Dienstag, 18. November 2014

Ich zahl, was es kostet

Das ist so. Und ist vielleicht deshalb zu einem meiner Mottos geworden. 
Zum Glück kann ich mir wesentlich mehr leisten, als ca.70% der Weltbevölkerung. Und ich gebe mein Geld mit vollen Händen aus.

Wie ich darauf komme? Durch den Kindergarten.
Meine Kinder gehen in einen privaten Kiga/Kita. Im Monat macht das für beide Damen 1900 Euro.
Das ist viel Geld, das wir komischerweise auch nicht übrig haben. Eigentlich.
Und so wurde ich gefragt, weshalb ich das mache. Tja, aus eben dem Grund, weshalb ich, bis auf Hausarbeit, alles mache: 
1. Ich will es. 
2. Ich kann es.

Ob es ein fast komplett subventionierter staatlicher Kindergarten nicht auch tun würde? Sicher. Ich bringe meine Kinder nicht jeden Tag in ihre Luxusspielgruppe, weil sie dort auch so toll gefördert werden. Das ist ja heute leider fast schon ein Mythos, dass es mal Kindergärten ohne englische Muttersprachler und irgendwelche Bildungspläne gab. Bei mir hat es mit so einem normalo Kiga ja auch nur zu ner Promotion gereicht…

Nun, ich zahle so viel für's Personal. Und ich mache das, so lange ich nur irgendwie kann.

In unserer Einrichtung bekommen die Mitarbeiter zwar bestimmt nicht zu viel, aber doch im Verhältnis ein außergewöhnlich hohes Gehalt. Es gibt Teambildungtage und Weiterbildungen und Gruppengespräche und sogar Supervisonen wären drin, falls nötig, flexible Arbeitszeiten und sogar Gleitzeit. Kurz, die Leitung tut so manches, damit ihre Mitarbeiter morgens gerne zur Arbeit kommen. Und darauf kommt es an, denn glückliche Kleinkindpädagogen bedeuten glückliche Kleinkinder. Und das kostet. 
Und natürlich ist der Personalschlüssel unschlagbar. 4 Kindergartenkinder pro Betreuer, 2 Babys pro Betreuer. Wichtig ist dabei nicht, dass die Kinder damit super individuell gefördert werden können, sondern, dass immer jemand Zeit hat für mein Kind.
Zeit zu trösten, Zeit vorzulesen, Zeit zum Puzzeln, malen, basteln, Zeit um mit auf die Toilette zu gehen falls nötig, Zeit zum Kuscheln, Zeit zum Karten zocken (unglaublich was 3jährige schon können) und für Brettspiele. 
Und so fühlen wir uns sehr wohl in dieser Kita/Kiga. 

Und um ehrlich zu sein, so kenne ich das von Basel. Kinderbetreuung braucht dieses Niveau und das sollten die Eltern auch einfordern.

Aber kommen wir auf's Geld zurück. 
Klar, das können sich die wenigsten leisten. Es gibt dabei nur 2 Aspekte, die viel zu wenig Beachtung finden.

Erstens, Kinderbetreuung kostet immer ein Gehalt: meines, oder das der Betreuerin. Die Betreuung bezahle ich nur für ein paar Jahre, meine Gehaltseinbußen, wenn ich nun ganz zu Hause bliebe und erst nach ca. 6 Jahren wieder einstiege, wären um ein vielfaches höher. Ich würde für den Rest meines Lebens dafür bezahlen - wortwörtlich, mit echtem Geld - dass ich Kinder bekommen habe, ohne dass ich davon meinen Kindern oder mir später irgendetwas finanzieren könnte. 

Darum halte ich auch ein Vergütung, die über 2 kleine Rentenpunkte hinausgeht, für Erziehende unbedingt für nötig. Gottes Lohn ist zwar nett, bezahlt aber weder Studium/Ausbildungszeit, noch Alterspflege.

Zweitens, müsste man viel mehr die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. Unser Kiga hat Verträge mit mehreren großen Arbeitgebern der Stadt, die zumindest die Hälfte der Betreuungskosten bezahlen. Das finde ich sehr sinnvoll. Denn das bezieht auch die Männer mir ein. Bei der Kinderbetreuung gibt es also keinen Unterschied mehr, ob die Firma einen Mann oder eine Frau einstellt. Will sie, dass diese Person morgens zur Arbeit kommt, so muss sie zahlen. Einfache Rechnung.

Das ist in meinen Augen schon ein Schritt in die richtige Richtung. Und durch die hervorragende Situation in der Kita, weiß auch das Fachpersonal die Kinder gut aufgehoben und fängt deutlich früher zumindest in Teilzeit wieder an zu arbeiten. 
Nicht, dass ich nun schreie, Mütter sollten ihre kleinen Babys in die Kita geben, um Steuern zu generieren. Aber doch, ich denke es erleichtert vieles, wenn ein Arbeitgeber nicht für 1-3 Jahre Ersatz suchen und gleichzeitig irgend eine Stelle für Mutti warm halten muss. Es würde ja reichen, wenn Mutti recht schnell für 10, 15 Stunden zumindest mithelfen würde. Das könnte man dann einfacher wieder steigern, als wenn jemand ganz neu angestellt und eingearbeitet werden muss und dann hat man am Ende 2 Leute, die den Job brauchen… Und Mutti wäre weder 'raus' aus dem Business, noch würde sie den Kontakt zum Arbeitgeber verlieren.

Am Ende kann ich sagen, unsere Kita macht das ganz wunderbar und ich finde, das Konzept sollte sich rumsprechen. Jeder ist Übrigen frei, mit seinem Arbeitgeber zu verhandeln nach dem Motto: Ich komm früher zurück bzw. bin berechenbarer und auch anwesend, aber dafür bekomm ich nen Zuschuss für ne echt gute Kita. Und da der Zuschuss eben auch für Väter gilt, die das Geld sicher nicht freiwillig links liegen lassen würden, müssten sich die Firmen genau überlegen, ob das nicht doch eine gute Alternative für alle ist.

Wer nun seine Kinder gerne zu Hause haben möchte, dem sei das gegönnt. Leider fürchte ich, das können sich nur wenige wirklich leisten auf Dauer, gerade auch in Hinblick auf die Altersvorsorge.
Egal, wie viel ich verdiene und wie viel die Kita kostet, das wird wohl bei der großen Mehrheit immer noch weniger sein, als wenn Mutti zu Hause bleibt.

Wem das jetzt zu wirtschaftlich ist, wer meint, die Kindheit der Kinder kann man nicht aufrechnen… dem stimme ich zu. Aber wenn man ehrlich ist geht's eben doch um's Geld. Schön, wenn die Kinder eine schöne Kindheit mit Mami zu Hause hatten. Aber wenn Mami später unter dem Existenzminimum leben muss, sich Medikamente nicht leisten kann, oder schlicht die Heizung, soll sie sich dann wirklich damit trösten, dass das Kind es gut hatte? 

Auf keinen Fall will ich, dass nun alle Frauen Karriere machen. Da bliebe ja kein Platz mehr für mich. Aber kein eigenes Geld zu verdienen, das geht einfach gar nicht. Und nur mal so nebenbei, das ging auch früher nicht. Auch da hatte es klare Nachteile. 
Schritt eins ist ein eigenes Gehalt. Schritt zwei ist so viel Geld, dass man davon leben und sich absichern kann. Aber um Schritt zwei zu machen, muss man den ersten Schritt gegangen sein. Und ein ausreichendes Gehalt ist immer noch für viele Menschen in Deutschland nicht der Normalzustand.

Utopien, wie das bedingungslose Grundeinkommen, oder ein Elterngehalt, werden sich in unserer Gesellschaft nie etablieren können. Aber dass die Skandinavier das hinbekommen, glücklicher zu sein als wir, obwohl sie viel mehr Abgaben, dafür aber auch mehr Umverteilung und individuelle Angebote haben, das zwiebelt mich schon. Warum können die das und wir nicht?

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