Montag, 2. März 2015

Geschlechterkampf - the next generation

Im Jahre 1995 ging klein Rosalie in die 6c. Sie sollte an einem viel zu schönen Frühlingstag eine Klassenarbeit in Deutsch bei Herrn H. schreiben. Herr H. gab 10 Worte vor, wie etwa 'Stuhl' oder 'Brunnen'. Die Kinder sollten nun eine 4-seitige Geschichte schreiben, die all diese Wörter enthielt. Und klein Rosalie schrieb. Nach 2 Wochen bekamen die Kinder die Aufsätze zurück und als klein Rosalie die Seite aufschlug, schluchtste sie auf: eine glatte 6. Unter dem Aufsatz standen nur 2 Worte: Zu Phantasievoll!

Es ist bis heute die einzige 6, die ich je in meinem Leben kassiert habe. Und ja, Herr H. verfolgte mich geschlagene 9 Schuljahre lang durchs Gymnasium und war und blieb ein A***. Manche Menschen ahnen nicht, dass ihre Urteile über andere, weniger über den Beurteilten, dafür umso mehr über den Beurteiler aussagen. 

An Fantasie mangelte es mir noch nie. Dennoch schreibt das Leben manchmal Geschichten, die man sich beim besten Willen nicht hätte ausdenken können. Es sind diese Geschichten, die man später den Enkeln erzählt und über die man doch selbst am meisten lacht. Man muss eben dabei gewesen sein…

Ich versuch's trotzdem:

Im Jahre 2015 gingen Herr Trüffel und Frau Rosalie mit ihren bezaubernden Kindern ins Schwimmbad. Sie verbrachten dort einen wunderschönen Tag und waren glücklich. Als es gegen Abend ging und die Kinder erste Ermüdungserscheinungen zeigten, wurde gemütlich zusammen gepackt und die Familie wanderte gen Duschen. Frau Rosalie sprach: 'Schatz, ich muss noch auf die Toilette. Nimm du doch bitte die Kinder mit in die Dusche, wir treffen uns dann in der Umkleide.' Da der Trüffel dies öfter tat, schnappte er sich Kind 1 und Kind 2 und das Shampoo und betrat die Dusche mit dem kleinen Männchen drauf.

Frau Rosalie tat wie angekündigt und duschte dann ebenfalls. Sodann geschahen unerwartete und seltsame Dinge. Folgenden Dialog, der sich in der Männerdusche zutrug, klaubte der Trüffel aus seinem Gedächtnis zusammen:

Papa, sind wir hier bei den Mädchen?

Nein mein Schatz, wir sind hier bei den Männern in der Dusche, weil der Papa ein Mann ist. 

Aber ich bin ein Mädchen.

Ja, meine Süße.

Und warum sind wir dann nicht bei den Mädchen in der Dusche?

Weil der Papa ein Mann ist und kein Mädchen.

Warum?

Weil der Papa ein Schwänzchen hat.

Hab ich ein Schwänzchen?

Nein, du hast eine Scheide, weil du ein Mädchen bist. Nur Männer haben ein Schwänzchen.

Das Kind schaut sich um, begutachtet genauestens alle Mitduschenden, nickt verstehend und fragt:

Und kann ich auch ein Schwänzchen haben?

Nein mein Schatz, das geht nicht. Jungen werden schon mit Schwänzchen geboren.

Ich will aber auch ein Schwänzchen haben!

Schatz, das geht aber nicht. Du bist kein Junge und hast darum kein Schwänzchen.

Das Kind fängt an zu weinen. Nein, es heult. Und plärrt so etwas wie 'Ich will aber auch ein Schwänzchen haben!'

Der Trüffel versucht sie zu beruhigen. Das Kind kreischt nun. Jedes Wort des Trüffels macht die Sache nur noch schlimmer. Das Kind flippt aus. Brüllt aus vollem Halse und heult lautstark in der dröhnenden Dusche.
Das Kleinkind daneben beschließt, die Schwester habe sicherlich einen sehr wichtigen Grund so zu schreien und fängt an zu heulen. Dann plärrt es, steigert sich hinein und kreischt nun auch. 

Der Trüffel gerät in Panik. Die Mitduschenden fühlen sich massiv belästigt. Man ist sowas in der Männerdusche offenbar nicht gewohnt. Der Trüffel ist völlig überfordert, weiß nicht mehr, was er tun soll um die Kinder zu beruhigen und tut das, was er in dieser Situation immer tut. Er denkt: Rosalie soll das machen.

Also schnappt sich der Trüffel die nassen, klitschigen, zappelnden Kinder - jedes unter einen Arm - und rennt - nackt wie Gott ihn schuf - über den Flur, direkt hinein in die Damendusche.
Zwei Teenager-Mädels mit Migrationshintergrund nehmen kreischend Reiß aus. 
Das wiederum irritiert den kreischenden Nachwuchs des nackten Mannes derart, dass die Kinder sofort verstummen. Er setzt beide ab, sieht sich zahlreichen musternden Blicken ausgesetzt, läuft knallrot an, macht ohne Erklärung kehrt und verschwindet dorthin, von woher er kam.

Meine Mädchen und ich duschten dann noch gemütlich weiter. Nun weinte niemand mehr, denn ich musste so sehr lachen, dass die Tränen der Kinder schon vergessen waren noch während der nackte Po des Trüffels in der Tür verschwand. 

Ohne Schwänzchen wäre ihm das wohl erspart geblieben...




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen