die das Geburtshaus führen. Die Damen stellen nicht nur genau die richtigen Fragen, sie beantworten auch meine exakt, informativ und ohne Gedöns. Herrlich. Sie scheinen mir selbstständiger und kompetenter als die Hebammen der Sprechstunde in Basel. 

Super finde ich auch, dass sowohl Arzt, als auch Hebammen mich mit 'sollte' aufklären. Ich habe vom Fachpersonal noch kein 'muss' gehört. Ach das tut sehr gut. 

Ganz anders allerdings ist meine neue Pilateskursleiterin. Es ist der schlechteste Kurs, den ich je besucht habe, aber es ist ja nicht für lang. Und allein bin ich doch auch nicht so konsequent. Die Dame allerdings redet sehr gerne sehr viel vom 'müssen' und 'nicht mehr' dürfen. Mein Hinweis, dass ich keine vernünftige Studie gefunden habe, die besagt, dass Schwangere generell Probleme mit dem Beckenboden oder den Mutterbändern bekommen, wenn sie mal etwas schweres trügen, bewegte die Dame nur zu Schimpftiraden. Tatsächlich fand ich nichts Konkretes, dass Risiken für Schäden oder Frühgeburten oder Ähnliches durch Tragen, z.B. von Geschwisterkindern, beständen. Das lies die Trainerin nicht gelten, immerhin habe sie ja eine 'Beckenbodenausbildung'. 

Mich ärgert, dass solche Menschen ungestraft, Schwangere verunsichern. Für mich ist das eine Form von Machtausübung. Es ist willkürlich. Dabei wäre der Hinweis 'Mach was dir gut tut und hör auf, wenn du irgendwo Schmerzen oder ein schlechtes Gefühl hast.' angebracht. Mein Ärger kommt daher, dass Fachpersonal wie Ärzte und Hebammen im besten Fall kompetent beraten. Wer Pech hat muss aber auch danach suchen. Alle fachlich schlechter ausgebildeten Personen, die sich dennoch berufen fühlen, ihre Meinung in pseudokompetentem Ton kundzutun, einem ständig über den Weg laufen. Gefährliches Halbwissen überall. In einer Informationsgesellschaft ein ziemliches Problem. Es soll ja keine Bankrotterklärung werden, oder?

Ich jedenfalls hab beim dritten Versuch auch schon die passende Vorsorge gefunden. Das ging ja fix. Wobei in Basel nicht alles schlecht war. Die Betreuung war sogar wirklich gut. Nur nicht individuell. 

So sehe ich also hoffentlich irgendwann einem Abklingen der Beschwerden entgegen und kann ohne Bauchgrummeln zur Vorsorge gehen. Ist doch auch mal schön. 

1 Kommentar:

  1. Dritter versuch ^^

    Hallo Rosalie,

    Dein Sportkurs erinnert mich an die Diskussionen, die ich führen musste, um mich weiterhin aufs Pferd setzen zu dürfen. Zum Schluss haben wir uns darauf geeinigt, dass es nicht gefährlicher als Radfahren ist. Und prompt bin ich unspektakulär zur Seite runtergefallen, musste etwas humpeln aber es gab keine anderen Beschwerden.

    Ich drücke die Daumen, dass deine Beschwerden bald abflauen =)
    Schöe Grüße, Bine

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