Samstag, 18. Mai 2013

Ich und Gender?

Traurig aber wahr. 
Sexuelle Vorlieben meiner Mitmenschen rufen in mir keinerlei Vorurteile hervor. Im Arbeitsleben interessiert mich das Geschlecht von Kollegen und Chefs nur mäßig. Überhaupt misch ich mich da ungern in Privates anderer Leute ein.

Aber jetzt kommt's: 
Das Geschlecht meines Babys ist mir kein bisschen gar nicht egal. 
Nicht, weil ich ein rosa oder blaues Kinderzimmer einrichten will. Kinderzimmer wird's bei uns trotz Kindern noch eine zeitlang nicht geben.

Nein, es ist eher das Gefühl. 
Ich schrieb schon einmal über Identifikation mit meiner jetzt schon großen Tochter. Sie hat vieles von ihrem Papa, aber dennoch ist sie eben ein Mädchen und ich hab einen unglaublich starken Bezug dazu. Mit kleinen Mädchen kenn ich mich aus. Auch ohne rosa Kleidchen. Ich würde mittlerweile sogar sagen, ich bin eine Mädchenmutter. Woran ich das genau fest mache, kann ich gar nicht abschliessend beantworten.

Seit geraumer Zeit versuche ich mir nun vorzustellen, einen Sohn zu bekommen. Allein, es gelingt mir nicht. Obwohl ja nun doch eine erhebliche Chance besteht, dass ich einen Sohn bekomme. 
Dennoch, ich kann mir kein einziges mögliches Szenario vorstellen, in dem ich einen kleinen Jungen auf dem Arm habe.

Dabei hab ich gar nix gegen Jungs. Die Jungs von Bekannten find ich total niedlich und geh ganz normal mit denen um. Aber selber Mutter eines Jungen zu sein? Neeeee. Ganz spontan einfach neeeee.

Diese Reaktion verblüfft mich ungemein, weil ich mich ja sonst nicht um sowas kümmere. Ich finde es im Gegenteil recht beängstigend. Bekomme ich einen Sohn, liebe ich ihn dann weniger? Weil er ein Junge ist? Dafür können wir ja nun beide nix. 

Ich weiß auch nicht. Ich mach mir da ganz schreckliche Gedanken. So kenne ich mich gar nicht. 
Aber mein Ferkelchen ist eben mein großes Mädchen. Und darauf bin ich ungemein stolz.

Also denke ich auch darüber nach, wie ich denn nun zu dieser Einstellung komme.
Und ich muss leider recht viele Dinge bekennen, die verdächtig nach unaufgeklärtem Geschlechterdenken und Vorurteilen riechen. Dabei hätte ich mich jetzt durchaus ohne zu zögern als Feministin bezeichnet. 

Das Resultat meiner Spurensuche:
Meine Welt ist durch und durch weiblich geprägt. Ich halte Mädchen und Frauen tatsächlich für stärker, mutiger und meist auch schöner als Jungs oder Männer. Für mich sind Frauen die einzig interessanten Vorbilder. Sie sind diejenigen, die die Welt am Laufen halten wenn's drauf ankommt.
Allerdings fehlt mir diese eindeutige Festlegung auf ein Geschlecht beim Thema Intelligenz. Ich sehe keinen Unterschied dabei, weil mir vielleicht gleich viele kluge Männer wie Frauen begegnet sind. 
Dennoch sind für mich Frauen diejenigen, die den Laden schmeißen. 
Und das, obwohl ich in meinen jungen Jahren eine ordentliche Menge an sehr starken, integren und engagierten Männern um mich hatte, die alle wunderbar als Vorbild hätten dienen können.

Ich hab ehrlich gesagt, keinen Schimmer von Psychologie und weiß echt nicht, was das bedeutet und warum ich so denke. Es ist aber so. Es ist furchtbar unfair, so wie alle Vorurteile furchtbar unfair sind für diejenigen, die sie betreffen.

Nun, jedenfalls hab ich gestern mit eigenen Augen gesehen, dass wir noch ein Mädchen bekommen. Noch eine so wunderbare zuckersüße Prinzessin mit großen blauen Babyaugen und blonden Locken. Seither bekomm ich das Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht. Ich hätt in lauten Jubel ausbrechen können und bin jetzt auch schwangerschaftsangemessen aufgeregt. 

Mit meinem Kopf kann ich diese Sache nicht auflösen. Auf einmal ist - schwups - die Vorfreude und Identifikation da. Und es ist mir kein bisschen unangenehm, obwohl ich finde, ich sollte mich für meine Denke zumindest schämen. Tu ich aber nicht. 


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