Montag, 23. März 2015

Radikal mit Ente

Man soll ja die Kinder nicht vergleichen. Tu ich aber trotzdem - so wie jeder andere auch. Und das Ergebnis erstaunt niemanden: Die Kinder sind vollkommen unterschiedlich! Tadaaa!

Also nicht in jeder Hinsicht. In einem Menschenmemorie würde jeder sofort die beiden als Pärchen erkennen, denn sie sehen schlicht aus wie klein Rosalie damals und sind beide eher nach dem Geschmack von groß Rosalie gekleidet. Jedenfalls sind sie spontan als Geschwisterkinder zu identifizieren. Der Rest jedoch - ist nicht ganz konkruent.

Nr.1 war schon immer sehr besonnen, nachdenklich, macht nichts ohne genauestens darüber nachzudenken. Das war schon vor der Geburt so. Sie entschied sich zwar irgendwann aus mir herauszukommen, aber nicht unbedingt voller Elan. Eher zögerlich. Und auch danach war sie nie ein Draufgänger. Wir haben die Wohnung überhaupt nicht Kindersicher gemacht mit ihr, weil sie nie etwas anfasst, was verboten ist. War schon immer so. Wenn sie etwas interessiert, schaut sie es an, behält aber ihre Hände bei sich. Sie ist also der Beobachtertyp, denkt nach und stellt viele Fragen.

Nr.2 ist, sagen wir es mal diplomatisch, radikal. Und willensstark. Und kräftig. Also nicht dick, sondern vielmehr recht zierlich, aber eben kräftig. Eine Mukki-Radikale. 
Man nennt sowas auch Alphamännchen. Sie ist keinesfalls ein typisches Alphamädchen, denn die Dame neigt zur physischen Auseinandersetzung und verteilt gerne Veilchen. Also nicht die Blumen.

Auch das war sie schon vor Geburt. Bei 13+4 spürte ich keine Schmetterlinge, nein, einen kräftigen Tritt in die linke Niere und einen gegen die Wirbelsäule gleich hinterher. Hallo Mama. Ja, ich weiß, das glaubt mir keiner. Aber ich weiß es besser.
Bei beiden großen Ultraschalls beschloss die Dame auf Diskretion zu setzen und verkroch sich unter meinen Rippen. Ich schwör's. Die Ärztin hat stundenlang nur ein leeres Becken und herumrudernde Hände und Füße geschallt. Ich kann das aber nicht empfehlen, denn Babys haben keinen Platz unter Mamas Rippen. Da sind eigentlich Mamas Organe.
Sie blieb dann ewig in meinem Bauch, wollte einfach nicht heraus kommen - egal was ich tat und flehte, aber als sie dann wollte, dann jetzt sofort. Von unreifem Muttermund bis vollständig Eröffnet und Presswehen in weniger als 1 Stunde. Kann ich auch nicht empfehlen.
Nach der Geburt dann: Kind konnte perfekt das Köpfchen halten und stehen. Ernsthaft. Von Geburt an konnte man sie einfach an einen Tisch hinstellen und sie stand dann da. Klar, Laufen lernte sie erst ab der Entwicklung des Gleichgewichtssinns, aber sie ist halt ungeheuer muskulös. Wir haben ein Video, da stemmt sie sich vom Bauch in den Vierfüssler - mit fünf Wochen! Glaubt mir keiner. Total das kleine Baby, zierlich, kaum Babyspeck, aber Mukkis. 

Auch den eigenen Willen, also der ist irgendwie nicht vergleichbar mit anderen Kindern. Nr.2 ist kein Mensch, mit dem man viel diskutieren kann. Von der ersten Nacht an schlief sie zwischen Mama und Papa. Nicht auf meiner Seite, nicht sonstwo, nein, z w i s c h e n uns. Beim Essen hat sie auch ihren eigenen Kopf. Mit 3 Monaten klaute sie der Großen die Banane. Seither isst sie feste Nahrung. Mit 3 Monaten. Sie davon zu überzeugen, dass sie ein Baby ist und Milch trinken soll - zwecklos. Ruft nur Gewaltorgien hervor. Und zerbissene Brustwarzen. Dabei stillte sie gerne. Sowieso beschloss sie von mir ausschließlich Mumi zu akzeptieren. Diskussion keine. Für Fläschchen durfte ich nicht in der Nähe sein, dann ging das problemlos. Aber sobald sie mich sah: ran an die Brust. Zum Nachtisch. Vorher gab's Spaghetti Bolo. Bis ich nach 14 Monaten so die Nase voll hatte, dass ich die Gewaltorgie beim Abstillen in Kauf nahm.

