Montag, 19. Mai 2014

Wie ich zur Mama wurde

Also über die genauen biologischen Umstände schreibe ich jetzt mal nicht…

Es geht dabei eher um meine Entwicklung.
Nach dem recht unmotivierten Abi folgte ein wunderbares Studium, das mich echt begeisterte. Mir war schon vor Studienbeginn klar, dass ich auch eine Doktorarbeit machen würde. Weiter ging meine Planung allerdings nie. Jedenfalls gab ich nicht nur nach außen das Bild einer ehrgeizigen oder zumindest Karriere-nicht-abgeneigten jungen Frau. So war es auch. Über Kinder machte ich mir in den 20igern keine Gedanken - erstmal.

Das lief auch alles immer sehr gradlinig. Ich war offenbar recht fleissig, solange ich Spaß an einer Sache hatte. Ich arbeitete viel und machte mir nie Gedanken darüber. Auch nicht, was ich mal werden wollte, wenn denn die Unmenge an Ausbildungszeit vorüber sein sollte.

Dann kam der Mann und gleich danach das Kind. Als ich von der ersten Schwangerschaft erfuhr, war ich überglücklich. Naja, nachdem ich mich von dem überraschend starken morgendlichen Übergeben, dass mich in der Dusche heimsuchte, erholt hatte. Da war mir also gleich klar, was los war. Den Test hab ich dann nur gemacht, damit es ein Beweisfoto fürs Babyalbum gab. Da wurde dann auch prompt der 2. Streifen viel schneller und fetter rot, als die Kontrolle. 

Ein Wunschkind also und wir haben uns riesig gefreut. Und ich hatte ja keine Ahnung, was da auf mich zukam. 14 Wochen ganztägiges Erbrechen, die Umstellung auf Tomaten und Äpfel (das einzige, was nicht zum Brechreiz führte), Müdigkeit (aber wie!) - all das nahm ich vollkommen glücklich hin. Die ersten Tritte, der wachsende Bauch, mein Erlahmen auf dem Fahrrad, die Rückenschmerzen (meine Bänder geben schon nach, wenn ich nur an Schwangerschaften denk), all das hab ich in wolkig verklärter Erinnerung. Ich saß am Schreibtisch und tätschelte meinen Bauch. Wie schön das war!

Dann die Geburt, Kinderklinik, Stress, Angst, zu wenig Schlaf, zu wenig Milch, zu wenig Ruhe… Wir haben eine Weile gebraucht, bis wir uns erholt hatten. Bei 16 Wochen Mutterschutz (eigentlich hab ich ja nach 6 Wochen wieder gearbeitet) und geplantem Segelurlaub und und und, da brauchte es irgendwie etwas länger, bis sich alles geordnet hatte. Ich hab diese Zeit aber nicht als Stress empfunden. Es war nur alles so ungewohnt. So von 100 auf 0 im Beruf und von 0 auf 100 als Mutter. Das empfand ich schon als recht krass. 

Als Ferkelchen dann ein halbes Jahr alt war, wir und uns eingelebt hatten, die Kita gut lief und meine Chefin die ersten Befehlsverweigerungen geschluckt hatte, lief alles sehr leicht. Ich war gerne Mama. Morgens lachte ich mit dem Baby, bei der Arbeit dachte ich nicht mal an das Baby und abends dachte ich nicht an die Arbeit. Ideal. Das hat Spaß gemacht.

Aber ich hatte doch ein wenig länger gebraucht mich auf das neue Familienleben einzulassen. Und auf das Baby. Babyhandling lief zwar recht gut, und ich verstand auch sehr schnell, was die Kleine wann brauchte und wollte. Aber so ein ganz freies auf das Kind einlassen - das war nicht so einfach für mich. 
Ich war ja eigentlich beruflich gewöhnt unglaublich organisiert und diszipliniert zu sein. Wenn ich im 'Arbeitsmodus' war, dann hat mich nichts so schnell ablenken können. Das ist oft noch heute so, wenn ich z.B. in kurzer Zeit etwas im Haushalt machen will. Dann sollte man mich nicht stören, denn ich bin dann so im zack-zack-Modus, dass ich jede Störung tatsächlich auch als störend empfinde. 
Bin ich mit den Kindern zusammen, vermeide ich diesen Modus sehr erfolgreich. Das heiß aber auch, dass in dieser Zeit nix wirklich erledigt wird. 
Mittlerweile habe ich für mich beschlossen, dass es ja auch so sein soll. Sind wir zusammen, bekommen die Kinder meine volle Aufmerksamkeit. 

