Mittwoch, 19. März 2014

Da sitz ich nun, ich armer Tor

und bin so klug als wie zuvor. 

Nun bin ich also an dem Punkt. Der Punkt, an den die meisten Menschen kommen, an dem jede Mutter (seltsamer Weise betrifft das bei uns nicht den Vater) entscheiden muss, wie es weiter geht. Wie wird meine Zukunft aussehen?

Es ist ja nicht so, dass ich das Rad neu erfinden muss. 
Aber dieser Punkt, diese Zeit im Leben fühlt sich nicht komfortabel an. Ich mag das nicht. 

Dabei ist mein Leben mehr als komfortabel. Alle gesund, eine wunderbare Familie, eine große Wohnung in einer Stadt, die doch sehr vieles zu bieten hat, das Geld ist auch nicht knapp. Eigentlich ideal um sich zurück zu lehnen, den Frühling zu genießen und entspannt alles auf sich zu kommen zu lassen. Genug Zeit für die Kinder etc. 

Tja, nee. 
Ich kann nicht schlafen. Ich bin derart gut ausgebildet, dass es mir schon zu den Ohren rauskommt. Und auf meinem Gebiet so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau - ich kann derart viele Techniken und bin wirklich gut - jedes Labor würde sich um mich reissen. Nur eben nicht mit dem Titel. Damit bin ich zu teuer. Ab E13 aufwärts, da müsste ich vielerorts schon selber Gelder mitbringen.

Und will ich überhaupt ins Labor zurück? Eigentlich nein. Ich will keinen PostDoc machen, ich will nicht Professor werden. Also in die Industrie. Aber dort muss man mit dem PhD auch aktiv Forschung betreiben. Das heisst enormen Konkurrenzkampf und 50 Stunden die Woche. Nein, will ich nicht, schaff ich nicht. Auch wenn das Gehalt stimmt. 
Für jede andere Stelle bin ich offiziell überqualifiziert, also zu teuer. Bekannte in Basel in dieser Situation suchen im Schnitt über ein Jahr, obwohl es dort viel Forschung und Pharmaindustrie hat. Und die haben keine Kinder. 

Um ehrlich zu sein, um etwas zur Ruhe zu kommen wünsche ich mir eigentlich einen 80% Job, bei dem ich meinen Urlaub nehmen darf (ich hab in 4 Jahren PhD 9 Wochen Urlaub nicht genommen - so blöd muss man sein) und am Wochenende frei habe. Nur muss halt das Gehalt auch stimmen, weil wir sonst derart schlecht dastehen steuertechnisch, dass es sich auch nicht auf Dauer lohnt. Ach und am liebsten hätte ich auch einen Chef, der mich nicht krank macht.

So viele Wünsche, so viele Fragen und so viele Ängste. Also so fühlen sich alle die Millionen Menschen, die vor eben diesem Problem standen oder stehen. 

Nun, der erste Schritt ist logisch, ein Coaching, eine Stellenvermittlung für meine Berufssparte. Bietet ja jede Uni an, auch das private Institut, an dem der Trüffel arbeitet. Der bekommt ständig Mails von allen möglich Stellen. Coaching und Jobvermittlung für Partner von Wissenschaftlern. Super! War ja aber klar, dass das nur für Professoren gilt - PostDocs sind niederes Gesocks, die sollen sich selber helfen. Das gilt auch für die meisten Kontingente der Kitaplätze. 

Und so sitze ich da und sollte mir jemanden suchen, der mir kompetent (und nicht, weil er mit seinem eigenen Lebensplan gescheitert ist und sich jetzt Coach nennt, weil das eine ungeschützte Bezeichnung ist) weiterhelfen kann. Also mache ich, was jeder in meiner Situation macht. Ich putze, ich wasche, ich koche und blogge und ärgere mich, dass ich am Ende des Tages nicht das gemacht habe, was ich sollte.  

Tja. Kommt Zeit, kommt Rat. Und hoffentlich auch Tat.

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