Mittwoch, 8. Mai 2013

Die Wege nach Rom

Im Nachbarlabor gibt's eine neue Doktorandin. Wirklich nett, klein und zierlich.
Heute tauchte sie auf - also wie sag ich's am besten: nackig.
Natürlich nicht ganz nackig, eine Hose und Schuhe hatte sie schon an. Und einen wunderschönen petrolfarbenen Pushup-BH. Darüber so eine Art seeehr grobmaschige Netzstrumpfhose, nur als T-Shirt. 
Steht ihr zweifellos, sie hat die Figur dazu und ist ja nun erst Mitte 20.

Eigentlich ist das was Schönes, denn seien wir ehrlich, wir Laborratten sind zwar nicht hässlich, aber sexy ist das auch nicht, was einem hier auf dem Flur begegnet.

Mein erster Gedanke war: Schätzchen, du hast einen Chef, der mitten in der Midlifecrisis steckt - SO wirst du garantiert nicht von diesem Möchtegern-Einstein ernstgenommen...

Dann kam mir ein verblüffend logischer Gedanke: Eigentlich, wenn's zum Ziel führt, dann ist das doch auch eine legitime Strategie. Und hinterher fragt keiner, wie du zum dem Doktortitel gekommen bist.

Ich meine, ich hatte diese Woche auch ne schöne Episode. Nach 4 Jahren und einer sehr guten Publikation und einer sehr guten kurz vorm submitten, wurde mir mein Schreibtisch nicht mehr bewilligt. In der Fakultätsleitersitzung fiel doch tatsächlich so ein Satz: Die Frau Rosalie, die soll jetzt einfach zu Hause hinsitzen und voll zusammen schreiben, wenn sie das kann. Die braucht ja keine weitere Publikation mehr, weil sie eh ein Kind hat. 
Das wurde dort wörtlich so gesagt. Wie ich das finde, soll sich jeder selber denken. Aber es zeigt eines:

Schwanger, mit Kleinkind und eine klasse wissenschaftliche Arbeit abliefernd nimmt mich auch keiner Ernst, weil ich doch tatsächlich eine Gebärmutter habe und die auch benutze. Da kann man sich jetzt aufregen, wenn man will. Oder sagen es sei ein klassischer Fall von 'Es darf nicht sein, was nicht sein kann.'

Ich dachte mir heute: Hey, wenn die neue Doktorandin Spaß an ihrem Auftreten hat und damit auch zum Ziel kommt, warum nicht? Ist nicht die dümmste Strategie. 
Ich zumindest war in den letzten Jahren dumm genug, keinen Urlaub zu nehmen, 50 Wochenenden im Jahr jeden Tag in der Zellkultur zu sitzen und ne Menge Frust auszuhalten. Besonders schlau scheint mir das in Nachhinein auch nicht.

Also Leute: MACHT EUCH NACKIG UND HABT SPAß! Es schadet sicher nichts...

Kommentare:

  1. Frustriert? Verstehe dich gut, bin grad selber an meiner Doktorarbeit, höchstschwanger und alle reduzieren mich auf meinen Uterus... Hm. Und ich gebe mir alle Mühe, mich NICHT andauernd zur Schwangerschaft und meinem ersten Kind zu äussern, mich offen und interessiert zu zeigen, mich in mein Themengebiet zu stürzen. Und trotzdem: anscheinend bin auch ich nur eine wandernde Gebärmutter und besitze doch tatsächlich die Frechheit, während einer Dissertation nicht nur eines, nein, gleich zwei Kinder auf die Welt zu setzen! Kopf hoch, wir schaffen das und - so als Nebenbemerkung - versuchen, die anderen Frauen ebenfalls nicht auf ihr Äusseres zu reduzieren. Wünsche viel Gelassenheit...

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  2. Na, über den Frustmoment bin ich glaub schon raus. Es ist eher seltsam für mich zu beobachten, wie sich jeder seine eigene Anschauung zusammen bastelt. Mach ich ja wohl auch selber, aber oft sind andere so weit von meinem Verständnis weg, dass ich nur mit den Schultern zucken kann.
    Die zwei Kinder machen mich im Moment eigentlich unantastbar, weil ich auf einem seeeehr hohen moralischen Ross sitzen kann. Da traut sich keiner wirklich fertig zu machen.
    Für mich selbst ist es auch eher positiv, weil ich sehe, wie viel ich im Stande bin zu leisten. Das ist wesentlich mehr als ein Großteil meiner Mitmenschen. Und das gibt mir persönlich Sicherst, weil ich mir nimmer viel selbst beweisen muss. Das war noch wenigen Jahren ganz anders. Und mein Auftreten hat sich dadurch sehr verändert.
    Dennoch plane ich nicht, solche Episoden wie eine Doktorarbeit mit all dem Druck und vor allem den vielfältigen Abhängigkeiten zu wiederholen. Eben weil ich mir nix mehr beweisen muss, und mein Leben nicht mehr von jemandem oder etwas anderem als meiner Familie abhängig machen möchte.

    Und so zum Schluss: Alles gute für Mutter und Kind und am Ende auch noch für die Diss.!

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    1. Danke! Mit der zweiten SS dauert es zum Glück nicht mehr lange, bei der Diss werde ich mir wohl noch etwas mehr Zeit lassen... :-)
      Und ich gehe mit dir einig: Doppel- resp. Dreifachbelastungen etc. müssen nicht unbedingt sein, ich habe zwar einen wunderbaren Mann, der nicht unterstützt, sondern seinen eigenen Teil macht, aber nun geht für mich in nächster Zeit definitiv die Familie vor und von Abhängigkeiten habe ich genug (werde einfach mal noch einen weiteren Tag Arbeit reduzieren).

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