Mittwoch, 19. Februar 2014

MONDAY

So heißt eine Studie von Entwicklungspsychologen näheres dazu hier

Der Hintergrund ist, dass es zwar so irgendwie ungefähr in Ratgeberbüchern steht, wann ein Baby und Kleinkind was wie gut können kann bzw. muss, aber so wirklich weiß man das gar nicht. Meilensteine sind gar nicht wissenschaftlich so richtig erforscht. 
Nun, es fand sich Geld und der ein oder andere motivierte Doktorand und los ging's. Die Studie ist ganz gut konzipiert. 
Es gibt erst ein ausführliches Elterngespräch, bei dem der Entwicklungsstand des Kindes erfasst wird. Dann gibt es eine tolle Internetplatform, auf der man die weiteren Entwicklung des Kindes dokumentieren kann, ein Forum, eine Online-Auswertung etc. Alles sehr schön gemacht.

Ich komme darauf, weil Babyferkel zum Versuchskaninchen mutiert ist. Am psychologischen Institut in Heidelberg wird seit langem erforscht, wie sich das Denken bei Babys entwickelt. Das find ich super und wir machen dort mit. Die Leiterin des Ganzen ist Frau Pauen.

Nun hat diese Frau Professorin schon bei so manchem Ratgeber mitgewirkt, den ich beim reinen durchblättern bereits wieder zur Seite gelegt habe. Ich hab keinen zu Hause und auch noch nie einen wirklich durchgelesen zum Thema Baby und Kind. Naja, jedenfalls fand ich das nicht besonders hilfreich, was ich beim durchblättern so gesehen hab.

Wissenschaftlich ist die Fragestellung die Entwicklung der Kinder ordentlich zu dokumentieren und zu analysieren natürlich höchst zulässig und es ist nur logisch, dass eine solche Studie durchgeführt wird. 

Man fragte mich als Neuroentwicklungsbiologin also, ob wir da mitmachen. 
Ich lehnte ab. 

Da wir bei anderen Studien gerne mitmachen, war die Doktorandin etwas erstaunt. Sie konnte mir das Angebot auch mit ausführlichem Anpreisen nicht schmackhaft machen. 
Warum nicht?

Weil ich zu Hause Mutter bin, nicht Wissenschaftlerin. 
Ich verstehe was sie tun und warum, aber ich habe starke Bedenken. Diese Studie ist zwar sinnvoll für die Wissenschaft, aber ich halte sie für höchst problematisch für die Gesellschaft. Auch wenn den Forschern klar ist, dass sich Kinder unterschiedlich entwickeln, geben sie damit einen sehr strengen Entwicklungsrahmen vor. Kategorien, die Eltern verunsichern werden. Die Kinder in 'Leistungsschubladen' steckt - und das in einem Alter, in dem es noch völlig egal ist. 
Ziel dieser Studie ist ja nicht einfach das harmlose Festellen wann was passiert, sondern auch zu erkennen, wann was bei welchem Kind nicht passiert. Der Trend zur Pathologisierung von kleinen Kindern scheint ungebrochen. Eltern werden auf die Frau Professorin hören statt ihren Kinder zu vertrauen, die weiß ja immerhin, wovon sie redet. 

Natürlich ist man sich des Problems bewusst. Man will auf keinen Fall jemanden verunsichern. Und die Frau Pauen hat ja sinniger Weise auch schon Ratgeber publiziert, in denen es um Frühförderung geht. 
Viel Blabla, das wenig nützen wird. Denn die wenigsten Menschen verstehen, dass Wissenschaft keine Wahrheiten herausfinden kann. Ergebnisse von Studien sind seeeehr relativ, wenn man's genau betrachtet. Und das ist ok so, denn so funktioniert Wissenschaft und das muss auch so bleiben. 

Ich jedenfalls dokumentiere nix. Ich schaue meine Kinder an und seh, dass sie sich ganz normal entwickeln, auch ohne jemals gelesen zu haben, wie 'normale Entwicklung' eigentlich ausschaut. 
Bei einem Elterngespräch in der Kita erzählte man mir ganz begeistert, wie sich das Ferkel denn nun so entwickle. Ich weiß, dass ist sehr überheblich, aber ich konnte nur freundlich nicken. Solche Gespräche sind überflüssig in dieser Weise. Wichtig wäre zu dokumentieren, wenn ein Kind etwas wirklich gar nicht macht im Vergleich zu allen anderen Kindern der Gruppe. Und erst dann kann man anfangen zu diskutieren. Aber all das zeigt, dass der Normierungswahn uns Eltern nun so verkauft werden soll, als sei es was ganz Tolles. Man will ja schliesslich was geboten bekommen für sein Geld. 

Nun, eine alleinerziehende Mutter aus dem Rückbildungskurs fragte mich vor Kurzem, ob ich denn einen Tipp hätte, weil ihre Tochter etwas unruhig sei. Ich scheine eine kompetente Mutter zu sein. War jedenfalls mein erster Gedanke. Was konnte ich ihr raten? 
'Jedes Kind ist anders, jedes Kind geht durch ganz viele verschiedene Phasen und reagiert unterschiedlich darauf. Lass die Kleine so wie sie ist und hör ihr gut zu. Sie versteht mehr vom Babysein, als alle Erwachsenen auf der Welt.'
Die junge Mutter hat zwar genickt, aber ich fürchte, ich habe ihr keine befriedigende Antwort gegeben. Vertrau deinem Kind ist das Motto. Denn Babys lassen sich die Kontrolle über ihre eigene Entwicklung nicht einfach abnehmen. Und vertrau dir selbst, dass du das Mutterdasein mindestens so gut bewältigst, wie all die Milliarden Mütter vor dir.

Diese Aufgabe wird einem nicht immer leicht gemacht. 

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