Freitag, 3. Juli 2015

Es gibt Dinge...

…die glaubt man nicht, wenn man's nicht selbst erlebt hat. Reden wir zum Beispiel über die vielen dummen Sprüche und Klischees übers älter werden. 

Ok, wirklich alt bin ich nun nicht, aber ich kann die Anzeichen tatsächlich beobachten. Kennt ihr das?

Klischee Nr.1: der Körper

Nun, gegen die Lachfältchen hab ich ja gar nix, aber ich hätte mir ernsthaft vor 10 Jahren nicht vorstellen können, dass mein Po je kleine weiche Dellen haben könnte, die sanft wackeln, wenn ich laufe. Oder diese schreckliche Vene an meinem Oberschenkel, die sich sicherlich zu einer Krampfader entwickeln wird. Ich weiß nun auch, wozu ein BH wirklich da ist. Vor 10 Jahren hab ich mich tatsächlich gefragt, wozu ich einen tragen soll, so straff war da alles. Mein Körper ist - sagen wir mal diplomatisch - weicher und kuschliger geworden. 

Klischee Nr.2: Gesundheit

Kennt ihr das: schwere Beine am Abend? Rücken? Ihr liegt im Bett und mögt euch nie wieder bewegen? Wäre mir mit 20 nicht in den Sinn gekommen. Ich hatte Energie für zwei. Keine meiner Gliedmaßen beschwerte sich für geleistete Überstunden. Ich wurde nie krank. Ich konnte locker den ganzen Tag mit Absätzen laufen, ohne zusammen zu brechen. Fragt mich heut mal. Ich brech jetzt schon zusammen, wenn ich 20jährige auf hohen Schuhen auch nur anschaue!

Klischee Nr.3: Ernährung

Spätvorstellung im Kino und danach noch zum goldenen M auf ne Pommes? Wer erinnert sich, wann er das zum letzten Mal gemacht hat? Schaue ich nun in meinen Kühlschrank, finde ich viel Gemüse, Salat, etwas Fleisch und Wurst. Und Yoghurt! Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Yoghurt statt Snickers zwischendurch esse. Ich hab ein Brot zu Hause, dass aufgegessen wird bevor es verschimmelt im Müll landet! Ich mein, echt jetzt? Aber was soll's, man muss sich ja vernünftig ernähren… ihr wisst schon.

Klischee Nr.4: Männer

Ich bin nun in einem Alter, wie soll ich sagen: also die Männer um mich herum tragen keine Sneaker mehr. Aus. Vorbei. Lederschuhe und Stock im Ar***. Ordentlich frisiert oder auf lässig getrimmten 3-Tage-Bart. Wo ist die gute alte Zeit hin, da Kerle noch volles Haar hatten und keinen Scheitel? Aber mei, so komm ich schon gar nicht auf dumme Gedanken.

Klischee Nr.4: Frauen

Früher war das vollkommen egal, heute heißt das Hauptunterscheidungsmerkmal von Frauen: Mutter oder Kinderlose. Hab ich mich früher immer gefragt, wie es kommt, dass die Mütter zu Hause bleiben und warum sie sich in diese Schiene drängen lassen, so weiß ich es heute. Hätte ich jemals erwartet, dass mir das passiert? Nein. Ist es mir passiert? Ja. Werden Väter anders gesehen als Mütter? Ja, vor allem bei der Arbeit. Müssen Mütter da mehr kämpfen? Ja. Hätte ich so ehrlich nicht erwartet mit 20. Da dachte ich, wir seien doch schon weiter. Aber damals hätte ich auch nicht gedacht, dass ich es schaffe, die Situation umzukehren. Dennoch, was war ich naiv mit 20.

Klischee Nr.5: Arbeit

Das ist einfach. Früher dachte ich, Menschen mit 40, 50 oder 60 hätten mehr Ahnung als ich, darum seien sie Chefs und ich müsse eben von vorne Anfangen. Heute weiß ich, die sind nur älter, aber nicht klüger, haben nicht mehr Ahnung von der Arbeit, ihre Erfahrung hilft ihnen oft auch nicht weiter, sie sind fast immer überfordert, weil die Aufgaben schneller gewachsen sind, als der Charakter. Mit 20 dachte ich, wer am besten arbeitet kommt am weitesten. Heute weiß ich, die Qualität der Arbeit hat leider viel zu wenig Anteil an der Karriere von Menschen.

Klischee Nr.6: Familie

Ja, ich geb es zu, ich bin total zum Familienmensch mutiert. Nix Freiheit und Unabhängigkeit um jeden Preis. Nix von wegen, alles alleine machen und 6x im Jahr bei Muttern anrufen und Lebenszeichen hinterlassen. ABER - und das möchte ich mal ganz klar sagen: Eine Familienkutsche kommt mir nicht ins Haus! Lieber kaufe ich nen zweiten Sportwagen oder nehme den ÖV! Auf keinen Fall nen Van! Und ein Haus bau ich auch nicht! Und ich kauf auch keines! Niemals! (Ihr seht, eine letzte rebellische Bastion ist mir noch geblieben. Fragt mich in 10 Jahren noch mal… *kopfschüttelnd ab)


So, liebes Ich von vor 10 Jahren. Jetzt schauste aber. Hättste das gedacht, was aus mir wird? Nee? Aber ich kann dich beruhigen, mein heutiges Ich ist ganz zufrieden damit. Aber fragt mich bloß nicht, wie es so weit kommen konnte. Ich hab ja keine Ahnung!

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