Dienstag, 17. Februar 2015

Ich bin eine Prinzessin-Fee!

So schallt es mir entgegen, als wir am Rosenmontag den Kindergarten betreten. Und dass die kleine Lilly eine Prinzessin-Fee in rosa und pink ist wundert mich keineswegs, trägt das Kind doch ausschließlich Kleidung mit Emblem des gleichnamigen Feengeschöpfes.
Schon erstaunter bin ich, als dann eine Prinzessin/Fee (wer kann das schon so genau auseinander halten?) nach der anderen an uns vorbei flaniert in Richtung Badezimmer zum Händewaschen. Meine Tochter ist keine Prinzessin. Und auch keine Fee.
Ich frage sie also, ob sie lieber eine Prinzessin hätte sein wollen. Sie verneint. Beim Abholen wird man mir berichten, dass mein Kind als Einziges sein Kostüm den ganzen Tag voller Stolz trug und noch nicht einmal die Accessoires für eine Minute aus der Hand gelegt hätte und ganz offensichtlich sehr glücklich mit unserer gemeinsamen Kostümwahl war. 
Die Prinzessinnen/Feen jedoch liefen mittlerweile in Strumpfhose, ohne Ketten und Krönchen und ausladende Dornröschenkleider herum. 
Ich gebe zu, ich war äußerst erleichtert über mein Kind und dass mir rosa Tüll vorerst erspart blieb.

Allerdings ist die Bilanz dennoch erwähnenswert, die ich an den 2 Faschingstagen zog. 2 Kiga Gruppen mit insgesamt 30 Kindern, davon gesamt 8 Buben und somit 22 Mädchen, brachten eine Flut von 18 Prinzessinnen hervor. 1 Mädchen war in Ferien und somit abwesend, eines war ein Löwe in wunderbar dilettantisch aber kreativ selbstgestaltetem Kostüm, eines war Polizistin in Vollausstattung (die beste Freundin meiner Tochter - hihi) und meine Dame - eine Ärztin. Von den 8 Jungs waren 4 Ritter, einer ein Drache, 2 abwesend und einer ebenfalls ein Löwe.

Ich finde durchaus, das ist ein Grund sich mal Gedanken zu machen. Nicht einfach über rosa - denn wir haben durchaus auch klar erkennbare Mädchenkleidung, aber über diese allesverschlingende rosa glitzernde Prinzessinnen-Feen-Ausstattung. Man kann mir erzählen, was man will, ich halte es für wahrscheinlich, dass sich von diesen 18 Prinzessinnen durchaus einige auch für andere schöne Kostüme hätten erweichen können, hätte man ihnen diese Idee angetragen.
Ja, ich meine durchaus, das viele Rosa, das ist zu einem guten Teil auf dem Mist der Eltern (seine wir ehrlich - der Mütter) gewachsen. Ich verstehe, dass 4jährige gern rosa tragen und vielleicht auch gern mal Prinzessin spielen. Aber dieser Prinzessinnenandrang hat mich irgendwie verstört. Das war schlicht zu viel des Guten.

Nun ist es nicht so, dass ich mein Kind von Prinzessinnen generell fern halte. Wir haben Kleidung mit rosa drin, Kleidchen aus lila Samt, Puppen (die jedoch allesamt im Puppenbettchen in der hintersten Ecke des Spielzimmers verstauben) und ich selbst habe meinem Kind mit 2 Jahren Schmetterlingsflügel geschenkt, weil Schmetterlinge ihre Lieblingstiere sind. Ok - waren. Im Moment sind wir tief in der Dinosaurierphase und ich habe ersthaft Angst, mir ob der unaussprechlichen Sauriernamen einen Knoten in die Zunge zu machen. Meine 3,5jährige Tochter jedoch spricht all die Namen aus, als wäre es das einfachste auf der Welt. 
Jedenfalls, bei uns zu Hause gibt's auch Mädchenkram. Vielleicht kommt auch noch die Phase, in der sich meine Mädchen für Mädchenkram interessieren werden. Kein Thema. 
Ich vermeide den Mädchenkram nicht generell. Ja gut, ich habe unter wüsten Androhungen bisher durchgesetzt, dass mir keine pinkelnde Puppe ins Haus kommt. Die Schwiegermama war allerdings sehr wohl konsterniert, als ich auf der Weihnachtsgeschenkeliste die Feen-Barbie durch ein riesiges Müllauto ersetzte. Dieses jedoch wird von beiden Kindern jeden Tag mit Liebe durch die ganze Wohnung gefahren und be- und entladen. Vor allem die Kleine ist ein echter Autofreak und unsere Flitzersammlung ist inzwischen durchaus beachtlich. Und das, obwohl ich ihr ständig versucht habe die teuren ungeliebten Walldorfpuppen der großen Schwester anzudrehen. Mich reut das Geld dafür immer noch. Aber was soll's. Spielen sie halt nicht mit Puppen, sondern Lego, Auto und Eisenbahn. 

Ich war da ja auch nicht anders. Auch wenn ich durchaus eine rosa-Phase hatte und auch Barbies. Denen hab ich dann Kleider genäht, Autos gebastelt und Häuser samt Einrichtung gebaut.

Ich muss aber anmerken, dass ich meinen Kindern vieles einfach nicht auf's Auge drücke. Ich kaufe nunmal keine Kleidung mit Barbie vorne drauf, Hello Kitty, Lillifee oder Glitzer. Ich kaufe lila Strickkleidchen oder rosa-bunte Ringelpullis. Wir haben auch keine nennenswerten Sammlungen an rosa Stiften, Knete oder Bettwäsche. Bei uns ist einfach immer alles bunt - so mit richtigen Farben: rot, gelb, grün, blau… Ich persönlich halte das für normal und sollte meine Tochter nicht den ausdrücklichen Wunsch äußern, so würde ich auch nie rosa-glitzer Zeugs kaufen. Rot mit blauen Blumen. Oder ein gelbes Kleidchen mit rosa Punkten - sowas ja.

Meine Tochter hat aber bisher noch nie den Wunsch nach mehr rosa geäußert. Auch als sie von der Kindergartenmafia eindeutig als segregationswürdig eingestuft wurde - denn sie hatte einfach keine Meinung zur Frage, ob Minnie-Maus, Prinzessin Lillifee oder doch Prinzessin Barbie besser sei (ich hab dieses Gespräch selbst mit angehört und staunte echt nicht schlecht, was 4jährige so von sich geben können). Seither spielt sie vorwiegend mit Jungs. Das kommt mir irgendwie sehr bekannt vor…

…geschadet hat's mir jedoch nicht.

Kommentare:

  1. Hallo Rosalie,

    ich bin der Rosa-Phase unserer drei Mädels inzwischen entwachsen. Sie waren tief drin in der Unterseewelt Arielles und den Schlössern Dornröschens oder dem von Belles Biest.
    Sie feierten dennoch Star Wars-Geburtstage, kämpften mit Stöcken, lasen Dinosaurier-Bücher, lieben bis heute Naturwissenschaften und Sprachen und die Jüngste eben auch Feen und Prinzessinnen (neben Motorrädern).

    Ich fand die Rosa-Tüll-Phase bisweilen auch anstrengend, habe aber natürlich Prinzessinnenkostüme geschneidert und Krönchen gebastelt.
    Ich habe ihnen immer wieder alternative Themenbereiche vorgestellt und dadurch eröffnet. Im Kindergarten erzählte mir eine Erzieherin mal, dass die Eltern den Mädels das Rosa-Zeug eher aufdrängen würden. Bei anderen Dingen käme schnell: "Das ist was für Jungs!"

    Ich habe Rosa den Mädchen gegenüber nie verteufelt. Kinder spüren ja sehr genau, wie die Eltern denken und welche Einstellungen sie haben. Und sie wollen uns gefallen. So habe ich immer die Sorge gehabt, dass sie verzichten würden, weil sie wissen, dass es mir gefällt. Und auch wenn ich überzeugt bin von der Freiheit für beide Geschlechter, so müssen sie sich ausprobieren, um ihre individuelle Geschlechteridentität zu finden, denke ich. Und Rosa begegnet ihnen als eine Möglichkeit, Weiblichkeit auszudrücken. Sollten sie sich in Tüll und Glitzer hüllen - sie haben sich (puh!) davon jedoch auch wieder distanziert.

