Donnerstag, 16. April 2015

Mich hat ein Bus gestreift - oder wie ich mal spontan steinalt wurde

Ich bin nun Anfang 30. Meine erste Periode liegt schon ein Weilchen zurück, die Zeit in und mit meinem Körper war durchaus lang genug für so manche Erfahrung und Auseinandersetzung. Ich ging davon aus, meinen Körper halbwegs zu kennen.

Dem ist nicht so. Die Veränderung ist so gravierend, dass ich meine, mich hätte ein Bus gestreift. 

Ich hatte noch nie wirklich Probleme mit meinem Bauch. Zum Glück. 
Noch in sehr jungen Jahren begann ich mit Hormonspirale zu verhüten, was mir in Vielem sehr entgegen kam. Mein Hormonspiegel stabilisierte sich und es bekam mir besser, als die kleinen Pillchen. Nach Studium und sonstigem Umbruch entverhütete ich mich gänzlich, denn ich brauchte eine Pause - von Hormonen und Männern und dem Kram. Ich hatte dann irgendwann mit einem unfruchtbaren Mann eine Beziehung, was irgendwie sehr praktisch war. Kinder wollte ich in all der Zeit eh keine.

Und so hatte ich einen Hormonverhütungsfreien wunderschönen unscheinbaren Zyklus über Jahre hinweg. Nur bei Stress bekam ich ein paar Pickelchen. Damit kann man ja gut leben.

Als der Trüffel kam und es um Kinder ging, klappte es auch direkt im 1. Monat und es ging mir eigentlich gut. Da waren eben die Nebenwirkungen, wie Dauerkotzen, totale Erschöpfung, Rücken blablabla. Ihr kennt das. 
Allerdings ging mir dann doch auf, dass das gar nicht so normal war, dass sich mein Körpergefühl - wie sich mein Körper anfühlt - deutlich verfeinert hatte, nicht nur der Geruchssinn. Meine Wahrnehmung war irgendwie geschärft, intensiver. Alles war auch durchaus schmerzhafter. Allerdings wusste ich ja nicht, wie schmerzhaft sich was anfühlen sollte, also empfand ich das als normal. Hormonelle Veränderung eben.

Die Geburt kam und ging, Stillen und Abstillen, wieder Zyklus - die körperliche Intensität blieb. Ich dachte mir, Schlafmangel, krank sein, Rückenschmerzen vom Stillen und Tragen - das geht schon irgendwann wieder weg. Tat s nicht. Von nun an, spürte ich meinen Körper intensiver. Auch jeden Monat. 

Die 2 Schwangerschaft fing eigentlich recht friedlich an. Weniger Erschöpfung, dafür mehr Essprobleme, weniger Kreislauf und daher mehr Pausen. Als ob mich mein Körper zwingen wollte, mein Leben gänzlich ins Schneckentempo zu verlagern. Das Kind wuchs, lag quer, trat wie blöd. Und der Schmerz war intensiver. Dazu konstant Monat 7-9 30°C und drüber draußen. Mein Körper fühlte sich ziemlich scheiße an. Atemprobleme, Rücken, keine Kondition, Dauerübelkeit. Es kam mir alles wahnsinnig anstrengend und ja, auch schmerzhaft vor. Die Geburt: extreme Schmerzen. Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie das so intensiv sein konnte. Es war weniger Geburt, als Wehe - Kotzen - Wehe - Kotzen… vor Schmerz. 

Danach: auch das Glück kam extrem intensiv und hat mich fast umgehauen. Danach kamen die beruflichen Schwierigkeiten und haben mich auch fast umgehauen. Ich war so gar nicht mehr der Mensch, der ich vorher war. Der etwas aushalten konnte. Sondern ein Hormonmonster.

Und mein Körpergefühl wurde noch intensiver. 2 Schwangerschaften haben alles, vor allem jeden einzelnen Schmerzreiz in meinem Körper potenziert. Nun nach dem Abstillen, da sich mein Zyklus wieder langsam stabilisiert, habe ich das Gefühl, ich sei auf einmal steinalt geworden. 

Eisprung bedeutet, ich bin eine Woche insgesamt nicht in der Lage zu essen, fühle mich, als platzte ich gleich und ein Stechen im Innern lässt mich eine Woche lang mit Buckel durch die Gegend wanken. Dann, 3 Tage vor den Blutungen überfährt mich der Bus komplett. Mit allem, was dazu gehört: Kopfschmerzen, Brustspannen, Übelkeit, völlige Erschöpfung, Schweißausbrüche und natürlich Bauchschmerzen, die mich direkt zum Medikamentenschrank treiben. Dabei sind die Homonwerte und der Rest total im Normbereich. Es ist nur alles so verdammt intensiv. 

Jaja, da wird sich mit der Zeit schon alles einpendeln, aber es irritiert mich doch sehr. Jedes Ziehen, jedes Zwicken fühlt sich gleich an, als wäre es dringend. Ich muss meinen Körper ganz neu kennen lernen und das macht mich irgendwie fertig. Ich hatte damit nicht gerechnet.

Wie ist das bei euch? Ging es irgendwann back to normal? Oder steht ihr auch auf der Straße, statt an der Haltestelle, wenn der Bus angerauscht kommt? Und wie geht ihr mit dem veränderten Körpergefühl um? 

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