Dienstag, 30. Juli 2013

Sicherheit

Ich meine nicht die Sicherheit, die man sich versucht mit Knieschützern und Fahrradhelm zu montieren. Ich meine diesmal die innere Sicherheit, woher sie kommt, wie man zu ihr kommt, oder was man macht, wenn sie weg ist.

Es geht mir zunächst nicht um die großen Fragen, sondern die kleinen alltäglichen Situationen im Leben junger Eltern. Das Kind ist da, nun will und muss man alles richtig machen, sonst passiert etwas ganz Schreckliches. Bestimmt. Behaupten jedenfalls alle.

Damit fängt es schon an: Suggestion. Wenn man etwas falsch macht, passiert doch etwas Schlimmes, oder? Oder etwa nicht? Und dann dieses komische Gefühl, irgendwie eine Traurigkeit wenn das Kind weint, und Bedenken und Schuldzuweisungen und überhaupt weiß man ja gar nicht, was denn nun richtig und falsch ist. Aber wenn das Kind weint, war's bestimmt falsch. Und die Verantwortung und die eigenen Ansprüche und die Zerrissenheit und die Ratgeber sagen alle was ganz anderes und die anderen Mütter auch und die Hebamme/Beraterin/Betreuerin sowieso. Und die Schwiegermutter und der Mann hält sich raus, oder ist genauso verwirrt und deshalb keine große Hilfe...

DIESE SCHRECKLICHE UNSICHERHEIT TREIBT JUNGE ELTERN IN DEN WAHNSINN!

Jeder Mensch muss ständig in seinem Leben Entscheidungen treffen. Mit Kind übernimmt man die Entscheidungshoheit über einen anderen Menschen. So entsteht Druck auch ja die richtige Entscheidung zu fällen. Auch auf Gebieten, auf denen man kein Experte ist, mit denen man noch nie konfrontiert war. Man ist gezwungen zu sagen wo's lang geht, auch wenn man das selber nicht weiß. 
Dass das Unsicherheit und Angst provoziert ist jedem klar. 

Nur, was macht man dann mit dieser Angst? 

Klar, man kann davon laufen und reagieren wie ein blindes Huhn - Panik. Man kann sich abwenden und jemand anderen entscheiden lassen. Man kann von dieser ständigen Überforderung krank werden. Alles keine schöne Aussichten. Passiert aber. Jedem einmal.
Problematisch wird das erst, wenn man immer panisch oder resigniert reagiert.

Man kann aber auch trainieren, sich eine gewisse innere Sicherheit zuzulegen, eine innere Unabhängigkeit. Man kann trainieren Entscheidungen nach Fakten zu treffen, oder nach Bauchgefühl. Wichtig finde ich nur, dass man klar hinter seiner Entscheidung steht, sie vertritt und seinen Mitmenschen (auch dem Kind) deutlich signalisiert: Ich habe das jetzt so entschieden, ich will das so. Je älter der Mitmensch, je eher kann man dann darüber diskutieren - wenn man denn will.

Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber und macht einem nur das Leben schwer. Jeder von uns entscheidet jedes Mal nach einer gewissen Abwägung. Keiner von uns lässt die Würfel entscheiden. Wir haben also unsere Gründe. Wir zweifeln sie nur sofort wieder an. Und dann fängt die Spirale an sich zu drehen.

Ich will das bewusst nicht als Vorwurf formulieren, eher als Aufforderung:
Tu was du willst, aber dann tu es auch! 
Wer sich im Netz der Unsicherheit verfängt, kann nicht mehr reagieren. 
Klar passiert das trotzdem. Aber im Grunde sind die wenigsten Entscheidungen derart dramatisch, dass es um Leben und Tod geht. Man hat also ausreichend Möglichkeiten zu üben. 

Als Eltern ist die Situation dennoch besonders. Gerate ich in Panik, ziehe ich mein Kind unweigerlich da mit rein. Das endet immer mit Tränen und einem sehr schlechten Gewissen und noch mehr Zweifeln.

Ein Kind muss aber wissen, dass es sich auf Mama und Papa verlassen kann, dass es keine Angst zu haben braucht, dass das was Mapa sagt eine Art Naturgesetz ist. 
Natürlich stimmt das nicht und je größer das Kind wird, desto mehr kann man das relativieren und erklären. 
Angst erschüttert das Vertrauen des Kindes. Darum ist das bei den Kleinen besonders wichtig. Ist das Vertrauen da, kann eine Fehlentscheidung nichts ändern. Kinder können das durchaus ab. Nur die Panik macht sie verrückt. So wie bei Erwachseneren auch.

Man hat ne Menge Gelegenheit zu üben, wie man diese innere Sicherheit erlangt. Entscheidungen treffen zu können, die man nicht sofort bereut, ist ein echter Vorteil in allen Bereichen des Lebens. Führungskräfte, Rettungshelfer und medizinisches Personal - sie alle müssen das lernen. Sie alle erhalten eine Ausbildung darin. 
Eltern erhalten keine Ausbildung. Für sie gilt: Versuch macht klug. Aber eben, man braucht nicht schon vor dem Versuch Angst zu haben oder dem Ergebnis. Selten wird aus einer Entscheidung eine Kindeswohlgefährdung. 
Ausser ein paar Tränen setzt man erstmal nichts aufs Spiel, und Tränen kann ein Kind verkraften. Vielleicht sogar besser, als die Eltern...

Wer also dem Kind eine Ansage macht und keinen dauerhaften Schaden feststellen kann, der hat offensichtlich nicht so viel falsch gemacht mit dieser Ansage. Und wer meint, es sei schon Ausübung psychischer Gewalt dem Kind Gemüse vorzusetzen, obwohl es Nudeln will, der übertreibt vielleicht ein ganz klein bisschen. 
Ja, man braucht sowas wie einen inneren Kompass, einen gesunden Menschenverstand. Und die meisten Menschen haben das auch. Manche nennen es auch Bauchgefühl und es wird geschult, je mehr Erfahrung man im Leben sammelt. Man muss sich nur darauf verlassen. Das ist echt nicht so schwer, wie es sich anhört.

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