Mittwoch, 5. August 2015

Murmeltiertag

Es ist soweit: We proudly present - Rosalie und Trüffel, der Saga 3. Teil.

Ja, meine verehrten LeserInnen, es ist Murmeltierttag - jeden Tag. 

Intensive Träume, Aufwachen, Übelkeit, bleierne Müdigkeit, alles riecht viel zu sehr, noch mehr Übelkeit… und, wie könnte es anders sein, die Welt streicht der geplagten Schwangeren das Leben auf 'Sie müssen' und 'Sie dürfen jetzt nicht mehr' zusammen. Der Test war kaum positiv, da konnte ich spontan nachvollziehen, warum sich schwangere Tiere von der Herde zurückziehen und sich im hintersten Eckchen verkriechen.

Aber der Reihe nach. 
Wir sind ganz am Anfang. Zum früheste möglichen Zeitpunkt, ich brachte gerade die Kleine zu Bett, da dachte ich so bei mir 'Da stimmt doch was nicht. Ich mach mal nen Test.' Das war noch vor Übelkeit und sonstigen Nebenwirkungen. Zaghaft erschien ein zweites Strichlein und ich dachte 'Ha! Hab ich's doch gewusst.' Spontane Eingebung: Das passt, alles gesund und munter und noch ein Mädchen (Mag jemand dagegen halten? Bewiesen ist noch nichts).

Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. 
Trüffel: Ja warten wir mal ab, ob das überhaupt was wird…
Meine persönliche Einschätzung - mein 'Bauchgefühl - zählt beim Gatten leider nix. Ich weiß, das ist eher eine hilflose Reaktion seinerseits, denn er hat weder Zugang, noch Kontrolle über das was da passiert. Dennoch, dass ich bei 2 Schwangerschaften, bei dieser auch und bei 2 Fehlgeburten jeweils sofort wusste, wann wo was passiert und immer 'richtig lag' (obwohl, ich hab ja nicht geraten), macht mich offensichtlich nicht zum Experten. Danke auch.

Ich rief meine Mutter an, die freute sich, gratulierte und fragte: 'Und was sagt dein Gefühl?' 'Alles gut, das passt.' 'Gut, dann passt's.' Meine Oma sagte übrigens das Gleiche. Es dürfte kein Zufall sein, dass die 2 Frauen, die mich am besten kennen und selber wissen, wie es sich anfühlt mir als einzige vertrauen. Der Rest der Welt scheint das nicht zu tun und noch nicht mal zu erwägen, egal wie sehr ich schreie.

Und das plagt mich. Nach 3 Tagen hatte ich bereits den Wunsch die Schwangerschaft in der Einöde Grönlands verbringen zu wollen. Keine Hitze und vor allem keine anderen Menschen um mich herum.

Ich les ja kein Dr. Google, aber ich schaute doch einmal bei der KK nach, welche Vorsorgeuntersuchungen es in Deutschland so im Allgemeinen gibt. Ich las von allerlei möglichen Bluttests und von 3 Ultraschallterminen. Also dachte ich mir, bei meiner Frauenärztin, die ich bisher als verhältnismäßig wenig herrisch und sehr nett empfand, da muss man mind. 5 Wochen im Voraus anrufen für einen Termin. Da ruf ich doch mal an und frag nach einem Termin in der 9.-12. Woche. 

Ihr denkt euch jetzt vermutlich: Boah is die blöd. Das zumindest dachte die medizinische Fachangestellte am anderen Ende ganz sicher:

Hallo, hier Rosalie, ich bin schwanger und würde gern einen US Termin ausmachen für die zwöflzigste Kalenderwoche zum Ersttrimesterscreeening. 

Waren Sie schon bei uns?

Ja.

Also das Organscreening können wir hier nicht machen, da müssen sie zum Herrn Dr. Bsonderstoll. Aber die anderen US können wir hier machen.

Hä? Wie Können Sie nicht machen?

Ja, da braucht man eine extra Zulassung, die hat der Herr Bsonderstoll. Wann haben Sie denn einen Termin zur Vorsorge?