    Wenn ich ihnen das Rosa oder das Nicht-Rosa prioritär vorgestellt hätte, wäre es doch ein bisschen wie mit den Eltern, die sagen: "Mein Kind wird nicht getauft, es soll später selber entscheiden können, welche Religion es annimmt." Gern frage ich dann: "Wirklich? Und welche Religionen stellst du deinem Kind denn vor, damit es sich entscheiden kann? Denn wenn es keine kennt, wie soll ich sich denn dann für oder gegen eine Religion entscheiden können?" Dann kommen meist seltsame Blicke ... ;-)

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    1. Liebe Lareine
      ich sehe das recht ähnlich. Gegen rosa selbst hab ich nichts. Allerdings gibt es eben Kinder, die schon mit einem Jahr nur in rosa Glitzer und Lillifee gekleidet werden. Ich gehe durchaus davon aus, dass das zur Prägung beiträgt, die Eltern das also bewusst fördern.
      Klar mit 4 Jahren freut man sich noch eher, wenn die beste Freundin auch eine Fee ist, aber dennoch - es hat mich gewundert, dass keine der Prinzessinnen ihr Rüschen-Tüll-Kleid den ganzen Tag anbehielt. Ich denke, das liegt a 2 Dingen:
      Zum einen sind die Mädels so mit Rosa-Tüll-Kleidchen zugemüllt, dass sie dem einzelnen Kostüm schnell keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Meine Tochter hingegen hatte ein Stethoskop, eine große Spritze und eine Tasche voller bunter Pflaster und hat damit 2 Tage am Stück gespielt und ihr Kostüm erst zum Baden abends ausgezogen.

      Zum anderen frage ich mich durchaus, was sich die Eltern wohl denken, wenn sie ihren Kindern aufwendige Kostüme kaufen, die dann weder bequem, geschickt (Reifrock), zu warm (Brokat) sind und schon gar nicht schmutzig werden dürfen. Ich hab mal gehört, wie eine Mutter ihr Kind beim Abholen angemault hat, weil sie im Garten die rosa Glitzer-Stiefel anhatte statt die Gummistiefel - die rosa Glitzerstiefel wären nicht gut zu reinigen und somit nur für die Straße erlaubt. Da muss ich schon sagen, diese Mütter haben einen an der Waffel. Was soll das? Da geht es doch eindeutig nicht ums Kind und seine Wünsche.

      Und das finde ich schade. Diese Suggestion: Du sollst rosa Mädchen sein, aber wehe du verhältst dich wie ein kleines Kind. Die Kinder sollen Puppen sein, nicht mehr und nicht weniger.

      Wenn also mal meine Töchter rosa Prinzessinnen-Kleider tragen wollen zum Spielen und ausprobieren, dann gerne. Aber sie zu Puppen degradieren, damit Mama ein süßes Püppchen hat - nein echt nicht. Und ich hege den Verdacht, nicht wenigen der Prinzessinnen erging es an Fasching so.

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  2. Huhu :)
    Als Mama eines kleinen Jungen kann ich bisher nicht viel zu dem rosa-Thema aus unserer eigenen Erfahrung beitragen, allerdings weitet es sich auch auf rote Kleidung aus. Für das FuchsKostüm habe ich lange nach einer roten Strumpfhose und einem roten Body gesucht. Den Body fand ich mit ach und Krach (ohne Aufdruck) in einem Klamottenladen mit zwei Buchstaben ;) ganz klar in der MädchenAbteilung(!!). die Strumpfhose suche ich heute noch! Auch orange hätte ich genommen, geringelt, kariert, mit ganz egal... nur rosa ist ein Fuchs eben nicht :( denn das gab es: rot mit rosa Blumen, rot mit glitzernden Strassdingern usw. (Und eben alles nur in den rosa gestrichenen MädchenEcken der Geschäfte... )
    Zum Schluss habe ich eine orange Hose im Jeanslook gefunden, tailliert und sehr schmal und feminin geschnitten, aber immerhin ohne Rüschen ;)
    Schöne Grüße
    Bine

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