Mittwoch, 10. Juli 2013

Der Feind

Es soll hier einmal um meine Schwiegermutter gehen. 
Nun, die Frau ist nicht mein Fall, aber auch nicht mein Problem, denn ich spreche zwei Mal im Jahr mit ihr. Das kann ich durchaus ab. 

Nun kam es, wie es kommen musste... Es ist Ferienzeit. Der Trüffel ist ja schon in der neuen Stadt zum Arbeiten. Also hat er für zwei Wochen das Ferkelchen eingepackt und die Omi und den Opi in die neue Wohnung eingeladen. Praktisch Ferien zuhause, aber doch wo anders und mit den Großeltern.

Ich finde das super. Ich habe auch gleich den Wunsch geäußert, dass die Frau Schwiegermutter doch die Küchenschränke ausputzen und den Kalk im Bad entfernen und ein paar Kartons auspacken könnte etc. Ich werd das jedenfalls nicht machen, wenn ich 2 Wochen vor der Geburt dort ankomme...

Und das Ferkelchen kann mal ausgiebig die Familie kennenlernen. 
Nun zu den Fakten: Die Schwiegereltern sind beide gerade pensioniert, an sich gesund und objektiv sehe ich da keinen Grund zu Sorge.

Das Trüffelchen jedoch leidet schwer - unter seiner Mutter. Ihr Verhältnis ist gelinde gesagt im Teenageralter des Trüffel hängen geblieben. 

So kam es, dass ich bereits am ersten Abend einen Anruf des völlig verzweifelten Trüffels erhielt. Mord und Todschlag. Jedenfalls war das wohl das Wunschtraumszenario... 
Sie nörgelt an allem rum, er beleidigt sie, sie ist gekränkt und spielt den sterbenden Schwan, er ist wütend und schreit und knallt mit den Türen. Das Ferkelchen wird sich gewundert haben. Das kennt sie sonst nicht.

Nun ja. Meine Schwiegermutter ist keine einfache Frau. Ich weiß auch nicht, wann da was schief gelaufen ist und welches Trauma da nicht aufgearbeitet wurde, aber egal was der Bub macht, er macht es nicht recht. Und da das offenbar schon seit 30 Jahren so geht, ist der Bub auch nimmer zu Verhandlungen oder gar zur Verständigung bereit. Verhärtete Fronten. Schade.

Schade ist auch, dass keine Seite anerkennen kann, was die andere eigentlich alles geleistet hat und richtig macht. 
Es ist im Grunde eine kaputte Familie mit Mitgliedern, die sich alle sehnsüchtig vom anderen etwas wünschen würden, es aber nie aussprechen: Respekt. 

Verkorkste Familien gibt es überall. 
Mit meinen Eltern hab ich mich mit 18 furchtbar gefetzt, dann war über Jahre fast Funkstille, aber jetzt sind wir ein Herz und eine Seele. Seit der ersten Schwangerschaft sowieso. Sie sind stolz wie Bolle auf mich, meine Familie, das tollste Enkelferkel der Welt - einfach alles! Selbst meinen Großeltern geht es so. Wir haben unsere Streitigkeiten ausgetragen.

In der Trüffelfamilie war es anders. Da zählt die Fassade viel. Oft hört man Sätze, die beginnen mit: 
Man macht das aber so...
Das Kind muss aber...
Bist du sicher, dass...
Wäre es nicht besser, wenn...
Eher so ein konstantes Nörgeln hintenrum. Das fördert nicht gerade die Harmonie. 

Was soll ich sagen, ich sehe meine Schwiegermutter und denke 'hoffentlich bin ich mit 60 nicht auch so verbittert und verbiestert'. Ich hoffe, ich schaffe es, dass meine Töchter gerne zu mir kommen, dass sie mich nicht am liebsten los werden wollen.

Wir versuchen es ganz klar anders zu machen. Auch darum ist der Trüffel so ein hingebungsvoller Familienmensch, weil er den Halt einer Familie braucht. Darum wollte er so schnell wie möglich eine eigene gründen. Weil ihm der Austausch von Liebe in seiner Herkunftsfamilie fehlt. 
Ob das gut geht bei uns? Oder zumindest besser?
Ich weiß es nicht. Die Zeit wird es zeigen. Ich wünsche es mir für uns alle.

Familie ist nicht einfach. Aber wenn wir etwas vom Weg abgleiten, dann öffnet uns das nächste Weihnachten mit dem obligatorischen Besuch beim Feind sicherlich wieder die Augen. 
Ich wünschte, es wäre anders. 
Aber ich kann den Trüffel verstehen. Drei Tage mit dieser Frau und fragt sich, ob die Ersparnisse für einen Auftragskiller reichen würden. 

Meine Mutter meinte übrigens nach der Hochzeit (wo sich alle zum ersten Mal sahen): Ich denke, wir werden keine Freunde werden. Zum Glück wohnen die so weit weg. 
Danke Mama! Danke danke danke, dass du nicht so bist!!!

Die Schwiegermutter hat im Übrigen auch eine Tochter. Die beiden sind - man ahnt es - ein Herz und eine Seele. Nun ratet mal, wie der Trüffel zu seiner Schwester steht...
Familie eben...

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