Montag, 19. Januar 2015

Purer Luxus

Ich muss es zugeben, wir schwelgen im Luxus.
Nein, wir haben kein Haus, kein Boot und auch keinen Ferrari – zum Glück. Wir haben keine Putzfrau, kein Tablet pro Familienmitglied und keine USA-Ferien – leider. Wir haben ein normales Einkommen. Eigentlich haben wir ein unverschämt kleines Einkommen, gemessen am Ausbildungsstand des Trüffels und mir. Aber nun, so ist das eben. Es wird vielleicht nicht immer so bleiben.

Dafür haben wir eine 105qm große Mietwohnung mit 4 Zimmern in Heidelberg. Ich darf sagen, das kostet ein kleines Vermögen. Aber es ist ein ganz perfektes Nest und Zuhause für unsere Sippe. Wir haben Platz, der mit allerlei Spielzeug verbaut ist – also im Grunde haben wir keinen Platz. Aber wir haben es hier extrem gemütlich und schön. Das ist echte Lebensqualität.

Wir haben immer genau das Richtige zu Essen im Haus. Kühlschrank und Vorratsschänke sind immer bis zum Platzen voll und die Damen können sich nach Herzenslust aussuchen, wonachihnen der Sinn steht. Das ist Lebensqualität.

Wir haben unzählige Fortbewegungsmittel: Auto, Fahrrad+Anhänger, Kinderwagen und mehrere Tragen und natürlich allerlei ÖV vor der Haustüre. Wenn ich das so sagen darf, alles im Gegenwert eines etwas größeres Vermögens. Und wir können je nach Tageslaune, Vorhaben, Gusto oder Rückenschmerzlevel der Mama, frei wählen, wie wir wann wohin kommen. Das ist Lebensqualität.

Wir haben nicht genug Geld, um ständig irgendwas shoppen zu gehen. Keine Handtaschen, keine neuen Jacken und Schuhe für die Eltern. Aber wir haben immer genug Geld das zu kaufen, was fehlt. Die Große braucht schon wieder neue Schuhe? Kein Problem. Die Strumpfhosen sind durchgewetzt? Kein Problem. Einen Schneeanzug unserer Lieblingswinterausrüstungsfirma? Klar, wenn auch reduziert für 40 Euro. Mal ein schickes Kleidchen? Geht immer. Mama braucht neue Winterschuhe? Ist alles möglich ohne mit der Wimper zu zucken. Das ist Lebensqualität.

Wir leisten und den Luxus mit der ganzen Familie öfter mal ins recht teure Spaßbad zu gehen. Haben Dauerkarten für allerlei Parks, Zoos, Museen und sonstige Attraktionen. Wir bezahlen Mitgliedsbeiträge für Sportverein und haben immer ordentlich was übrig für dieKlingelkässchen von ehrenamtlich geführten Einrichtungen wir dem Jugendhof Rohrbach, wo wir öfter sind. Das ist Lebensqualität.

Über all diese Dinge müssen wir uns keine Gedanken machen. Klar, es bleibt nicht allzu viel übrig. Aber es reicht, auch für Rücklagen. Und klar, es gibt Wünsche, die nicht so schnell in Erfüllung gehen werden. Ein großes Familienauto mit Schnickschnack? Eher nicht. Eine Putzhilfe? Wenn einer von uns mal einen gut bezahlten Job in der Industrie bekommt, dann vielleicht. Dinge grundsätzlich von Handwerkern reparieren zu lassen? Wär mir manchmal lieber, aber so locker sitzt das Geld echt nicht.

Hätten wir ein wenig mehr, was würde ich ändern? Wenig. Wir sind Stammkunden in sehr gut sortierten Second-Hand-Läden. Dorthin würde ich auch weiterhin gehen. Allerdings würde ich wesentlich mehr hübsche Sachen auf Dawanda bestellen und v.a. alle Hosen für die Kinder nach unseren Wünschen und Bedürfnissen nähen lassen. Ich würde wahrscheinlich gänzlich auf Lebensmittel der umliegenden Höfe umsteigen und so manche Einkäufe im Supermarkt ersetzen. Und der Trüffel wünscht sich nix lieber, als auf 80% zu reduzieren. Das alles steht auf unserer Zukunftsliste unter dem Punkt ‚sobald wir es uns leisten können’.

Ich kann mich also nicht beschweren. Wir schwelgen im Luxus und müssen keine mit Geldsorgen durchwachten Nächte durchleben. Und doch, werde ich immer wieder auf Geld angesprochen, als machten wir den Eindruck, uns fehle etwas. Nur, weil ich kein neues Handy habe, mein MacBook schon 4 Jahre alt ist, wir nicht 3 Wochen Familienurlaub sonstwoverbringen, ich ja immer noch die Winterjacke von 2006 trage (aber eher, weil ich die über alles liebe), ich keine manikürten Hände habe und ich mein Kind nicht zum Klavierunterricht anmelden kann, da wir ja zuhause gar kein Klavier haben. Ja und wir haben auch kein Haus gebaut. Ob wir das alles wollten, das interessiert leider niemanden.

Ich rede ungern über Geld, da wir ja genug haben. Uns geht es gut. Ob Kinder arm machen? Kann ich nicht beurteilen. Ohne Kinder würde ich mein Geld für irgendwas anderes ausgeben. 3x im Jahr in den Urlaub fliegen, vielleicht. Wer weiß. Bisher zahlt sich unsere Ausbildung aus. Und ich bin froh darüber und genieße es solange es dauert. Bisher haben und die Kinder nicht arm gemacht, zum Glück.

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