Donnerstag, 23. Juli 2015

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Kennt ihr das noch? Haben wir im Kindergarten früher gespielt - genauso wie Vater, Mutter, Kind. 
Könnt ihr euch erinnern an das Spielen? So ganz unbeschwert? Ohne Sorge? 

Wir sind alleine zur Schule gestiefelt. Oder mit dem Fahrrad durch die Gegend gebrettert und unsere Freunde haben uns dann aus dem nächsten Busch am Ende der Straße gefischt. Oder wir streunten sonst irgendwo herum. Mir jedenfalls lief damals niemand hinterher, zu Kindergartenzeiten. 

Zumindest erinnere ich mich nicht daran. 
Gut, ich komme aus einem kleinen Dorf, aber wir haben auch an der Hauptstraße gewohnt. Die war auch in den 80igern stark befahren. Und ich hab mich auch ohne Helm öfter mal filmreif über den Lenker meines Fahrrades begeben oder bin vom Baum gefallen. Hatte halt Glück.

Nun lese ich heute einen Artikel in der Zeit, in dem es darum geht, ob man kleine Kinder noch nackig rumspringen lassen darf. Und ich wollte da sowieso was drüber schreiben, denn vorgestern waren wir beim Kinderturnen. Und wir waren draußen aufm Spielplatz und es gab riesige Mengen an Wasserbomben und die Kids liefen in Unterhosen herum und wir Mütter versuchten nicht grad patschnass nach Hause radeln zu müssen… 

Und da sprach auf einmal eine Mutter: 'Habt ihr den gesehen?' Sie zeigte in eine Richtung und wir drehten alle unsere Köpfe und sahen: nix. 
'Da war gerade ein Mann. Habt ihr den nicht gesehen?' Nee, hatten wir nicht. Wir guckten wohl alle recht verständnislos, denn sie fügte noch an: 'Ich werd da immer unruhig, wenn da so ein Mann ist und den Kindern zuschaut. Ich komm halt aus ner großen Stadt.'

Und in dem Moment dachte ich zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder an das Spiel von damals: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Ich muss jetzt mal ehrlich sagen, dass ich in dieser Hinsicht nicht wirklich ängstlich bin. Im Supermarkt flitzen meine Kinder immer so durch die Gänge. Ich habe ihnen eingeschärft, nichts aus den Regalen anzufassen. Aber meist habe ich keine Ahnung, wo sie sich rumtreiben und wenn der Wagen voll ist, zuckel ich immer laut ihre Namen rufend durch die Gänge und sammle sie wieder ein. Auf dem Spielplatz gehe ich eigentlich nie nach den Kindern schauen, denn sie wissen ja wo ich bin und entweder eine kommt mich holden, falls was passiert ist, oder ich sammle auch hier wieder alle ein, wenn wir dann gehen. Meine Kids laufen zum Glück nicht dauerhaft weg. In der Stadt im Café in der Fußgängerzone lasse ich sie laufen mit dem Hinweiß, sich von Glasscherben freizuhalten. So kann ich in Ruhe Kaffee und Kuchen genießen und hole sie meist danach bei irgendeinem Straßenmusikanten wieder ab.

Meine Kinder sind oft nicht in meiner Sichtweite. Nur im Schwimmbad achte ich natürlich darauf, denn sie können beide noch nicht schwimmen. 

Und die fremden Männer? 
Ich gebe zu, da hab ich überhaupt keinen Sensor für. Mir fallen keine Männer auf Parkbänken auf, die Kindern nachstarren. Entweder gibt's von denen nicht gar so viele, wie uns in den Medien erzählt wird oder die wissen, dass sie nicht so auffällig starren sollen. Mich jedenfalls stören fremde Männer nicht. 

Ich habe auch das Gefühl, dass hier bei uns die meisten Menschen recht entspannt sind mit kleinen Kindern. Ich habe 2 kleine blonde Töchter und die lasse ich im Schwimmbad nackt auf unserer Decke rumsitzen. Sie laufen nackig zur Dusche, wir duschen in Gemeinschaftsduschen und ziehen uns in Gemeinschaftsumkleiden um. An dien ganz heißen Tagen laufen sie auch draußen nur mit Unterhöschen herum, aber mehr, weil sie sich sonst überall den Po aufkratzen, weil sie sich überall hinsetzen müssen. 

Meine Kinder sind es gewohnt nackt herum zu laufen und fühlen sich damit auch pudelwohl. Sie sind auch von uns Eltern viel nackte Haut gewohnt, wenn auch eher in unserer Wohnung. 

Man muss schon aufpassen, wie man das mit den nackigen kleinen Kindern sieht. Wir alle halten es für falsch, jeden Mann unter Generalverdacht zu stellen, aber das Problem scheinen mir auch gar nicht die Männer zu sein. Das Problem scheint mir zu sein, überall eine Gefahr zu wittern. Sicher wollen wir unsere Kinder beschützen. Nur ist es schwer zu erkennen, wo denn jetzt die wirklichen Gefahren lauern und so erklären wir einfach alles und jeden zur potenziellen Gefahr für den Nachwuchs. Und vermitteln dem Nachwuchs auch so gleich, dass alles und jeder wirklich gefährlich ist. Unserer Kinder werden dann nie die Chance haben, Gefahren realistisch einschätzen zu lernen. 

Ich muss sagen: Wenn ein Mann auf einer Bank sitzt und den Kindern im Sommer bei einer Wasserschlacht zuschaut, dann gibt es dafür 1000 Gründe. 1 davon kann sein, dass ihn das erregt. 

Meine Reaktion darauf ist: Und wenn schon? Ich kann nix dagegen tun und der Mann nix dafür. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird er sich aber nicht mein Kind schnappen und mitnehmen, schon gar nicht, wenn ich als Mutter in der Nähe sitze. Er wird sich allein in seiner Wohnung ausleben. 
Ich heiße nicht gut, was er tut, aber für mich und meine Kinder ist das in der Tat ein marginales Problem. 
Statt Pädophile pauschal anzugreifen, muss man ihnen helfen. Und die fremden Männer, die Kinder auf dem Sportplatz zuschauen sind dabei unser geringstes Problem. Ein Problem sind die Missbrauchsfälle, die in Kinderzimmern stattfinden. Ein Problem ist die Kinderpornographie, die sich aus Vergehen an Kindern speißt. 

Und ein Problem finde ich auch den Umgang der Gesellschaft mit Kindern. Mütter kleiden ihre Kinder gern mit Mode und Assecoires, die eigentlich erwachsenen Frauen dienen,um ihren Körper zu betonen. Da in geschätzt ca. 98% der Fälle Frauen Kinderkleidung aussuchen, muss ich mich da schon fragen, ob das nicht schizophren ist. Kleinkinder rennen in Bikinis und Badeanzügen durchs Freibad, statt mit Badehose. Als gäbe es etwas zu verdecken bei Kleinkindern... Einige tragen Schmuck und Kinderkleidung, die nicht kindgerecht, dafür der letzte Schrei in der Erwachsenenmode ist. Mütter kleiden ihre Töchter in Hüftjeans und Bikinis, aber sie haben Angst vor dem einen Mann, der womöglich Kindern beim Spielen zuschaut, weil er seinen eigenen vermisst. 

Irgendwo ist da der Haken, denn wenn wir mal auf die Statistik schauen, dann haben meine Kinder sehr sehr gute Chancen durchs Leben zu kommen, ohne einem fremden pädophilen Mann in die Hände zu fallen. Mein Job als Mutter ist es demnach ihr subjektives Gefühl für Gefahren nicht ganz von den offiziellen Zahlen loszulösen. 

Meine Kinder sollen sich in ihrem eigenen Körper wohl fühlen und sich (noch lange) nicht Gedanken darüber machen müssen, was andere über ihren Körper denken. Die Chance, dass Mütter ihren Kindern die Welt vermiesen durch übermäßiges Misstrauen ist wesentlich größer, als dass sie durch einen pädophilen Serienvergewaltiger traumarisiert werden. Und dieses Misstrauen wird ihr gesamtes Leben prägen und ihnen viel Lebensfreude nehmen. 

Manchmal müssen wir Erwachsenen eben doch besser bedenken wie wir uns im Alltag verhalten und was wir auf unsere Kinder projizieren. Ein rosa Mini-Bikini mag süß aussehen. Aber faktisch sagt er, dass die Mutter, die ihn ausgesucht hat nicht nachgedacht hat und ihre kleine 2jährige Tochter unbeabsichtigt sexualisiert.

Im Kindergarten hatten sie übrigens in dieser heißen Zeit ein Planschbecken im Garten aufgebaut und ratet mal, welches Mädchen als einzige eine Badehose anhatte? Genau. Genau genommen hatten sie eine lange Jungsshorts an und sie hat sich als einziges Mädchen weder Knie noch Po beim rumtoben aufgeschürft, denn oh Wunder - mit einem nassen Bikini sollte man dann eben gerade nicht auf der heißen Rutsche in den Sandkasten rutschen. 

Eltern machen schon oft paradoxe Sachen. Aber wer will, kann ja hinzulernen.

Hier in HD sehe ich jedenfalls viele nackige Kids - auf dem Wasserspielplatz, an Badeseen, in Brunnen und auf Wiesen und beim Eisessen im Freibad auf Papas Schoß. Und das gehört auch so!

Kommentare:

  1. Wir waren neulich im Freibad und sind von der Badeaufsicht gebeten worden, die Kinder anzuziehen und nicht nackt rumlaufen zu lassen mit der Begründung: Es gibt Menschen, die sind eklig^^

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