Es gibt viele solche Geschichten. Die große Schwester z.B. lernte das Sprinten, als sie um Nr.2 zu ärgern, Spielsachen wegnahm. Eigentlich eine normale Geschwisterzankerei. Aber Nr.2 ist kein Kind, das sich dann hinsetzt und nach Mama weint. Nr.2 greift an und schlägt zurück. Also sie beisst eher. Sie beisst gerne, wenn man ihr die wild schlagenden Ärmchen festhält. Sie greift grundsätzlich an. Kein Kind, mit dem man Fange spielen kann, es sei denn, sie ist der Fänger. 
Nun, und da sie ja so kräftig ist, sind die Verluste dementsprechend. Für Nr.1, die niemals auf die Idee käme, irgendwen anzugreifen, eine gewöhnungsbedürftige Situation. Aber wie gesagt, Nr.1 lernte schnell, dass weglaufen eine gute Methode ist, um der Rambo-Schwester zu entkommen, solange sie schneller ist jedenfalls.

Und Nr.2 ist verliebt. In die Ente. 
Sie war ca. 6 Monate alt, da liefen wir im Spielzeuggeschäft unseres Vertrauens am Regal mit den Kuscheltieren vorbei. Nr.2 sah mich an, steckte die Hand aus, zeigte und sprach: DA!
Seither begleiten uns gelbe Enten in allen Größen, aber vor allem, die gelbe Kuschelente, überall hin. Ohne Ente geht gar nix, weswegen wir gleich mal das Lager besagten Ladens leerkauften. Denn wehe, die Ente ist nicht immer augenblicklich zur Stelle. Ihr ahnt es: Gewaltorgie. 
Tendenziell alles kein Problem. Was in der Kita passiert, wenn ein anderes Kind die Ente auch nur ansieht… lassen wir das. Das Kind neigt eben ein klein wenig zu Übertreibungen.

Ich fasse zusammen: Nr.2 sieht zart aus wie ein Engelchen, ist aber im Herzen ein Daniel Greig und etwa so kompromissbereit wie ein Tea-Party-Anhänger. Ich werde dereinst viele blaue Briefe von Schulleitungen erhalten und vielen Kindern Trostpflasterschokolade kaufen müssen, weil sie von meiner bezaubernden Tochter vermöbelt wurden. 
Mit Erziehung hat das recht wenig zu tun. Das Kind war schon immer ein Rambo, das Kind wird ein Rambo bleiben. Auch wenn ich es schaffen sollte, sie gesellschaftskonform zu erziehen. Aussenminister wird aus der bestimmt keiner. Diktator vielleicht. Oder Verteidigungsminister - wenn's gut läuft…

Warum ich darüber schreibe? Nun, wir haben so eben die letzte Eskapade überstanden. Das Kind hat Backenzähne bekommen. Also nicht nur. Also naja, sie hat ein wenig übertrieben. Es waren 12 Zähne. Durchgebrochen innerhalb einer Woche. Was hatte ich auch erwartet, nachdem 8 Schneidezähne auf einmal kamen. Warum nicht mit 2x je eine Woche lang Zahnen ein vollständiges Gebiss betriebsbereit installieren? Ja ok, man hätte das sanfter angehen können, etwas weniger geballt schmerzhaft. Etwas liebevoller. Sicher. Ist aber nicht die Art meiner Tochter und so ist das Thema nun also auch durch. Mein Fazit, wie so oft: Ich kann es nicht empfehlen, weder für Mutter noch für Kind. Da hilft auch kein Benuron mehr…

Jedenfalls, Kinder haben ist schön und es ist total erstaunlich, wie unterschiedlich die doch sein können und ich find das voll super! Hatte ich eigentlich erwähnt, dass Nr.2 gerade eine ausgeprägte Trotzphase entwickelt? Nein? Ist voll ihr Ding. Ihr wisst schon - Gewaltorgien und so...

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank, ich habe sehr gelacht. Ich habe schon von mehreren gehört, deren ältere bedachter und durchschaubarer sind als die zweiten... scheint echt ein Phänomen zu sein :)
    Schöne Grüße!

    AntwortenLöschen