Donnerstag, 6. März 2014

Dein Kampf

Das Ferkelchen wird bald 3. Und sie kämpft. Mit mir, mit ihrem Vater aber am meisten mit sich selbst. Und sie tut mir leid dabei.

Es ist oftmals eher subtil, weniger ein offener Konflikt. Sie weiß nicht, was sie malen will und am Ende gefällt ihr das Bild nicht und sie flippt aus. Solche Sachen eben.
Und sie weint viel. Sie wacht nachts auf und liegt trotz Kuscheln stundenlang wach. Sie kämpft. Sie heult, oft, wegen allem und jedem.

Es ist schwer sie dabei zu begleiten. Ich bin eigentlich recht streng. Wenn jetzt essen auf dem Plan steht, ist Essen dran und nicht spielen… Also geraten wir mit unseren Vorstellungen öfter mal aneinander. 

Eigentlich alles normal, möchte man meinen. Da müssen alle durch, sagt man. 
Aber mein Kind, mein wunderbares, zärtliches, liebes Kind weint oft und lacht nicht mehr ununterbrochen. Und ich darf sie in diesen furchtbaren Augenblicken nicht mal mehr in den Arm nehmen, darf nicht kuscheln, darf nicht küssen. Sie kämpft - allein. 

Und dann ist wieder alles gut.

Oft habe ich das Gefühl, sie nimmt mir übel, dass jetzt alles anders ist. Ein Baby - dass sie heiß und innig liebt und ihm vorliest und kuschelt und es streichelt. Aber sie ist böse auf mich. Auf wen denn sonst? Natürlich ist sie böse auf mich. 

Dabei macht sie das wunderbar, so in kürzester Zeit in die Rolle der Großen zu wachsen. Sie lernt schnell, sie verändert sich. Ich sehe das jeden Tag und bin froh, dass mein Kind das so gut hinbekommt. 
Und ich weine stille Tränen. Mein Baby ist kein Baby mehr, sondern bald ein Kindergartenkind. Masslos sich selbst überschätzend und doch hat sie mehr Ahnung vom Kindsein, als ich. Das Baby ist jetzt mein Baby und weiß genau, wie es einen bezaubert. 

Manchmal, wenn Ferkelchen schreit und tobt und Babyferkel lacht und blubbert, dann denke ich 'Ach Ferkelchen, du warst auch mal so süß', oder '…kannst du nicht einfach auch so sein wie deine Schwester?'
Und dann schäme ich mich, denn Ferkelchen ist immer noch so süß, und nein, sie kann nicht so sein wie ihre kleine Schwester. Sie ist sie selbst, ist kein Baby mehr und kämpft mit anderen Problemen. 

Ich wünschte ich könnte ihre Sorgen einfach wegblasen, könnte sie immerzu zum Lachen bringen, müsste ihr nicht Sachen verbieten. Ich versuche sie zu begleiten und ihr eine Stütze zu sein. Aber manchmal, da geht es nicht. Da geht nur Heulen und Toben und unglücklich sein. Und hinterher Trösten. 

Jede ihrer Tränen schmerzt mich, denn ich liebe sie. Ich liebe sie nicht weniger, als vor dem Babyferkel. Doch ich merke, dass es sie schmerzt, nicht mehr die Prinzessin zu sein, die Mama teilen zu müssen. 

Und gestern Abend brachte ich sie ins Bett und sagte ihr, dass ich sie ganz arg lieb hab. Da sagt sie zu mir: 'Ich weiß das Mama.'

Auch wenn im Grunde alles sehr rosig läuft bei uns, es braucht so viel mehr Zeit als Familie mit Baby wieder neu zusammenzuwachsen, als man vorher meint...

1 Kommentar:

  1. Ich kenne das nur zu gut... Mein Grosser fordert so viel, kämpft ebenfalls mit sich und der Welt und ist eigentlich doch ein Schatz. Der Kleine ist momentan so viel umgänglicher, dass ich mich ab und zu auch ertappe zu denken: "Wieso muss der Grosse so blöd tun? Der Kleine macht das doch viel besser!" Dabei liebe ich die beiden auf immerundewig und geniesse es, gleichzeitig zwei Entwicklungen verfolgen zu dürfen. An meiner Gelassenheit im Umgang mit mühsamen Situationen arbeite ich, ich bin auch streng, manchmal fordere ich sicherlich zu viel. Was ich gelernt habe: weniger sprechen, kurze Sätze, ich-Sätze, und Lob, wenn etwas doch gelingt. Und - ganz wichtig - keine Drohungen, sonst manövriere ich mich ins Abseits. Das kommt bei dir sicher gut!

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