Montag, 9. Februar 2015

Ich bin gar nicht müde!

Es ist der absolute Klassiker:
Das Kind torkelt, die Augen rot vom Reiben und Heulen, denn selbst die kleinste Befindlichkeitsstörung führt zum Zusammenbruch, die Eltern nötigen das Kind zum Anziehen des Schlafanzugs - und dann dieser Satz: Ich bin aber gar nicht müde!

Nee, is klar. 

Ich muss gestehen, diese Situation nötigt mir so gut wie alles ab, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Es ist einfach zu süß! Aber natürlich geht das nicht, von wegen Kind ernst nehmen und respektieren und so. Andererseits - selten ist eine Situation so urkomisch und selten liegt das Kind in seiner Einschätzung so weit von der Realität entfernt! Und selten, will es die eigenen Müdigkeit überhaupt wahr haben. Mir fällt es da schwer, mich erwachsen zu benehmen. 

Denn ich kann mich zu gut daran erinnern, wie ich meinen Eltern genau diesen Satz entgegenwarf und wie gemein ich es fand, dass sie mir nicht glaubten. Jedes Mal musste ich dennoch ins Bett und auch wenn ich dort sofort einschlief, doof fand ich meine Eltern trotzdem. 

Wie also soll man reagieren, wenn die Meinung von Mutter und Kind so weit auseinander gehen?

Nun, ich versuche meist, das Spiel der Kinder nicht selbst zu unterbrechen. Ich handle aber kurz entschlossen, wenn sie aus lauter Müdigkeit gerade rumzanken. Ich lass die Damen dann auch nicht selber machen, sondern ich ziehe ruck-zuck um und putze ihnen die Zähne. Ich gebe klare Anweisungen, die keinen Raum für Diskussionen lassen. 
Wenn dieser Satz fällt, dann zumindest wird nicht mehr verhandelt, denn wenn das Kind müde ist, muss es ins Bett. Es nutzt nix, da noch eine halbe Stunde zu diskutieren, zumal das ja dann doch in Tränen endet. 

Ich muss dazu sagen, ich bin eine recht strenge Mutter. Ich geb in sehr vielen Situationen sehr schnell klare persönliche und unmissverständliche Anweisungen. Und das führt in 98% der Fälle zum Erfolg. Zum Beispiel, wenn wir morgens los müssen in den Kindergarten. Oder eben abends, wenn die Damen müde sind. Da wird nicht lang geredet bei mir. Was ein Kind will, was ein Kind braucht und was ein Kind darf, sind oftmals ganz unterschiedliche Paar Stiefel. Mir fällt es da nicht schwer, streng zu sein.

Zudem gibt es bei uns genau 2 Regeln, die überhaupt nicht zur Diskussion stehen: Morgens und abends Zähne putzen, und nach der Toilette die Hände zu waschen. Wenn es aber nur 2 wirklich feste Regeln gibt, sind genau diese der Ansatzpunkt zum Trotzen. Die Kleine versucht das beim Zähneputzen regelmäßig. Abgesehen davon, dass NEIN ihr absolutes Lieblingswort ist, tobt sie beim Zähneputzen schon mal und versucht auch gerne zu beißen. Meine Gegenmaßnahmen bestehen in einfachen Handlungen: Kind so fixieren, dass sie nicht weglaufen kann und los geht's. Eine echte Zwangsmaßnahme. Aber beim Zähneputzen gibt's keinen Verhandlungsspielraum. 
Die Große hat das bereits verstanden und versucht sich ständig aus dem Händewaschen herauszulamentieren. Hier ist meine Gegenmaßnahme, dass sie einfach das Bad so lange nicht verlässt, bis die Hände gewaschen sind. Das kann schon mal in einen Trotzanfall ausufern, aber da es das absolut einzige Reizthema ist, vertragen wir das beide noch recht gut.

Erstaunlich finde ich auch, dass weder Zähneputzen, noch Händewaschen etwas sind, was meine Kinder ungern machen. Im Gegenteil. Die Kleine liebt ihre Zahnbürste und putzt auch mir sehr gern die Zähne. Und die Große liebt den Seifenduft und hat in den meisten Fällen gar kein Problem damit sich in kürzester Zeit die Hände zu waschen. Es ist tatsächlich schlicht die Tatsache, dass dies unsere einzigen 2 festen Regeln sind und ich die in 0% der Fälle diskutiere. Es sind somit die einzigen Situationen, in denen ich meine elterliche Macht immer demonstriere und auch durchsetze. 

Interessanter Weise führt das auch zu einem weiteren Effekt: In einer Situation, in der das Kind müde ist, aber eigentlich nicht ins Bett will, weil es ja irgendwas verpassen könnte und ganz bestimmt noch nicht genug gespielt hat, kann ich beide doch durch gut Zureden sehr leicht dazu bewegen mitzumachen. Ich bekomme sie dann ohne weiteres Geschrei ins Bett, weil sie wissen, ich würde sie nicht zum Schlafengehen nötigen, weil mir das Spaß macht, sondern weil ich für Nötig befinde. Sie vertrauen mir da, dass ich nach ihren Bedürfnissen handle und nicht einfach Befehle gebe, weil ich die Macht dazu habe. Bei der Großen resultiert das Verhalten inzwischen aus Erkenntnis - ich hab ja recht, sie ist ja müde. Bei der Kleinen ist es eher mein bestimmtes Auftreten und dass die Große freiwillig mitmacht, dass ihre Kooperation hervorruft. 

Aber mal ehrlich: Ein todmüdes Kind, dass mich anjammert: Aber ich bin doch gar nicht müde!
Das ist ganz ernsthaft wirklich viel zu süß, um ernst zu bleiben!

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