Freitag, 13. September 2013

Einmal mit und einmal ohne...

Es trennen uns Welten. Leider. 

Ich bin in meinem Bekanntenkreis tatsächlich immer noch die einzige, die es bisher gewagt hat sich fortzupflanzen. An sich störte mich das nie. Im Gegenteil, ich bin echt keine, die Mamitalk frönt. Ich interessiere mich vor allem nicht für Babydinge anderer Mütter und anderer Babys. Und ich rede auch nicht in einem fort von meinem Kind. 

Also eigentlich alles gut. Ich war auch nie der Typ, der nach der Geburt zu Hause saß. Wir haben das Ferkelchen einfach immer überall hin mitgenommen. Die war auch ne ganz Liebe und es hat nie jemanden gestört. 

Und dennoch lässt es sich nicht ignorieren. Uns trennen Welten - mich und meine Freunde. Nicht thematisch, sondern in Bezug auf die Sichtweisen. Thema Arbeit, Thema Sozialgesetzgebung, Thema Steuern, Thema Freizeitangebote, Thema Rollenverteilung, Thema Emanzipation, Thema Heirat, Thema Beziehung überhaupt, Thema Beziehung zu den eigenen Eltern, Thema Ernährung, Thema medizinische Vorsorge, Thema Krankenkasse allgemein, Thema Migration, Thema Überfremdung, Thema hilfsbedürftige Menschen, Thema Billigmode, Thema Billiglöhne, Thema Träume, Thema Haustiere... Ach, was wurde in den letzten Monaten nicht alles diskutiert bei uns. 

Egal worum es geht, ich scheine immer anderer Meinung zu sein, oder die anderen sind anderer Meinung, oder was auch immer. 
Es fällt mir zunehmend schwerer mich im kinderlosen Freundeskreis zu bewegen. Ich will ja auch nicht immer nur über alles streiten. 

Es geht mir auch nicht darum, andere zwangsläufig zu überzeugen, oder zu belehren. Es ist viel mehr die Argumentationsgrundlage und der Ton, der sich verändert hat. Ich stelle bei meinen kinderlosen Freunden eine zunehmende Radikalisierung fest. Nicht unbedingt in Bezug auf den Inhalt, nein, eher in der Argumentationsweise. Es erinnert mich fatal an die Absolutheit mit der Teenager streiten. Es zählt nur noch eine Sichtweise, es gibt Richtig und Falsch, Gut und Böse, Entweder - Oder! Und dabei bleibt's dann auch. Irgendwas dazwischen wird nicht mehr akzeptiert und die eigene Meinung wird nicht wirklich angezweifelt. Wenngleich auch jeder behauptet, er würde sich ja kritisch hinterfragen...

Es scheint mir, ich habe in den letzten zwei Jahren mit Ferkelchen und Trüffel mehr Geduld und vor allem Gelassenheit bekommen. Ich springe nicht gleich bei jedem Ding entsetzt in die Luft und reg mich auf. Ich hab gelernt, dass andere Menschen eben anders sind und anders reagieren. 
Meine Freunde wissen das wohl auch, die sind ja alle nicht blöd. Und eigentlich auch durchaus zur Reflexion fähig. Nur können sie es dann eben doch nicht ab, wenn jemand anders reagiert oder denkt, als sie selbst.

Klar hab ich in diesen Jahren viel eher lernen müssen mich hintenan zu stellen, mich mal nach den Bedürfnissen anderer zu richten. Aber ich hab bewusst nie mein Kind über alles andere gestellt. Ich bin auch egoistisch und fast alles hat bei mir seine Grenzen. Aber ich hab vor allem gelernt mal alle Fünfe gerade sein zu lassen, nicht immer auf mein Recht zu bestehen, es auch mal gut sein zu lassen, meine Mitmenschen mehr wahrzunehmen. 
Und ich hab gelernt Dinge zu entscheiden, ad hoc, und dazu zu stehen. Ohne aus allem ein Problem zu machen. Erscheine ich darum meinen Freunden eher als ignorant oder desinteressiert? 

Jedenfalls geraten wir öfter an einander, weil mir diese Heftigkeit auf den Keks geht. Beim 2-jährigen Ferkelchen versteh ich das ja sehr gut. Bei ihr ist das sogar angebracht. 
Aber wenn jemand Ende 30 mich fast anschreit, weil sie/er findet, wenn man schon heiratet, dann sollte man auch einen gemeinsamen Familiennamen haben, sonst leiden ja nur die Kinder darunter... Tja also, da kann ich dann auch nur noch mit den Schultern zucken. Eine vernünftige Reaktion fällt mir da eben spontan nicht ein.

Die Sichtweise 'jeder nach seiner Facon' wird mehr und mehr zum Problem. 
Jetzt kann ich natürlich nicht wirklich beurteilen, ob das anders wäre, hätten alle meine Freunde selbst Kinder. Vielleicht würden sie gelassener, vielleicht würden sie noch radikaler. 
Fest steht nur, ich hab mich offensichtlich massiv verändert. Und wie mir scheint, bin ich oftmals liberaler als so mancher Single. 

Uns trennen eben inzwischen Welten, mal ganz abgesehen von meinem inzwischen anderen Erfahrungsschatz in Bezug auf Windelinhalte und Durchschlafen. Wohin das führt? Nun, wahrscheinlich werde ich mir neue Freunde suchen müssen. Welche mit oder ohne Kind, die über ganz normale Themen reden mögen, ohne dabei gleich so wüst zu urteilen...
Wo bitte findet man die?

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