Montag, 22. September 2014

Eine tragende Rolle

Die gute Mutter von heute soll vor allem eines: Alles tun für's Kind!

Dazu gehört natürlich auch das Tragen. Tragen ist heute schon fast ein Muss. Es gibt unzählige Tagetücher, Tragehilfen und Meinungen, vorzugsweise propagiert von Trageberaterinnen. Es ist schon fast so schlimm, wie mit den Stillen. Ein Glaubenskrieg um die Babyfortbewegung. 


Mir missfällt das ungemein. Mich nervt sowas. So wie jedes Bio-Breichen selbst gekocht werden muss, damit das Verhältnis der Fettsäuren für's Kind perfekt ist, so muss auch getragen werden. Es hilft der Mutter-Kind-Bindung, die Körpernähe ist wichtig für Babys psychischer und emotionaler Entwicklung, das Tragen verhindert Hüftfehlstellungen und Rückenschmerzen im Erwachsenenalter… Ach, was für ein Segen! 


Wäre es nur nicht so wie bei allem, es gibt durchaus Nachteile und dogmatische Verfechter wie in so manchem Blogbeitrag ersichtlich ist.


Ich muss sagen, ich trage auch. Wir haben nämlich nur ein kleines Auto und dafür einen großen Kinderwagen. Das passt jetzt nicht so wirklich gut zusammen.

In Basel hatten wir Wohnung, Kita, Spielplätze, Arbeit - alles in einem Gebiet von 500m. Je nachdem was man mitschleppen wollte, hab ich eben Kinderwagen oder Trage genommen. Das war sehr bequem. 
Hier in HD sind wir oft mit ÖV oder Auto unterwegs. Da ist unser Kinderwagen eher vor der Haustüre eingestaubt. Denn ich gehöre nicht zu denen, die alle 2 Minuten den Kofferraum zuladen, wieder ausladen, wieder einladen… Und Kinderwagen im Bus finde ich durchaus eine Zumutung, es sei denn man ist mit mehreren kleinen Kindern unterwegs. 
Darum benutze ich bei Kind 2 ausschließlich die Trage. So kam es auch, dass Madame den Wagen überhaupt nur für 5 Minuten ohne Nölen erträgt - seit sie sitzen kann. Es lohnt einfach nicht, oder wenn, dann nur an wirklich langen Ausflügen, bei denen ich den Wagen als Lastesel missbrauche. Allein unsere Essenstasche wiegt immer schon einen Zentner. 

Da beide Kinder eigentlich bereits die Gewichtsklasse für's vorne am Bauch tragen hinter sich gelassen haben, benutze ich nun oft unseren Manduca. Den mag ich, weil er zu meinen anatomischen Gegebenheiten gut passt und auch der Trüffel ihn gern nimmt. Und ich kann problemlos Kind 1 oder Kind 2 damit auf meinen Rücken schnallen. Kind 2 mag das allerdings nur bedingt, weil sie dabei zu tief sitzt und dann auch bald nölt, weil sie nix sieht. 


Darum habe ich Kind 2 meist im Sling auf dem Rücken, weil ich sie da einfach sehr hoch binden kann.  Fängt sie allerdings an zu zappeln und möchte raus, muss ich sie tatsächlich raus nehmen, weil sie sich im Sling viel zu einfach selbst befreien kann. Sie im Tuch so hoch zu binden gelingt mir eher selten, weil sie da schon gar nicht rein will und rumzappelt…


So hab ich vor allem die Trage und den Sling im Gebrauch und würde diese auch gar nie wieder hergeben.

Den Manduca haben wir für recht viel Geld in wirklich schön gekauft und ich bin sehr glücklich damit. Das Ding ist unkaputtbar und für Mama und Papa eine einfache Lösung. Und zudem sehr bequem.
Sehr blöd finde ich allerdings, dass Manducas in vielen Babyläden verkauft werden, wo das Personal absolut nicht für Trageberatung geschult wird. Jedesmal, wenn ich so einen Laden betrete, wird irgendein 4wöchiges Baby mit gespreizten Beinen in so eine Trage verfrachtet und schreit dann wie am Spieß. Man kann einen Manduca problemlos auch für Neugeborene verwenden, aber da werden die Beinchen grundsätzlich vor dem Bauch überkreuzt, niemals gespreizt! Dafür ist der Manduca viel zu breit geschnitten. So habe ich schon unzählige NeoEltern 'beraten' und unzählige Verkäufer deutschlandweit alt aussehen lassen. Aber liebe Vertreter von Manduca: Es geht nicht, dass die Verkäufer im Laden den Kunden so einen Scheiß erzählen! Tut was dagegen!

Wir haben auch ein schönes elastisches Tuch von Mobi mit dem ich sehr zufrieden bin. Ich mag elastische Tücher zum Binden lieber als Leinentücher mit Kreuzwebung. Das Tuch eignet sich am besten für die ganz Kleinen, von Geburt bis zu 7kg. Blöd find ich nur das Binden, egal wie. Es ist mir zu blöd wenn man das Kind öfter aus dem Tuch raus und reinnehmen will. Dennoch kann ich unser elastisches Tuch nur empfehlen.


