Montag, 2. September 2013

Das Ende naht

Hoffe ich zumindest. Das Ende des Umzugs, der Schwangerschaft, der Diss... 
Mir reicht's so langsam. Alles sehr anstrengend. Aber nur Jammern will ich nicht. Es war ja vorher klar, dass dies ein verrücktes Jahr wird.

Mich beschäftigen gerade gleich mehrere Dinge:

Das Ferkelchen ist in Ferien. Bei Oma (sie hat die Schwiegermutter 'Oma-Bodenwischen' getauft. Mein wunderbares Kind!) und Opa. 12 Tage schon. Und sie weigert sich, mit den ollen Eltern zu telefonieren. Die Oma behauptet, sie sei ganz lieb und es sei auch nachts kein Problem. 
Tja, jetzt steh ich so a bissel wie der Ochs vorm Berg. Mein Kind geht mit 26 Monaten einfach so 2 Wochen in Ferien, ist zum ersten Mal ganz von den Eltern weg - und vermisst uns offensichtlich nicht allzu sehr. 
Das gibt mir schon so einen Knick. Dabei bin ich eigentlich stolz, wie groß das Töchterchen bereits ist. Trotzdem. Was kommt nächstes Jahr? Steht sie da in der Tür mit ihrem Rucksack und zieht mal los auf Backpackingtour durch Australien? Ich mein ja nur...
Wann ist dieses Kind eigentlich so groß geworden???

Außerdem hat mich das Babyfieber gepackt. Meine Hormone drehen irgendwie durch und das kenne ich von mir gar nicht. Ich bin also dabei alles babyfertig zu machen. Bei jedem Body, den ich den Schrank räume, werde ich sentimental: Ich weiß noch wann und welchen Situationen der Ferkelchen diese Sachen anhatte... Sie war ja so süßßß! Der Trüffel fällt schon fast vom Stuhl ob des Hormonschubs, der mich da gepackt hat. 
Mehr und mehr fühl ich mich, als wär ich fremdgesteuert.

Wir haben also in den letzten Tagen versucht einiges zu regeln, wo wir doch Ferien haben. Unter anderem die Sache mit dem Nabelschnurblut. Eine echte Tortur. Ich sehne mich nach Basel zurück!

Eine öffentliche Nabelschnurblutspende liegt mir sehr am Herzen. Ich möchte das jedem ans Herz legen.
Das Nabelschnurblut enthält kindliche Stammzellen, die man einfrieren kann und bei einigen Krankheiten in der Therapie bereits heute einsetzen kann. Gleich zu Beginn: nein, daraus kann man jetzt nicht einfach neue Organe züchten, auch nicht in Zukunft. Es gibt aber durchaus jetzt schon Therapien, die auf Stammzellen basieren. Etwa bei verschieden Krebsarten, oder Hauttransplantate. 

Nun kommt ein wenig Statistik mit ins Spiel. Super, könnte man denken, frier ich mir doch für mein Kind mein eigenes Nabelschnurblut ein. Kann man machen - sinnvoll ist es allerdings nicht. Es kostet viel Geld und die meisten privaten Anbieter achten zu wenig auf die Qualität der Spende. Wenn man das dann wieder auftaut und im Bedarfsfall verwenden will, sind alle Zellen tot. Das hilft nicht wirklich weiter und zerstört nur Hoffnungen. 
Der statistische Fall, dass man seine eigene Spende braucht und die dann auch gut ist, ist derart unwahrscheinlich, dass man mit einer privaten Spende nur Geld rauswirft.

Es gibt ja nun auch die öffentlichen Banken. Etwa das Deutsche Stammzellzentrum in Mannheim, oder die Uni Erlangen, die anonyme Spenden einfrieren. Man hat bei diesen Stammzellbanken kein Zugriffsrecht mehr auch seine eigene Spende. Im Bedarfsfall werden grundsätzlich Allotransplantationsnen gemacht, d.h. passende Spenden von Fremden verwendet. Das ist auch überhaupt kein Problem. Da muss man heute nicht mehr ein Leben lang Immunsuppressiva schlucken, oder mit Abstoßung rechnen. Es gibt inzwischen fantastische Verfahren, die die Verträglichkeit einer fremden Spende erhöhen. 
Man braucht also eigentlich gar keine eigene Spende zu machen. Umso wichtiger ist es, ein weltweites Netzwerk auf qualitativ hochwertigen Spenden zu unterhalten, auf das jeder Mensch dann Zugriff hat bei Bedarf. Und genau da gibt es Probleme.
All das kostet und in Deutschland wird das nicht mehr mit Bundesgeldern gefördert. Also machen nur eine Handvoll Unis in diesem Netzwerk mit. Sie finanzieren diese Projekte über Drittmittel. 
Manchmal schliessen sie auch Verträge mit Geburtskliniken, deren Spenden sie dann einfrieren. In diesen Kliniken braucht es dann aber speziell geschultes und sehr erfahrenes Personal für diese Prozedur. 
Alles in allem ist die Situation extrem enttäuschend, bedenkt man, dass das Nabelschnurblut ja ansonsten nur weggeworfen wird. Es ist im Grunde extrem wertvoller Müll, aber das Recycling ist teuer, also wird er verbrannt. 
Dass immer noch weltweit 10-40% (je nach Land) der Bedürftigen auf passende Spenden wartet und diese nicht bekommt - ist Pech. Deutschland hat ein Organspendeobligatorium, aber die Stammzellen werden weggeschmissen. Sehr peinlich, wie ich finde. Andersherum würde ein Schuh draus.
Im Übrigen muss man sagen, in Häusern, in denen es sehr sehr seeeeehr erfahrene Hebammen gibt, die Nabelschnurblut in der nötigen Qualität abnehmen können, liegt die Quote der überhaupt eingefrorenen Spenden bei max. 10%. Alles andere wandert eh in den Müll, weil die Qualität nicht stimmt. In Deutschland erreicht gerade eine Uniklinik diesen Wert. Auch wenn in vielen Kliniken offiziell geschultes und zertifiziertes Personal im Einsatz ist. 
Umso mehr Spenden bräuchte es, um eine umfassende weltweite Sammzellbank aufzubauen. 

Jedenfalls haben wir wirklich alles versucht, aber es ist uns nicht möglich, unser Nabelschnurblut des Babyferkels zu spenden. Da ich ja gerade in genau dieser Disziplin jetzt 4 Jahre Promotion hinter mir habe, bin ich bitter enttäuscht. Das muss ich zugeben. 

Wir haben im Übrigen schon eine eingefrorene Spende - die des Ferkelchens. In Basel wird das zwar auch aus Drittmitteln finanziert, aber es wird durchaus routinemäßig gemacht, sie erreichen dort die 10% Erfolgsquote und koordinieren die Stammzellbank für die Schweiz. Dort hat man im Bedarfsfall - und falls die eigene Probe noch vorhanden ist - auch Zugriff darauf. Es ist praktisch wie bei einer Knochenmarkspende. Man registriert sich und es gibt Anschluss an das weltweite Netzwerk. 

Schade, dass Deutschland aus Kostengründen wieder mal bei den Menschen spart. Wir werden es einfach beim nächsten Kind wieder versuchen.

Eltern sollten also aktiv nachfragen, die Möglichkeit zu Spende einfordern! Denn vielleicht sitzt gerade jetzt eine Familie um das Bett eines Kindes und hofft, dass ein passender Spender gefunden wird! Es geht nur darum! Und jeder ist irgendjemandes Kind. Es gibt immer eine weinende Familie für jedes besetzte Krankenbett!

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