Montag, 24. November 2014

Bleibt alles anders

Es ist die Nacht vor meinem Geburtstag. Wir haben Freunde eingeladen. Es gibt thailändisches Essen, die Gäste sitzen um den großen Tisch. Viel Lachen, ein paar Geschenke. Gin Tonic und japanischer Wein. Die kleine Studentenbude platzt aus allen Nähten. Wir leben zu zweit in der kleinen Einliegerwohnung im Parterre des Elternhauses meines Freundes. Aber es ist feucht-fröhlich und harmlos ausgelassen, wie es nur in der Studienzeit sein kann. In meinem Studiengang sind wir nur wenige, und die noch unterteilt in kleine Grüppchen. Es sind auch noch Freunde da, die ich über meinen Freund kennen gelernt habe. Alles ist so einfach und so unbeschwert. Ich genieße das. Ich werde morgen 23, schreibe gerade meine Diplomarbeit und genüge mir vollkommen selber. Am nächsten Morgen erwache ich spät, ohne Wecker. Ich schwänze die erste Vorlesung und gehe erstmal unter die Dusche...




Es ist die Nacht vor meinem Geburtstag. Ich habe keine Freunde eingeladen. Ich habe hier auch eigentlich nur eine Freundin. Die hat ebenso 2 kleine Kinder und einen Lebensgefährten, der sich lieber raushält. Sie wird mir beim nächsten gemeinsamen Spielplatzbesuch zur Feier des Tages einen Coffee to go mitbringen. Es ist also spät abends. Das Baby ist schreien aufgewacht. Ich trage die kleine Dame herum. Seit 2 Stunden. Es sind die Backenzähne. Sie hat Beißring und Hand bis zum Anschlag im Mund, Zahngel hilft nicht. Lidocain hilft uns nicht besonders. Meine Oma, meine Mutter und ich haben das gleiche Problem. Es hat mit der Verstoffwechselung von Lidocain zu tun. Sie schreit schmerzerfüllt, ich gönne ihr etwas Paracetamol, dann schläft sie erschöpft ein. Ich habe mich mit der Kleinen ins Gästebett verkrümelt. Sie wird diese Nacht etwa alle 2 Stunden schreien erwachen und Trost brauchen. Der arme Wurm. Morgens klingelt der Wecker. Ich mache ihn aus und döse augenblicklich wieder ein. Dann schrecke ich hoch. Scheiße, heute ist Zootag. Die Kinder müssen um 8 Uhr im Kindergarten sein. Verdammt. Es ist mein 33. Geburtstag. Hektisch ziehen wir Eltern die Kinder an. Reiskeks wird im Auto gemümmelt, während ich mit der CD Weihnachtslieder trällere. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig. Kaum sind die Kinder im Bus verschwunden, habe ich nur ein einziges Bedürfnis: Kaffee! Jetzt! Ich hab ne Menge Arbeit zu erledigen und nichts davon gehört zu meinen Favorits. Vom Trüffel bekomme ich dieses Jahr ein besonderes Geschenk: Der Zahnarzt hat die Rechnung geschickt, die bezahlt diesmal er. Ich denke an den weiteren Zahnarzttermin diese Woche. Verdammt, warum wirkt Lidocain bei mir nicht…




Es ist jetzt nicht alles schlechter als damals, aber damals war mein Leben eben schon ganz anders.

Kommentare:

  1. Alles alles Gute zum Geburtstag, liebe Rosalie!

    Ich schick dir in Gedanken mal eine dicke Sahnetorte - und lass dich nicht unterkriegen - tust du nicht, oder?

    Manchmal braucht frau einen (virtuellen) Clan, um die Einsamkeit als Mutter und Paar mit Kindern wegstecken zu können.

    Aber warte - wer weiß was du zum 43. Geburtstag schreiben wirst :-)

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    1. Danke und keine Sorge, es geht mir nicht schlecht. Mir fiel nur auf, dass ich verpasst habe, dass ich offensichtlich auf einem anderen Planeten gelandet bin. Es will mir einfach nicht in den Kopf, dass gerade ich - also ICH - nun 33 bin. Klar, man hätte das kommen sehen können, aber ich und 33? Also nee, das will mir nicht runter…

      Und die Studienzeit, also für mich war das schon etwas besonderes. Diese Freiheit und vor allem die Machbarkeit der Dinge, ohne Druck oder Angst tief fallen zu können. Und nun, immer der Gedanke an die Kinder, ob das Geld morgen und in 10 und in 20 Jahren wohl reichen wird? Ob wir alle gesund bleiben? Ob ich wirklich irgendwann alt werde? All das, worum man sich mit 23 eben nicht so sorgt. Seltsam, oder? Dabei sind es nur 10 Jahre.

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