Mittwoch, 3. April 2013

Kitata

Die Kita, ein zentraler Punkt für unsere Familie. 

Mal vorab, wir haben eine super Kita. Das Ferkelchen ist dort seit sie 3,5 Monate ist. Und immernoch überglücklich. Seit 2 Jahren wächst sie da nun mit ihren Freunden gemeinsam auf, lernt immer neue Babys kennen und hat auch schon ihre erste Kitaliebe gefunden. Ein junger Mann mit Hundeblick - wehe, wenn der älter wird...

Zu Kitas in der Schweiz muss man sagen: Es gibt zu wenige. Nur in der einzig wirklich offenen 'linken' Stadt im Dreiländereck, da ist komischerweise das Paradies für Eltern!
Es gibt nicht nur großzügige finanzielle und strukturelle Förderungen für Familien vom Kanton, sondern mittlerweile viele Kitas für alle Bedürfnisse. 

Alle Kitas, die ich angeschaut habe, wurden vor ca. 10 Jahren von sehr engagierten Eltern mit gutem Beruf gegründet, weil sie keinen Platz für ihre Liebsten gefunden haben. In diesen 10 Jahren hat sich die Situation zu 100% umgekehrt. Einen Platz in einer hervorragenden Einrichtung zu finden ist eigentlich kein Problem mehr. Man kann privat suchen, oder das Jugend- und Sozialdepartement um Hilfe fragen. Die haben auch immer Kontingente, die sie zentral vergeben. 

Wir haben damals privat gesucht. Und so kommt es, dass nun Wohnung, Kita und Arbeitsplatz innerhalb von 500m liegen. Traumhaft!

Zu den Rahmenbedingungen: In der Schweiz gibt es 14 Wochen Mutterschutz, keine weitere Elternzeit. Entweder einer bleibt zu Hause, oder das Kind geht in die Kita. Es gibt daher viele Plätze ab 3 Monaten. Die Preise sind ordentlich: Kleinkind ca. 2000 CHF, Baby (bis 19 Monaten) ca. 2500 CHF. Das Betreuungsverhältnis ist vom Bund geregelt: Kleinkind 1:3, Baby 1:2. Jede Gruppe muss 2 ausgebildete Kleinkindpädagogen haben, der Rest wird meist mit Azubis besetzt. Die Betreuer verdienen im Schnitt recht gut, aber dennoch nur die Hälfte von dem, was einer am Bankschalter bekommt. 

Die meisten Kitas haben Öffnungszeiten von 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr, zusätzliche Betreuungszeiten (abends und bei Krankheit) wären ebenfalls buchbar. Kostet halt extra. 
Da in dieser Stadt sehr viele gutverdienende Ausländer leben, gibt es in fast allen Kitas englischsprachige Gruppen. Oft gibt es auch angeschlossene Kindergärten, in die die Kinder dann überwechseln.

Die Kinder suchen sich dann eine Lieblingsbetreuungsperson, die hauptsächlich für sie zuständig ist. Das gilt auch schon für Babys. Die Kommunikation ist sehr gut bei uns. Natürlich gibt es auch allerlei pädagogische Konzepte. Die sind mir eigentlich völlig egal. Das Ferkelchen soll möglichst den ganzen Tag spielen, ordentlich und gesund essen, viel draußen sein und alles tun dürfen, was Kinder halt gern machen. 
Unsere Kita bietet ne ganze Reihe an pädagogischen Extras, die bisher so ziemlich an mir vorbei gingen. Die werden schon selber wissen, in was sie sich fortbilden müssen. Es wird auch die Entwicklung protokolliert, was ich reichlich übertrieben finde bei gesunden Babys. Wenn eines wirklich auffallen würde, ja dann könnte man ein Gespräch führen, aber ich seh selber, dass meine Tochter altersgemäß (what ever) entwickelt ist. 
Dennoch, alles läuft super! 
Und da wir weder auf Familie noch auf Freunde (haben's alle nicht so mit Kindern) zurückgreifen können, steht und fällt alles mit der Kita. Und ich muss jetzt mal sagen, es ist klar anstrengend, aber ich bin erstaunt, wie super sich Kind und Vollzeitarbeit kombinieren lassen, wenn man zu zweit ist. Bisher alles in allem recht unproblematisch.

Nun steht in diesem Sommer ein Umzug an. Der Abschluss ist nah, und die Akademikerkrankheit greift um sich. Neuer Job, neue Stadt, neues Land, neues Glück! Nur wohin?

Der Trüffel hat sich in unterschiedlichen Ländern beworben und hätte überall Zusagen bekommen. Also hing die Entscheidung an den Rahmenbedingungen, die wir vorfinden würden. Das achso familienfreundliche skandivaische Musterland? Als Ausländer? Keine gute Idee. Wohnungsnot, teuer, Kita ja, aber Kinder kann man erst mit einem Jahr anmelden für die Kita, den Platz bekommt man spätestens nach 6 Monaten. Also wäre ich bis 2015 zu Hause. No way! Gespräche mit Schweden ergaben, dass es zwar kein Problem ist, wenn man mal mit krankem Kind daheim bleibt, oder um 17 Uhr geht, ansonsten ist aber alles gleich wie im deutschsprachigen Raum, auch die Rollenbilder. Wir waren erstaunt.

Die schöne Donaumetropole in Österreich? Ähhh nee! Familien mit unseren Vorstellungen scheinen eher unerwünscht. Auch wenn die Wiener sehr kinderfreundlich sind, aber ich hätte dort kaum berufliche Perspektiven. Schade eigentlich. 

So, nun kommt, was ich nie für möglich gehalten habe: Wir kommen zurück nach Deutschland, weil das Angebot für unsere Familie in der schönen Stadt in Ba-Wü am Neckar für uns die perfekten Bedingungen bietet! Ausgerechnet!
Der Leser mag sich nun fragen, was ich denn damit meine? Tja, mal ehrlich, auch in Deutschland gilt: Für viel Geld kann man viel kaufen...
Wir haben dort nicht nur eine 4,5 Zimmer-Wohnung, sondern auch eine Kita, die derart traumhaft ist, dass mir fast die Tränen kamen bei der Besichtigung! Mein Ferkelchen wär dann am Liebsten auch gleich dort eingezogen. Bingo! 
Also haben wir direkt einen Platz für sie und ab 2014 einen für das Baby. Außerdem hab ich dort rosige Aussichten für Bewerbungen. Das Angebot ist so reichhaltig, da zweifle ich nicht, etwas zu finden. 
Die Infrastruktur ist ebenfalls super und mal ehrlich Heidelberg ist auch einfach ne tolle Stadt...

Wie wir innerhalb von 2 Tagen einen Kitaplatz in der weltbessten Kita bekamen? Geld! 
Nein, wir haben niemanden bestochen. Aber die Kita spricht nur ein sehr spezielles Kundensegment an. Es gibt nur Vollzeitplätze für Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen. 800 Euro pro Nase. 
Dafür gibt's Betreuung deluxe, zu voll flexiblen Zeiten - angeschlossener Kiga, top Personal, top Räumlichkeiten, alles sehr familiär. 
Für 95% der Familien würde sich das nicht lohnen. Für uns - in jedem Fall. 
Wir werden zwar nicht Millionen verdienen, aber wir haben dann beide eine Top-Ausbildung, sind beide auf 100% Stellen aus etc. Damit kann man so eine Kita und ein gutes Leben finanzieren. Klar zahlen wir erstmal drauf, einer arbeitet nur für die Fixkosten. Aber in 5 Jahren wird wahrscheinlich alles schon viel besser aussehen. Die letzten 10 Jahre Ausbildung sollten sich irgendwann auch mal auszahlen.

Also auf ins nächste Abenteuer! Das wird ein umtriebiges Jahr...

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