Bei all dem verwundert es nicht, dass ich das Mamasein, bei Kind Nr. 2 schon super drauf hatte. Auf das Babyferkelchen konnte ich sofort ganz und gar eingehen und wir haben uns auch von der ersten Minute an super verstanden. 
Generell führt das aber zu 2 Problemchen, denen ich ständig versuche entgegen zu wirken. 
Baby und ich sind ein Herz und eine Seele, sie hängt sehr an mir und ich sehr an ihr. Also versuche ich ständig die große Schwester nicht zu vernachlässigen. Das gelingt mir ganz gut, die Eifersüchteleien sind bisher nicht nennenswert. Aber das strengt mich doch an. Meine Aufmerksamkeit springt ständig vom einen zum anderen. Dabei komme ich nicht mehr zu Ruhe und meine eigenen Grundbedürfnisse (Hunger, volle Blase) gehen schon mal vergessen.

Das zweite Problem ist, dass ich massive mehr Schwierigkeiten habe das Baby loszulassen. Sie wächst mir zu schnell. An Abstillen ist nichtmal zu denken. Kinderwagen statt Trage? No way! Auch wenn mein Rücken irgendwann mal auseinander bricht. Baby ans Babybay gewöhnen oder ihr überhaupt anzugewöhnen, dass sie ohne meine unmittelbare Nähe schläft? Keine Chance. Ich kann das Kind nicht loslassen. Ich kann sie keine Sekunde weinen lassen, auch wenn ich grad aufm Klo sitz oder unter der Dusche bin. Es geht einfach nicht. 

Das ist total verrückt. Auch wenn ich die Große ebenfalls nie schreien lies, so war es doch einfach für mich. Sie schlief im Bettchen neben mir. Ich hatte meinen Platz. Nach sieben Monaten stillte ich dann nur noch nachts. Das lief super. Beim Baby? Ich würde ihr am liebsten gar keinen Brei geben! Auch wenn sie von anderen die Flasche einwandfrei nimmt, ich würde ihr niemals die Flasche geben. Ich brauche sie ganz nah bei mir. 
Habe ich die Große doch eher mechanisch gewickelt, wenn ich müde war, so knutsche ich auch todmüde das Baby 10 mal ab, bevor ich die Windel überhaupt gewechselt hab. Sowieso knutsche ich das Baby die ganze Zeit oder kitzle sie oder puste oder streichle das Köpfchen. All das habe ich bei der Großen auch gemacht, aber lange nicht so exzessiv. 

Ich bin bei Kind 2 zur Übermama geworden. Der volle Hormonrausch. Und arbeite ständig einer möglichen Eifersucht der großen Schwester entgegen. Das gelingt, wie gesagt, momentan recht gut. Doch ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mal vor diesem Problem stehen würde. 
Wie ich mich doch verändert habe…

Und die Karriere? Ja schon. Ich hab kein Problem damit die Kinder in der Kita abzugeben. Aber ganz oben auf der Liste steht nicht die Karriere. Nach den Kindern stehen da der Trüffel und ich und gleich danach kommt Geld verdienen, nicht Karriere. Dinge ändern sich. Nicht, dass ich nicht mindestens 80% arbeiten will. Aber ich will nun 'nur noch' arbeiten, Geld verdienen und sinnvolle Arbeit tun. Ich will nicht mehr der Welt beweisen, dass ich die tollste Wissenschaftlerin sein kann. 
Wie ich mich doch verändert habe...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen