Mittwoch, 8. April 2015

regretting motherhood

Da nun alle darüber bloggen, tu ich das auch gern mal. Besonders eindrücklich fand ich allerdings weder den Ursprungsartikel in der SZ, noch die meisten Blogposts zum Thema. Dass wir alle manchmal die Nase voll haben und mal Ferien von den Kindern wollen, ist irgendwie nicht wirklich etwas Neues. Dass wir alle reflexartig anfügen, wie sehr wir unseren Nachwuchs doch lieben - obwohl wir ständig jammern, spricht zwar Bände, aber leider nur über die Umstände unter denen wir unser Gejammer zum Besten geben.

Einen Text allerdings fand ich doch sehr gut zum Thema: Leben im Käfig.
Ein sehr klarer Text mit deutlichen Worten und wenig Attitüde, von dem ich jedes Wort unterschreiben würde.

Drei Dinge allerdings fallen mir bei dieser Diskussion auf und ich frage mich, ob andere diese Punkte genauso sehen.

1.
Fremdbetreuung ist ja nun seit geraumer Zeit ein Thema und es tut sich auch was, wenn auch langsam. Aber die Anzahl der Kitas und Horde steigt und auch die Qualität wird langsam zum Thema. Das ist doch schön und sollte eigentlich ermöglichen, dass die Frauen neben dem Familienleben durchaus ein Leben unter Erwachsenen, mit eigenem Einkommen und Perspektiven führen können. Klar geht das recht langsam von statten, der Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft, aber wenn Mütter vehement mehr Perspektiven verlangen, werden Arbeitgeber, Gesellschaft und vor allem die Familien nachziehen. Daran muss man schon glauben, wenn man den Wandel wirklich will. 
Das heißt auch zu gleichen Teilen den Partner einspannen oder eben eine Fremdbetreuung, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Da muss man auch als Mutter all das einfordern. 
Vor allem dass die Mutter immernoch der Hauptbezugspunkt für die Kinder ist, ist zum größten Teil das Werk der Mütter selbst. Ab Geburt kann man sein Kind auch locker mal Papa, Oma oder Tante in die Hand drücken, darauf bestehen, dass Papa 6 Monate Elternzeit nimmt, oder sich einen besser passenden Job sucht oder oder oder. Leider sehe ich da kaum ein Problem, außer dass die Mütter das meist nicht wirklich wollen. Das mag zwar auch etwas mit dem allgemeinen Mutterbild zu tun haben, aber wie soll man denn etwas für jemanden verändern, der das eigentlich gar nicht geändert haben will? Darum stellt sich für mich die Frage: Wollen Mütter eigentlich ein anderes Mutterbild oder geht's ihnen mit dem bestehenden gut? 
Für die Ausnahmen und all die Mütter, die sich Mutterschaft anders vorstellen würden, sollte sich natürlich idealerweise eine Alternative bieten. Ich meine aber dennoch, dass man heutzutage durchaus solche Alternativen leben kann. Mit Angriffen muss man da aber glaub immer rechnen, denn jeder Lebensweg stellt andere Lebenswege in Frage. Menschen werden dies immerzu als Angriff werten, auch wenn die Mütterlager nie aktiv gegeneinander in den Krieg ziehen. Jemand andren ernsthaft so akzeptieren zu können mit seinem Weg und seinen Entscheidungen, ist eher eine Charakterfrage, denn eine gesellschaftliche. Die meisten Menschen scheitern daran. Mit Kinder kann man das aber super üben, wenn man will.

2. 
Die zweite Frage, die sich mir stellt ist: Wer hat hier eigentlich welches Problem?
Ich kann das nur für mich selbst beantworten und da musste ich nunmal feststellen, dass ich so überhaupt kein Problem mit meinen Kindern habe. Noch nie hatte. ABER ganz viele andere haben ein Problem mit meinen Kindern - oder besser - mit mir als Mutter. Für mich persönlich ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie recht problemlos. Ich hab mir einen Wohn- und Arbeitsort gesucht, wo Kinderbetreuung hervorragend ist und verlange von meinem Mann, dass er nur so viel arbeitet wir wirklich nötig und dafür hier zu Hause auch aktiv mitmacht. Das stresst mich also wenig. Chefs und Kollegen haben damit sehr wohl ein Problem. Die haben ja aber auch andere Interessen. Statt mir ein Problem mit meinen Kindern aufzuschwatzen, kann man den Spieß auch umdrehen. Die anderen haben ein Problem, weil ich eine Gebärmutter habe und diese auch benutze. So wie meisten Männer eben auch ihre Hoden benutzen. 
Jedenfalls ist meine Erfahrung, wenn man ganz offensiv, höflich aber bestimmt, die Gegenfrage stellt, warum denn mein Gegenüber ein Problem mit MEINEN Kindern hat, entwickelt sich daraus ein vernünftiges Gespräch. Denn nur so kann man z.B. dem Arbeitgeber mitteilen, wie man familiär bedingte Arbeitseinschränkungen zu meistern gedenkt. 
Wer aber die Frage nach dem Problem mit den eigenen Kindern zulässt, akzeptiert irgendwie die Sichtweise des anderen und kann somit nur seine eigenen Kinder und nicht die schlechte Kommunikation mit dem Chef als Problem erkennen. 

3. 
Schließlich stellt sich für einen Menschen wie mich durchaus manchmal die Frage, weshalb andere Frauen nicht einfach ihren Willen durchsetzen. Ich gebe zu, ich bin da recht schnell recht deutlich und bestimmt nicht grundsätzlich kompromissgewillt. Mir persönlich fehlt die Angst vor der Konfrontation, so lange es nicht um Leben und Tod geht. 
Ich weiß, dass ein wirklich besch*eidener Chef ein echtes Problem ist. Und ich durfte lernen, zu akzeptieren, dass ich nicht am längeren Heben sitze, und dass ich in den sauren Apfel beissen muss. Und der ist sowas von eklig sauer. Und auch existenzbedrohend. Ich wünsche all das niemanden. Aber wenn ein Job nicht funktioniert, dann tut er eben leider genau das nicht. Für genau diesen Fall haben wir ein Übergangssystem, dass einen zeitweise auffängt, bis man hoffentlich einen besseren Platz gefunden hat. Gleiches gilt für die andere Elternhälfte, obwohl man diese ja nicht einfach auswechseln kann und sollte. Aber auch hier ist: geht gar nicht mehr kann passieren und lässt sich durchaus meistern.
All das ist keines Falls leicht. Aber ein Weg unter mehreren. Das Ziel ist nämlich nicht, die perfekte Arbeitsbiene zu sein - egal ob im Büro oder zu Hause. Das Ziel ist glücklich zu sein! Jeder für sich und wir alle miteinander. Jeden Tag, wenn's geht. 
Also scheißt auf den (vermeintlichen) Druck von außen, steht für das ein, was ihr wollt, FORDERT euer Glück ein und akzeptiert, dass auch Glücklich sein, einen Preis hat!

Es ist ja nicht so, dass Mütter groß eine Wahl hätten. Aber das gilt nicht nur für Mütter. Jeden Menschen macht etwas anderes glücklich. Für manche sind das tatsächlich Kinder. Für mich nicht nur. Ich will mehr. Für das 'mehr' muss ich was tun - mich jeden Tag entscheiden was heute auf meiner Prioritätenliste ganz oben steht. Dort stehen sehr oft nicht meine Kinder. Darum verbringe ich diese Zeit auch nicht mit ihnen. Greift mich jemand deswegen an, kann ich mich zurück ziehen, was ich auch meist tue, ist diese Person ein Fremder. Greift mich deswegen jemand an, von dem ich aber als Mensch mit meinen Entscheidungen anerkannt werden will, so formuliere ich deutlich meine Meinung und streite mich auch gegebenenfalls mit allen Konsequenzen. 

All diese Gedanken sind aber meine Gedanken. Und falls es ein Problem gibt habe ich ein Problem. Die Verbindung zu meinen Kindern allerdings habe ich schlicht noch nie als Problem gesehen. Ich wäre gar nicht auf den Gedanken gekommen. 
Und ich schätze, so mache Frau sieht auch in den Kindern kein Problem, sondern im Umfeld. Das ist sehr schade, aber das kann man auch ändern. Jeder Mensch entscheidet immer für sich selbst, was er will und was er bereit ist dafür zu tun. Das nimmt einem keiner ab.

Was ich an der Diskussion allenfalls auch vermisse ist der Gedanke, den ich von Anfang an hatte: Dass Kinder Freiheit bedeuten. Vielleicht sieht das ja kein anderer so wie ich, aber für mich sind meine Kinder wirklich die Garanten meiner persönlichen Freiheit, weil sie mich so lieben, wie ich bin und ich sie auch einfach so lieben kann und keiner am anderen rumschnippeln will. 

Jeder will, dass ich eine bestimmte Rolle für ihn spiele. Nur meine Kinder, die wollen einfach nur mich, weil ich ich ihre Mama bin. Für mich ist das der Hauptgrund, durchaus egoistisch, weshalb mich meine Familie glücklich macht. 
Die durchwachten Nächte und das Zeugs - ja die sind scheiße, aber herrje, es gehört halt dazu. Aber das geht vorbei. Von meinen Kindern geliebt zu werden nicht.

Und noch einen Gedanken hatte ich dazu: Was wenn wir Mütter einfach mal das Thema selbst in die Hand nehmen und Starthilfe leisten? Eine Mami auf dem Spielplatz oder im Freundeskreis macht grad nicht den überglücklichen Eindruck? Wie wäre es mit einfach mal ansprechen und Hilfe anbieten ohne vorschnell Ratschläge zu verteilen? Zuhören, Kinder hüten, Mut zusprechen! Egal worum es geht. Ist ja nicht so, dass wir uns selbst nicht auch manchmal Hilfe wünschen würden. Oder falls wir rundum glücklich sind, einfach mal andere von der eigenen Überfülle an Ressourcen teilhaben lassen und Zeit verschenken. Oder Verständnis. Oder beides. 
Und dabei andere Mütter wirklich mal kennen lernen. Dann müssten wir weniger unsere Rollenbilder verteidigen, wenn wir sehen, dass andere auch ihr bestes geben ohne uns selbst anzugreifen.

1 Kommentar:

  1. Top!
    Glücklich zu werden und daran zu arbeiten bedeutet zuerst mit sich selbst auszumachen was einen glücklich macht. Und zwar einen selbst, nicht was die andern meinen was einen glücklich machen sollte.
    Das erfordert ehrlich mit sich zu sein und den Kopf mal anzustrengen ;) das ist nicht in jeder Situation möglich/angenehm und fällt manchen leichter als anderen.
    Aber ich kann sagen es lohnt sich, das persönliche Ziel fürs eigene Leben zu finden.
    Und irgendwie ist es doch nur logisch, dass bei einem Haufen Menschen nur selten zwei das gleiche Ziel haben. Und, dass das auch in einer Partnerschaft so ist, ist dann auch eine logische Konsequenz ;)
    aber man muss erst mal drauf kommen ;)) und das heißt auch noch nicht, dass man immer danach handelt, dem Unterbewusstsein sei dank ^^
    Schöne Grüße!

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