Samstag, 23. Februar 2013

Stillen

Wie jede gute Mutter hab ich ja nun auch Erfahrung damit und somit eine Meinung und wie jede Mutter: die einzig richtige Meinung!

Um mal so anzufangen, ich hab gern gestillt, aber ich hab jedes gesprochene oder geschriebene Wort und schon jeden seltsamen Blick dazu derart gehasst, dass ich am liebsten gleich jedem an den Hals gesprungen wär, der es auch nur wagte...

Das fing ja so an: Ich hatte bereits vor der Geburt ein nettes 'Anfängerset Fläschchen etc. gekauft. Klar nur das Feinste vom Feinen mit dem kleinsten Sauger und so. Also mit den Flaschen bin ich auch hoch zufrieden, die sind ja nun seit Jahren im Dauereinsatz und immer noch 1A. Still-BH, Still-Shirt, Still-Schal, Stilleinlagen, teure fettige Creme - alles auf 'go'.

Dann die Geburt, das Kind auf meinem Bauch, angelegt, Ferkelchen saugt, Schmerz, Blut, purer Vampirismus. Die Hebamme: Jaja, ich seh schon, bei Ihrer Haut, Sie sind ja sehr empfindlich... Äh ja.
Kind Hunger, Kind haßt Sillhütchen, Kind schreit sich in Rage... Ach, kann sich ja jeder selber denken.

Auf der Wochenstation: 'Sie müssen jetzt alle 3 Stunden jede Brust eine Viertel Stunde abpumpen, damit die Milch ordentlich einschiesst. Zwischendurch anlegen, aber nur kurz, sonst Blut. Dazwischen packungweise Fettschmiere und eimerweise Stilleinlagen. Tag und Nacht pumpen - sehr sexy, wenn Babybesuch da ist und die Milch lies natürlich 2 Tage auf sich warten. Kind schreit bis ich die Schwester zur Sau mache, sie solle jetzt sofort dem Kind etwas Milch aufwärmen. Die haben sich im 'Stillfreundlichen Krankenhaus' mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Aber was soll's.

Dann kam die Milch, wir gingen nach Hause, alles war gut. Naja, für eine Nacht. Wir hatten dann so ein unerfreuliches Intermezzo mit einer Woche auf der Neointensiv. Ein nigel-nagel-neu-gebautes Kinderkrankenhaus und es ist Eltern nicht erlaubt auf der Intensivstation zu übernachten, es sei denn wach und sitzend neben dem Kind. Da war wohl ein Experte am Werk...

Man kann sich denken, ich war vielleicht ein klein wenig gestresst in der Zeit und hatte eventuell etwas zu wenig Schlaf, jedenfalls war die Milch bald nicht mehr der Rede wert. Meine Tochter hat wie ein Staubsauger die Flaschen leergesaugt (im Krankenhaus haben die netterweise Sauger mit großen Löchern) und ich hab mich zu Tode gepumpt.

Zu Hause hatte ich so die Nase voll von den blöden Stillberaterinnen, die sie im Krankenhaus auf mich gehetzt haben, dass ich mich fortan zurücklehnte und stillte, wann ICH wollte und ansonsten gab's Flasche. Kind immer satt und zufrieden, ich nicht gestresst, Stillen funktionierte super und war kuschelig, ominöse Saugverwirrungen haben mein Kind offensichtlich nicht interessiert.

Leute, das war super!

Wir waren ja dann auch irgendwie immer ausser Haus, und in der Strassenbahn gab's die Flasche, im Restaurant die Brust, je nach Situation. Ich bin ja auch gleich immer mit der Kleinen auf Reisen gewesen und mal ehrlich, auf dem Autobahnparklatz oder im Stau auf dem Rücksitz stillen hab ich nur einmal gemacht. Im Auto ist die Flasche Gold wert!

Nachts hab ich ausschliesslich gestillt. Kind einfach angedockt und weitergeschlafen. Nach drei Monaten dann in der Mittagspause in meinem eigenen Zimmerchen abgepumpt und nach 5 Monaten hab ich nur noch nachts gestillt. Das war so gemütlich, dass ich es bis zum 9. Monat betrieben hab.

Ich hab ja nun - wenn auch wenige - Bekannte mit Babies, die wagen es nicht, die Flasche zu geben. Öfter hab ich mir angehört, dass die Babies die Brust wollen und gar nicht auf Flasche umsteigen. Eine Kita-Mutter hat ihre 15monatige Tochter trotz erneuter Schwangerschaft stillen müssen, weil dieses Kind NUR flüssiges aus der Braust zu sich nahm. Die Frau sah aus, als würde sie gleich zusammen brechen.
Nee, da bin ich schon froh, dass das bei uns so gut ging. Einfach alles ignorieren, was man so hört an guten Ratschlägen und es so machen, wie man mag.
Und so wird's beim nächsten Mal auch gemacht. halb Stillen, halb Flasche, keine Sorgen.

Natürlich hab ich in den Schubphasen auch mal nen Tag durchgestillt, aber nur, wenn ich Bock darauf hatte. Mein Kind ist nämlich auch heute noch ein Milchkind. Milch ging bei der von Anfang an in rauen Mengen rein. Oft hab ich dann aber auch einfach zwischendurch die Flasche genommen, denn die war ja kaum noch satt zu bekommen an manchen Tagen. Manchmal hab ich auch wochenlang nur gestillt. Einfach so wie's kam.

Mir ist bei alle dem aufgefallen, dass man sich beim ersten Kind also schon sehr verunsichern lassen kann. Viele Mütter haben das Problem und dann auf einmal hat das Baby doppelt so viel Hunger und schreit und die Mütter drehen durch. Mein Motto: Hauptsache mein Kind ist satt. Satt ist super, satt macht glücklich.

Die Dogmatik, mit der Mütter oft zugefüllt werden ist schlicht verwerflich. Als ob ein Kind stirbt, wenn es Pulvermilch trinkt. Oder als ob die Brust von einer Sekunde auf die andere den Laden dicht macht, wenn man mal eine Stillmahlzeit auslässt. So ein Blödsinn.

Neue Babysauger für unsere unkaputtbaren Fläschchen stehen zumindest schon ganz oben auf der Einkaufsliste für's nächste Baby!
Prost Mahlzeit!

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