Dienstag, 14. April 2015

Wie ich mal Hilfe von unerwarteter Seite bekam

Heute möchte ich einmal die andere Seite darstellen. Ich kam mal in eine ganz blöde Situation, war richtig verzweifelt und bekam riesige Hilfe von ausgerechnet einer anderen Mutter.

Ich war mal in der Situation in der ich etwas veröffentlichen wollte - also eigentlich musste. Meine eigenen Forschungsergebnisse. Aber durch recht blöde Umstände, kam es, dass mich weder meine ehemalige Chefin, noch sonst ein anderer Prof. dabei unterstützen wollten. Das ist ziemlich blöd, denn es war meine erste Publikation und dann auch noch gegen den ausdrücklichen Willen der Chefin - naja. Wir hatten alle unsere Gründe. Unter anderem war ich eben schon gänzlich abgeschrieben aufgrund meiner Fortpflanzung und meine Chefin kalkulierte, meine Ergebnisse allein zu ihren Gunsten zu verwerten. Jedenfalls, der einzige der mich unterstützte war der Forschungsdekan, der kam aber aus einem anderen Fachgebiet und konnte mir demnach inhaltlich natürlich gar nicht helfen.

Da saß ich nun, vor dieser blöden Aufgabe und wusste überhaupt nicht, wie das geht. Also nicht das Formale. Mich auf den Homepages so zu informieren, damit ich die Formalien erfülle war jetzt nicht das Problem. Aber ich hatte zuvor noch nie eine Publikation geschrieben, nur Vorträge gemacht. Und ich war durchaus etwas panisch. 
Ich fragte also bei ehemaligen Kollegen nach - alle kinderlos - ob sie denn mein Skript mal Korrekturlesen würden, Anmerkungen machen und so… Das Ergebnis war viel Herumgedruckse und schließlich Todstellen. Keiner wollte mir helfen, sich einmischen, sich anlegen, Zeit investieren trotz angebotener Mitautorenschaft. Alle fanden, ich solle es doch lieber sein lassen. Und das, obwohl ich diesen Leuten mehr als nur einen Gefallen getan hatte im Laufe der Zeit. Einer hab ich sogar richtig gehend den Arsch gerettet, arbeitstechnisch. Wir waren über die Jahre doch auch mehr als Arbeitskollegen geworden.

Ich verzweifelte immer mehr und immer in dem Wissen, dass meine Professorin das selbstgerecht beobachtete. Ich hatte da noch eine ehemalige Kollegin. Ihr Vertrag wurde nicht verlängert, nachdem sie ein Kind bekam. Das Kind war nun etwa 2 Jahre, sie hatten ein Haus kaufen wollen, sie suchte einen Job und überhaupt hatte ich seit einem ganzen Jahr nix von ihr gehört und mich auch nicht gemeldet. Ich hatte darum auch ein schlechtes Gewissen, ich hab den Kontakt ja einschlafen lassen.

Dennoch rief ich sie an. Wir telefonierten 3 Stunden und sie weinte doch tatsächlich am Telefon, als ich ihr berichtete, in welch saublöder Situation ich mich befand und dass ich Hilfe bräuchte. Sie war fassungslos, dass mir niemand sonst unter die Arme greifen wollte, fand, ich hätte dennoch recht, das im Alleingang zu machen und sagte sofort zu, mir zu helfen.

Und das tat sie dann auch. Ich schrieb und sie korrigierte - immer und immer wieder. Über 5 Monate lang holte sie ihr Kind 3x die Woche eine Stunde später von der Kita ab oder gab eine Stunde ihrer kostbaren 'Arbeitszeit' (wo sie eigentlich hätte Bewerbungen schreiben müssen), um mir zu helfen. Einfach so. Weil sie es für ganz selbstverständlich hielt. 

Sie hat mir dadurch sehr viel mehr gegeben, als nur ihre Mithilfe. Es war echte Solidarität. Sie hat mir Mut gemacht und Hoffnung, mich nicht unterkriegen zu lassen. Sie hat mir geholfen zu Kämpfen, obwohl ich eigentlich auf verlorenem Posten stand. Sie lies mich nicht allein. Und sie hat an mich geglaubt. Dass ich im Recht bin und das schaffe, mit Kind. Weil sie keinen Grund sah, weshalb ich nicht bekommen sollte, was alle anderen auch bekommen - eine berufliche Chance bei wirklich guter Arbeit, die ich geleistet habe. 

Wir waren damit semi-erfolgreich. Semi, weil wir zwar publiziert haben, aber vor allem die beruflichen Vitamine natürlich flöten gegangen sind. Ich bereue das aber nicht, denn ich weiß nun was ich kann und ich habe eine Freundin gefunden, die mal kurz alles stehen und liegen ließ - aus freien Stücken - obwohl sie einen schwer kranken Mann zu Hause hat und ein Kleinkind. Einfach so. Um einer anderen Mutter zu helfen. Damit wir uns nicht einfach abschreiben lassen von Menschen, die es nötig hatten mich wegen meiner Mutterschaft anzufeinden, nicht wegen eventuell fehlender fachlicher Kompetenz.

Danke Carine, du bist die Beste und ich wünsche dir und deiner Familie alles Glück dieser Welt!

Kommentare:

  1. Danke für diese Erzählung. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Solidarität meistens von denen kommt, denen man diese nicht wirklich abverlangt hätte ... also von denen, die auch kämpfen.

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    1. Und von denen, die den Preis für dieses Kämpfen kennen. Und doch gibt es solche Geschichten von echter Solidarität unter Müttern, wo doch alle rufen, wir würden uns bekriegen.

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