Meine große Liebe sind meine Ring-Slings. Ich kam darauf, als ich die Große auf der Hüfte tragen wollte. Beim Baby hab ich meine Ringslings dann ab Geburt am liebsten benutzt, weil sie so schön einfach und schnell anzulegen sind und immer passen und so unglaublich flexibel sind. 

Angefangen habe ich mit diesem BB-Sling von Babylonia. Der ist nicht nur wunderschön, sondern auch genial bequem, aus Baumwolle mit fester Webung und die Falten sind perfekt bequem genäht. Falls einer fragt, DAS ist der perfekte Ringsling. Umso mehr hab ich geweint, als ich ihn verloren hab. 
Jedenfalls ist dieser Sling auch super ab Geburt, weil man die einzelnen Falten wirklich super nachziehen kann. Der Stoff ist fantastisch.

Etwas spezieller und teuerer ist mein 2. Ringsling von TragMich. Der Sling hat verstärkte und wattierte Seiten unten und oben und an den Ringen so zusammen genäht, dass der Sling gleich wie ein Beutel in der Form bleibt. Dadurch lässt sich das Kind sehr einfach und immer perfekt hineinsetzen. Neugeborene haben eine weiche Kopfstütze und an den Beinchen kann die wattierte Borde nicht einschneiden. In diesen Sling kann man die Kinder auch vorwärts gerichtet (im Buddasitz) hinein setzen, wenn sie z.B. schon auf Mamas Schoß sitzen können. Das mögen die Kinder sehr.
Ich liebe diesen Sling. Der Service ist sehr gut und die Designs sind wirklich schön.
Vor allem kann man in diesen Slings super Stillen, da man die Borde weit hoch ziehen kann und der Babykopf dann nicht rumschaukeln kann. So hat man selbst beim Stillen die Hände frei.
Für Ringsling-Anfänger ideal. Für große Kinder eher nicht mehr so sinnvoll, weil der Sling sich in Größe und Länge nach den Maßen der Mutter richtet und bei meinem Kindergartenkind inzwischen nicht mehr genug Platz im Tuch ist…

Die perfekte Alternative: Ein RingSling von littleBunga. Ich hab mir nach langem Suchen einen dieser Wendeslings zugelegt. Sie sind schön, der Stoff ist super, die Verarbeitung perfekt, die Idee mit dem Wendestoff wirklich originell und der Preis ist unschlagbar. Die Kinder sitzen überraschend fest in diesem Baumwollsling. Der für mich entscheidende Vorteil ist der fest vernähnte Teil an den Ringen. So liegen die vernähten Falten als kompakter Stoffstreifen direkt vor/auf der Schulter auf. Das ist sehr bequem. Das Gewicht wird gut verteilt, die Falten lassen sich einzeln nachziehen und bei Bedarf kann der Stoff dennoch über die Schulter gefächert werden.

Um ehrlich zu sein, ich finde die Slings von Girasol, Hoppediz, Didymos oder Amazonas eine Zumutung. Die meisten sind nicht schön und viel zu teuer dafür, dass sie so lieblos zusammengenäht sind. Der Stoff fühlt sich nicht besonders gut an und am schlimmsten: Die Falten sind nicht fest vorgenäht. Dadurch hat der gesamte Sling viel zu wenig Halt über der Schulter und nur ein kleiner Teil des Stoffes wird straff gespannt. So passiert es leicht, dass das Baby nicht ideal sitzt, oder die äußerste Stelle der Schulter am stärksten belastet wird. Auch einen Sling kann man so nähen, dass das Gesamtgewicht des Kindes über die ganze Schulter verteilt wird. Ein Kardinalsfehler bei dieser Art Tragehilfe, wie ich finde. 

Generell finde ich es sehr schade, dass Ringslings nicht so solcher Propaganda unterliegen, wie die nervigen Fummeltücher. Ich hab selten so was einfaches und feines für Eltern und Kind gesehen. Klar, auf der Hüfte kann man die Kinder keine Stunden lang tragen, aber ein Baby generell vorne im Sling, oder dann die Größeren auf dem Rücken, super bequem und ganz einfach, ohne langes Binden… 

Ach und zur Tragepropaganda allgemein: Ich kenne tatsächlich Kinder, die Tragetücher seit Geburt vehement komplett ablehnen. Auch das Tragen und die dazugehörige Trage ist eben bei jedem Mutter/Kind-Paar individuell und das sollte auch respektiert werden.

Und noch etwas: Bei Fragen und Nebenwirkungen wenden Sie sich an Ihre Trageberaterin oder leihen Sie einfach mal eine Trage zum Ausprobieren bei einer befreundeten Mutti aus. 
Trageberatung ist nicht teuer und wird manchmal sogar von der Kasse bezahlt. Gehen Sie bitte NICHT in einen Laden und lassen Sie sich da etwas andrehen von einem Verkäufer, der keine Ahnung hat!

Ich hab noch eine Anführung zu machen: Waterslings. Wir sind ja viel im Schwimmbad und da ist so ein Watersling Gold wert. Unserer ist von MaM, aber ich bin nicht recht zufrieden damit. Die Größe M fiel sehr klein aus für mich. Besseres habe ich hier gefunden: kramlich-ringsling.de. Die Preise sind gut und die Slings auch!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen