Freitag, 8. März 2013

Du-ich-wir-Partnerschaft

Ein besonders schönes Thema, Partnerschaft. Die meisten von uns haben ja in verschieden mehr oder minder freien und partnerschaftlichen Beziehungen Erfahrungen gesammelt, bis der/die RICHTIGE kam. 

Wir sind ja alle so emanzipiert und gut gebildet und individualistisch, so gleichberechtigt und frei und überhaupt - alles so schön bunt hier!

Die Wahrheit ist aber, viele tun sich auch in 2er-beziehungen schon schwer. Kommen Kinder dazu, wird's oft nicht besser. Das mag viele Gründe haben.

In den letzten Tagen sind mir mehrere Berichte untergekommen (etwa wie dieser Tagesanzeiger ). 

Das klingt erstmal nach Mainstream, nach die-arme-Frau und der-böse-Mann-stielt-sich-aus-der-Verantwortung... Mir gefallen solche Artikel mitnichten. Zu einfach kann man Thema Partnerschaft und Elternschaft auch nicht abspeisen. 

Nun mag es vielleicht daran liegen, dass ich aus einer Familie komme, in der es ganz anders lief. Meine Mama wurde in der Ausbildung schwanger. Sie ging 6 Wochen nach meiner Geburt wieder zur Schule, machte ein halbes Jahr später ihre Abschlussprüfung. Mein Vater hat mitgeholfen, wo er konnte. Da er sich an seiner Arbeitsstelle nicht wohl fühlte, blieb er ein Jahr zu Hause, als ich 6 Monate alt war. Meine Mutter verdiente das Geld. Natürlich hat auch der Rest der Familie nach Kräften unterstützt. 
Ich bin also eher ein Gemeinschaftsprojekt. 

Bis heute sind meine Eltern wirklich gleichberechtigt. Immer wenn einer ein neues Projekt/Arbeit anfangen will, unterstützt ihn der andere. Nach einer vereinbarten Zeit wird Bilanz gezogen und evtl. etwas geändert. Es gibt mal Streit, aber sie sind 30 Jahre verheiratet und kommen offensichtlich mit ihrem Leben zurecht. Keiner hat je vom anderen eine Rolle verlangt, aber Kompromisse.
Das sind meine Vorbilder. Familie geht nur, wenn alle mitmachen und im Groben das gleiche wollen.

Auch bei uns zu Hause gibt's Diskussionen um dieses Thema. Wir haben beide den gleichen Ausbildungsstand und die gleiche Gehaltsklasse. Rein objektiv ist also keine Karriere wichtiger. Das sind schon mal gute Voraussetzungen. Dennoch haben wir im Laufe der Zeit verschiedene Vereinbarungen treffen müssen, um unser Leben zu organisieren. Haushalt wird gnadenlos geteilt, egal wie eingespannt man ist. Abends und Wochenenden gehört ausschliesslich der Familie. Ausnahmen sind z.B. Geschäftsreisen, die aber selten vorkommen. 
Krankes Kind wird grundsätzlich abwechselnd betreut. Jeder räumt seine Wäsche selber auf, Wäsche waschen läuft abwechselnd. Er kauft meistens ein, ich sortiere Kinderkleider aus und besorge neue. Er macht den Kinderarzt, ich die Elternabende.

Die Haupterkenntnis war: Keine Arbeit, kein noch so wichtiger Termin, kein maulender Chef ist wichtiger als die Familie. Und mal ehrlich, die Arbeit läuft ja auch nicht weg, wenn man bis 17 Uhr nicht alles geschafft hat. Wär ja eigentlich zu schön. 

Ich habe dennoch gemerkt, dass es meinem Mann unangenehm ist, seinen Chef zu vertrösten. Der fand das am Anfang nicht so toll. Ich begegne ihm ja öfters und meinte dazu nur, dass er ja selber 3 Kinder habe und somit wisse, wie es im Leben läuft. Da hat er gemerkt, dass er das eben akzeptieren muss. Musste sein Chef früher auch.

Und ich muss trotz allem manchmal dazu sagen, dass der Papa jetzt mal dran ist und ich was anderes zu tun habe. Wir müssen beide für die Umsetzung unserer Vorstellungen arbeiten und Unterstützung des Partners einfordern. Das ist primär kein weibliches Problem. 

Ich schätze, es ist in vielen Partnerschaften eben doch nicht so, dass alle gleichberechtigt sind. Viele Menschen lassen sich dadurch schnell in eine Rolle drängen mit der sie dann vielleicht nicht glücklich sind. Ob die armen Frauen da wirklich benachteiligt sind? Was wenn nicht?

Eine Partnerschaft wäre für mich schwierig, wenn einer 'schwach' und der andere 'stark' wäre. Denn auch der Schwache müsste seinen Mann stehen. Das nimmt ihm/ihr ja keiner ab. Die Verantwortung für das eigene Leben ist für einen Erwachsenen nicht mehr teilbar. Dafür muss man immer einstehen. Und das ist anstrengend. 

Ich bin froh, dass mein Mann und ich es bis jetzt geschafft haben an einem Strang zu ziehen und den anderen zu respektieren. Möge es so bleiben!

Und möge es anderen leichter fallen ein selbstbestimmtes Leben zu führen! Ich wünsche es jedem.

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