Samstag, 28. September 2013

Die Ehe

Man liest ja auf anderen Blogs. Ich z.B. gerne bei aufzehenspitzen und fuckermothers. Da ist das Thema Ehe und Geld ein Thema zum Nachdenken gewesen und das hab ich nun auch gemacht.

Eine Ehe an sich bringt verschiede Fragen mit sich:

Warum habe ich geheiratet?
Ganz unromantisch, weil's mit Kind einfacher ist. Als Ausländer in der Schweiz haben wir ein Kind mit ausländischem Pass bekommen und wir werden wahrscheinlich auch irgendwann wieder im Ausland wohnen. Da ist es schlicht rechtlich praktischer verheiratet zu sein. Ich wollte auch irgendwie, dass allen klar ist, dass jetzt gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle gilt. 
Mit der Steuer in der Schweiz hat das recht wenig zu tun, da wird man als Ausländer eh einzeln und mit Quellensteuer veranlagt. Herrlich einfaches System. 
Wir sind auch beide Atheisten und so waren wir einfach auf dem Standesamt. Allerdings haben wir in Deutschland geheiratet, weil ich meinen Namen behalten wollte und das Schweizer Eherecht das damals noch nicht möglich machte. Weder die Namensanerkennung, noch die Namensregelung für die Kinder oder die Tatsache, dass wir unterschiedliche Namen haben hat je zu Konfusionen geführt, oder wurde irgendwo komisch aufgefasst. Das ist heute echt gar kein Problem mehr und das finde ich super.
Für uns beide war die Hochzeit eher eine Art Vertragsunterzeichnung, nicht mit romantischen Vorstellungen aufgeladen und daher eigentlich ein recht nüchternes Erlebnis. Dennoch sehr schön, denn es hat total zu uns gepasst.

Das ist aber nur ein kleiner Teil der Ehe, wie sich mit der Zeit herausstellte. 
Wie wird das Geld in der Ehe verteilt?
Wir sind beide Vollzeit-Berufstätig. Das wird auch so bleiben, auch mit zweitem Kind. Wir haben die gleiche Ausbildung und daher wird das Einkommensgefälle bei uns in nächster Zeit auch nicht groß zum Thema werden. Es ist eher zu Erwarten, dass ich in 5 Jahren besser verdiene als er, weil ich nicht an der Uni bleiben möchte.
Im PhD war es bisher so, dass wir beide ja gleich viel verdient haben. Er hat 9 Monate ohne Gehalt gearbeitet, ich werde in einem halben Jahr auch die 9 Monate haben, sofern ich bis dahin keinen neuen Job habe. Das ist bei Wissenschaftlern auf der untersten Stufe oftmals so und es war nie ein Thema, dass der eine für den anderen einspringt. Darum habe ich kein schlechtes Gewissen oder komische Gefühle. Und das werde ich auch nicht bekommen, denn es ist unvorstellbar für mich, nicht wieder voll zu arbeiten, so wie er sich auch nicht vorstellen kann, das Pensum zu reduzieren. 
Und die beiden teueren Privatkitaplätze gehen eh von seinem Konto ab. Es ist also nix mit der Vorstellung: Die Frau arbeitet für ein 'Zubrot'. 
Das haben wir nicht vorher ausdiskutiert, das war einfach vorher klar, weil wir beide den gleichen Leistungsanspruch an uns haben und auch die berufliche Herausforderung wollen. 
Ich würde auch prinzipiell nicht reduzieren, wenn er das nicht auch tut. 

Er ist sehr viel mehr vermögender in die Ehe gegangen, als ich. Er ist Akademikerkind, ich bin Arbeiterkind. Also hatte er ein Auto und einiges Vermögen angelegt von seinen Eltern bekommen. Ich hab mir von meinen Eltern 2000 Euro geliehen, als ich in die Schweiz kam. Sein Geld ist aber angelegt und hat bisher niemanden interessiert. Ich habe auch rein rechtlich keinen Zugang dazu.
Seine Eltern haben auch Konten für die Kinder angelegt. Das finde ich toll, hat mich bisher aber nicht weiter interessiert. 

Wir haben zwar getrennte Konten, aber die Fixkosten sind 50:50 aufgeteilt. Er kauft Lebensmittel, ich Kinderzeugs... Das hält sich alles ungefähr die Wage. Größere Ausgaben für die Kinder, wie Kindersitz, Bett etc. werden vom Kinderkonto beglichen.

Wir sind zwar durch die ewige Ausbildungszeit lange auf der Studentenstufe stehen geblieben, aber haben zumindest jetzt vernünftige Gehaltsaussichten. Davon kann man in Deutschland gut leben. Steuertechnisch werden wir keine Vorteile haben.

Was hat sich in der Ehe verändert?
Wir streiten schon mal. Dann heißt es durchaus auch mal: Dann lass ich mich halt scheiden... Das Gegenargument ist: Das kannst du dir eh nicht leisten...
Solche Streits kochen bei uns schnell hoch, solche Aussagen sind aber nie ernst gemeint. Ich kenne das von meinen Eltern. Dementsprechend werden sie von uns auch nicht verletzend aufgefasst. Wir haben das besprochen. Es ist eher der Ausdruck der momentanen Wut. Ein fieser Satz um dem Ärger Luft zu machen und gut ist.

Es hat sich aber etwas grundlegendes Verändert über die Jahre. Seit wir verheiratet sind ist uns beiden aufgegangen, dass alles was wir jetzt hier heute und in Zukunft aufbauen für uns gemeinsam ist. Alles was wir an Projekten verwirklichen wollen, alle Träume, gemeinsamen Leben im Ausland - all das wird auf dem rechtlichen Fundament der Ehe aufgebaut. Es gibt immer noch MEINS und DEINS, aber der eine kann und wird nichtmehr ohne den anderen irgendwohin gehen, irgendetwas finanzieren, irgendeinen Job annehmen, ohne dass der andere nicht mit involviert ist. Das ist natürlich auch bei unverheirateten Paaren so. Es steht nur jetzt nicht mehr zur Diskussion. Allen ist immer klar: Entweder zusammen oder gar nicht. 

Ich habe nicht damit gerechnet, aber eigentlich finde ich es sehr schön. Das hat in den 10 Jahren diverser Beziehungen davor gefehlt. Die rechtliche Verbindlichkeit. 
Nun sind wir beide zwei Persönlichkeiten, die sich nichts gegenseitig schenken, oder die Butter vom Brot nehmen lassen in der Beziehung. Er eignet sich nicht für die Rolle des klassischen Ehemannes und ich mich nicht für die der klassischen deutschen Ehefrau. Dass wir verheiratet sind spielt bisher für unsere Beziehung als Liebende eine untergeordnete Rolle. Wir tragen keine Ringe und haben wie erwähnt verschiede Namen.
Auch für unsere Beziehung zu den Kinder ist die Ehe bisher nicht relevant. Dazu muss man nicht heiraten. 

Wenn man in einer gleichberechtigten Beziehung lebt, spielt es meiner Meinung nach weder für die Liebe, noch für die Kinder eine Rolle, ob man verheiratet ist. Es ist tatsächlich eher der geschützte rechtliche Rahmen für die gemeinsame Zukunft. Natürlich muss man auch dafür nicht heiraten, wenn man sich einig ist. Aber es ist bequemer. Darum finde ich, sollten alle Paare mit dem gleichen rechtlichen Rahmen heiraten dürfen, wenn sie wollen.

Abhängigkeitsverhältnisse sehe ich als sehr problematisch an. Sie haben aber weniger mit der Tatsache zu tun, ob man verheiratet ist. Ich würde schätzen, das ist ein klares Beziehungsproblem. Auch die unterschiedlichen Vorstellungen von Gefühlen und Romantik, all das was gerne in eine Ehe hineininterpretiert wird, hat mit Ehe selbst wahrscheinlich recht wenig zu tun. 
Ob eine Beziehung funktioniert und alle darin glücklich sind hat viel mit Respekt zu tun. Alles andere - außer Liebe vielleicht - ist eigentlich nicht nötig, aber manchmal hilfreich. 

Wir sind bisher auch noch nicht allzu lange verheiratet. Gerade einmal 3 Jahre. Aber bisher bin ich es gern.

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