HÄ? Ja also, ich brauch sonst weiter nix. Ich wollte eigentlich nur zum US in der 9.-12. Woche.

Ja, wir können hier alle anderen US machen. Sind Sie denn schwanger?

HÄÄ? Welche anderen US denn? Versteh ich nicht. Die Krankenkasse hat gesagt, es gäbe 3 US, den ersten in der 9.-12. Woche…

Ja den können wir hier nicht machen. Gehen Sie doch zum Herrn Dr. Bsonderstoll. 

Aufgelegt. 
Ich starrte mein Telefon an. HÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ? Was war das denn?

Mir ist schon klar, was die wollte. Kaum ist der Test positiv, soll ich dahin, mir allerlei Körperflüssigkeiten abzapfen (lassen) und eine Mini-Fruchtblase beschallen lassen, wo man noch nullkommagarnix sieht. Nur, wozu? Wurde in den ersten beiden SS nicht für nötig befunden, also wozu soll ich das jetzt machen lassen??? 
Wer nun sagt: Aber du weißt doch gar nicht genau, wie weit du bist!
Doch, weiß ich. Ich hatte zwar nach der Fehlgeburt in Frühjahr keinen wirklichen Zyklus, aber ich hab den Eisprung gemerkt, weiß, wann ich Sex hatte und weiß wann der Test zum ersten Mal zaghaft positiv wurde und wie er einige Tage darauf dick positiv wurde. Ich kann das Datum der Befruchtung sehr genau eingrenzen. Allerdings sagt das System auch hier: Das hat nix bedeuten. Du weißt gar nix, bis dir dein Arzt mit zig Untersuchungen und Nachmessungen sagt, was du zu wissen hast. Dass die US Schätzung, v.a. in diesem frühen Stadium der SS, wesentlich ungenauer und grober ist, als meine eigene Berechnung, lassen wir mal außer Acht. Bei den letzten SS haben sich die Ärzte jedenfalls wesentlich stärker 'verschätzt' als ich. 

Ich rief also, als ich mich etwas beruhigt hatte, wieder in der Praxis an und fragte nach einem Beratungstermin. Die nette Dame von zuvor fertigte mich unwirsch ab. Was erträgt man nicht alles…

Dann besorgte ich mir eine Hebammenvorsorge im Geburtshaus, das ich mir insgeheim schon ausgeschaut hatte. Die war auch sehr nett und ich lern sie auch bald kennen. Der Trüffel allerdings tobte und zeterte, er wolle kein Geburtshaus und überhaupt und wir werden alle sterben! Seine Unterstützung ist mir also sicher.

Dann ging ich ins Pilates, wie jede Woche seit 2 Jahren hier in HD. Ich dachte 'Hey biste verantwortungsvoll, sagste deiner Trainerin Bescheid.' Und, ihr ahnt es - Zeter und Mordio!
Die Trainerin rief sofort die Chefin an und zack, ich flog aus dem Kurs und aus dem ganzen Studio. Weil, Schwangere in den ersten 4 Monaten dürfen auf gar keinen Fall gar niemals Pilates machen. Dass es mir gut geht, ich das auf eigene Verantwortung mache und aufhöre, wenn's irgendwo ziept und vor allem, dass ich seit 15 Jahren Pilates mache und in den beiden SS zuvor jeweils bis zum 6. Monat im normalen Pilatestraining war… hat nix zu sagen. WER INTERESSIERT SICH DENN DAFÜR! 
Gut die Besitzerin des Studios möchte Haftungsschäden ausschließen, das ist ihr Recht und das akzeptiere ich, aber, dass sie mir am Telefon eine Viertel Stunde erklärt, dass mein Baby stirbt, wenn ich weiter Pilates mache - ja also… ich glaube nicht, dass ich öffentlich ungestraft sagen darf, was ich davon halte. War wohl das falsche Studio...

Aber offensichtlich nicht das Einzige mit dieser Auffassung. Letztlich hab ich dann doch ein Pilatestraining für Schwangere gefunden. Damit bin ich nicht ganz glücklich, aber ich hab nun keine Wahl. Dabei wollte ich doch andere Schwangere meiden, weil die bisher noch nie so mein Fall waren, aber schau mer mal. Ich soll ja auch meine Vorurteile überwinden.

Was ich nun mit dem Arztbesuch mach ist mir noch unklar. Ich hab irgendwie schiss, dass ich mich wieder zu was überreden lass und dann - schon wieder - das Vertrauen in den Arzt verlier und auch wieder nur am kämpfen bin. Dabei würde ich gerne die 3 US Termine wahrnehmen, denn auch ich mag BabyTV. Nur nicht um den Preis, dass ich mich bei jeder abgelehnten Vorsorgebehandlung rechtfertigen muss. Die Ärztin würde das noch verstehen und sich sagen, sie bräuchte bessere Argumente. Darum mag ich sie eigentlich auch so. Aber mit einer Sprechstundenhilfe rumzuzanken, weil ich selber bestimmen will, das ist mir schon sehr zu blöd. 

Es ist eine Schande. Millionen Frauen wären dankbar für diese Versorgung und bei uns muss man sich rechtfertigen, wenn man sich nicht schon in der 5.Woche zu Tode untersuchen lässt, nur weil es eben alle so machen… 

Den Schwiegereltern haben wir übrigens noch nichts gesagt. Deren Reaktion auf die ersten beiden Kinder war so unter aller Sau, dass ich diese Kommentare jetzt nicht auch noch ertrage.

Jedenfalls finde ich die offene Missachtung der Wünsche und Bedürfnisse einer Schwangeren, die einem von all den ignoranten Menschen entgegenschlägt, beängstigend und verletzend und ich finde, es nimmt mir durchaus den Wind aus den Segeln. Denn eigentlich freue ich mich sehr, fühle mich pudelwohl und hab ein echt gutes Gefühl. Am gesündesten für mich wäre, wenn man mir das lässt. Und leider bin ich wohl echt zu blöd ein Problem zu sehen, wo einfach schlicht weg kein Problem ist! Nur, weil bei irgendwem irgendwann viellicht ein Problem auftauchen könnte. 

Ich sehe auch den Vorteil von Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft. Dennoch macht mich dieses Gezeter nervös und erschwert mir, wirklich kompetent und vernünftig darüber nachzudenken, welche Vorsorgeuntersuchung für mich in meiner Situation mit meiner Geschichte sinnvoll sind. Alle schreien immer nur 'Individualität' aber in Wahrheit ist das ein Märchen und wir sollen gefälligst in die Schablone passen. Das merkt man eigentlich nur, wenn man dann mal individuell sein möchte. Diesmal wäre es mir ein echtes Bedürfnis, denn ich habe zu viele negative Vorsorgeerfahrungen gesammelt.

Kommentare:

  1. Erstmal alles Gute zu Nr. 3!
    Ich bin immer wieder beeindruckt wie sicher Dein Körpergefühl ist, weil ich es leider nicht in dem Maße habe. Bei uns dauert es nicht mehr lange und Nr. 3 ist da. Nach zwei unkomplizierten Schwangerschaften schnell hintereinander und nun gleich weider war doch Bammel da, dass Nr. 3 nicht so problemlos läuft. Tut es aber doch, zum Glück.
    Kann es sein, dass die Arztpraxis Deinen Wunsch falsch verstanden hat? Als Ersttrimesterscreening wird hier in Sachsen die Nackenfaltenmessung + Blutwerte= Trisomierisiko verstanden, ansonsten wird nur von US gesprochen, die normale Vorsorge halt.
    Alles Gute weiterhin!

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  2. Herzliche Glückwunsch und alles Gute! :-)

    Vermutlich dachte die Dame am Telefon, Du möchtest einen Termin zum Spezial-/3D-Ultraschall, das in der Zeit gemacht werden kann. Das kann nicht jeder Arzt machen. Ruf jedoch nochmal an und Frage nach einem Vorsorgeterrmin, da wird üblicherweise ein "normales" Ultraschall bei der "normalen" Ärztin gemacht, also genau, was Du sicher.

    Liebe Grüße,

    Steffi

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    1. Entschuldige. Ich meinte "genau, was Du suchst" ... Autokorrektur ;-)

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