Freitag, 26. Dezember 2014

Momywars – mittendrin statt nur dabei

Weihnachten macht mich ratlos. Dieses Jahr bin ich doch tatsächlich tief in den Strudel der Momywars geraten. Und das kam so:


Wir feiern Weihnachten immer bei den Großeltern. Denn wir sind die einzigen Mitglieder der Familie, die nicht geballt an einem Ort wohnen und so packen wir alljährlich das Auto und fahren los. Da meine Eltern dieses Jahr an Weihnachten arbeiten, ging’s ab zur Schwiegerfamilie.
Ich ignorierte das Bauchgrimmen und dachte: Lass dich überraschen, es ist Weihnachten. Fest der Liebe und so...

Es fing eigentlich recht viel versprechend an, der Trüffel bockte ein wenig, denn schon der Gedanke an seine Familie treibt ihm die Schweißperlen auf die Stirn.

Ihr wisst ja inzwischen, dass meine Schwiegermutter ein Traum von einer Frau ist. Ich ertrug also die ewigen Gängeleien mit Fassung – der Kinder wegen...

Es kam dann doch zu einem Gespräch, denn eigentlich wollte ich mal offen mit ihr reden. Es gibt da bestimmte Dinge, über die wir nicht einer Meinung sind.

Ich hatte ernsthaft auf einen Dialog gehofft. Heraus kam eine Anklage, was ich alles falsch mache und am Ende schimpfte sie mich tatsächlich eine schlechte Mutter. Der Grund: Ich würde nicht meinen Kindern zuerst Essen auftun und sie dann abfüllen, bevor ich mir selber Essen auf den Teller schöpfe. Da schnüre sich ihr der Magen zu und sie fände das unverantwortlich. Zuvor hatte ich mir schon vieles angehört in Punkto Erziehung und Essverhalten, was sie gänzlich ablehnenswert findet.
Und zu Beginn unseres Gespräches erklärte sie mir, dass sie für die finanzielle Unterstützung, die sie geben, weil sie den Trüffel und seine Schwester absolut gleich behandeln wollen, ja überhaupt nichts erwarte, noch nicht einmal, dass wir zu Weihnachten kämen… Vorwürfe und Geld: die Kombination des Jahres!

Da stehen wir also – sie die Märtyrerin und ich die schlechte Mutter.

Und ich weiß nicht wie ich darauf reagieren kann, außer eine Entschuldigung zu verlangen. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich einmal in eine Situation komme, in der ich meine 3,5jährige Tochter davor verteidigen möchte, dass sie mit Blumenkohl von Oma gefüttert wird, bis der Teller leer ist, obwohl Madame gar keinen Blumenkohl mag.

Bei Oma läuft es anders, schon klar. Aber wo ist die Grenze?

Wie macht ihr das? Was ist vertretbar, welches Verhalten der Großeltern veranlasst euch zum Einschreiten? Und wie geht es weiter, wenn die Schwiegeroma weder zu Diskussion noch zur Einsicht bereit ist?

Wir haben dann auch festgestellt, dass wir sehr unterschiedliche Herangehensweisen an Erziehung haben und da auch nicht zu einem Kompromiss kommen werden. Tja nun.

Jedenfalls ist Weihnachten versaut und mein guter Wille, trotz des permanenten Gestänkers des Trüffels gegen seine Mutter, mit der Schwiegerfamilie gut auszukommen, schwindet.


Es bleibt zu hoffen, dass ihr nicht in Zynismus verfallt, wenn ich euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch wünsche!

1 Kommentar:

  1. Liebe Rosalie,

    ich habe ein Jahrzehnt lang unter so etwas gelitten.

    Irgendwie zweifelt man doch an sich und wehrt sich nicht richtig. dabei ist die "Kritik" immer von der gleichen Art:
    Solche Frauen käuen immer das Folgende wieder: "Du bist faul. Du bist eine faule Frau. Und darum eine schlechte Mutter. Ich bin besser als du. Weil ich fleißig bin."
    Man muss am besten sofort heftig werden, damit sie ihre Grenzen spüren.

    Ich sage das, weil ich so lange Blitzableiter und Projektionsfläche in einem war. Niemand hatte davon etwas. Als wir endlich sagten: "Ihr hört uns jetzt zu, wir haben einen uns quälenden Konflikt und wenn ihr nicht zuhört, dann seht ihr uns nie wieder" da ging es mit einem Mal.

    Wir haben das leider viel zu spät getan. Denn als wir es endlich taten, da funktionierte es!
    Nun ärgern wir uns über die vertane Zeit voller Schweißausbrüchen und Bauchschmerzen. Schrecklich war das und keinem geholfen. Auch nicht den Kindern, wegen denen man das alles runterschluckte.

    So sollte Weihnachten nicht sein. Aber egal, welcher Tag des Jahres: Man sollte sich doch keine Gesellschaft aufzwingen, weil andere es sich wünschen (die einen dann auch noch verbal attackieren) ...

    In unserem Fall endete es übrigens so, dass meine Schwiegereltern sich beide entschuldigten und meine Schwiegermutter sich sehr schuldig fühlte, eine Person wie mich, die sich immer nach einer Familie gesehnt hatte (weil in einer dysfunktionalen aufgewachsen) so behandelt zu haben. Wir vertrugen uns und es begann ein sehr schöner, echter Weg. Er war jedoch sehr kurz, denn sie bekam rasch darauf Krebs und starb. Was das Gefühl verschwendeter Zeit intensivierte. Ich glaube heute, den Konflikt auf den Tisch zu hauen und auf Lösung zu beharren wäre besser gewesen ...

    Liebe Grüße

    Lareine

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