Dienstag, 12. Februar 2013

Mütter

Uns geht's nicht schlecht. Muss man einfach mal so sagen.
Meine Oma hat trotz kleiner Kinder arbeiten müssen, damit das Geld recht. Meine Mutter ebenso. Ich tue das auch. Mein Kind geht in die Kita, seit sie 3 Monate alt ist. So ist das.

Es hat sich sehr vieles verbessert. In Gesprächen mit meiner Oma und Mutter wird das sehr deutlich. Sie haben beide keine höhere Schulbildung, aber sie waren und sind Pionierinnen. Sie sind stark und gehen hoch erhobenen Hauptes durch's Leben. Das mussten sie auch erst lernen, genauso, wie ich leider auch. Aber ich hab mir leichter getan. Ich konnte auf ihre Erfahrungen zurück greifen.

Was ich nicht gelernt habe und von ihnen vorgelebt oder vermittelt bekommen habe ist die Opferrolle. Im Gegenteil, sie wollten, dass ich agieren kann, freie Gedanken habe und den Mut die Realität nach meinen Überzeugungen mitzugestalten. Dafür bin ich ihnen enorm dankbar. 

Allerdings finde ich nicht viele Gleichgesinnte. Also es gibt einen Haufen Mütter, die 'emanzipiert' sind. Allerdings jammern die ganz schön viel. Und dann gibt es diejenigen, die was tun. Die haben meist keine Zeit zum Jammern. 

Um mal Sachen klarzustellen:
Ich finde, dass Eltern flexible Arbeitszeiten brauchen. Flexibel im Sinne von 'verschiedene Lebensphasen benötigen unterschiedliche Arbeitseinsätze'. Eltern sollten Arbeits- und Familienzeit individueller einteilen können. Arbeitgeber sollten tunlichst am selben Strang in die selbe Richtung ziehen, wie ihre Angestellten - und nicht anders herum.

Ich finde, Familie sollte im Alltag, in der Gesellschaft, in der Arbeit viel mehr wertgeschätzt werden. Kinder sollten sichtbar sein!

Ich finde Familien sollten mehr Unterstützung erfahren. Nicht unbedingt durch Geld, sondern durch Angebote von Mensch zu Mensch. Wenn man mal Hilfe braucht - und das passiert jedem mal - sollte man sich an jemanden wenden können. Egal mit welchem Problem und egal was es kostet. 

Ich finde Familien sollten im privaten Raum geschützt werden und nicht mit Dogmen drangsaliert werden.

Ich finde Familien und deren Angehörige dürfen nicht diskriminiert werden, weil sie einer Familie angehören.


Ich finde Mütter haben keinen besonderen Status verdient, nur weil sie tun, was Milliarden Frauen seit 100 000 Jahren tun. Familien sind schützens- und unterstützenswert, nicht Mütter. Die sind keine bedrohte Tierart. 

Ich finde Mütter sollten ihren besonderen Status aufgeben und ihn 50:50 mit den Vätern teilen.

Ich finde die Verantwortung der Kindererziehung und des Familieneinkommens sollte auf beide Elternteile verteilt werden. So könnten Eltern auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. 

Ich finde, Mütter mit gesunder Familie sollten sich einmal am Tag sagen, wie gut sie es doch haben.

Man verstehe mich nicht falsch. Entscheidet sich eine Familie für ein Rollenmodel - welches auch immer - sollen sie es leben dürfen, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Wenn jemand ein Jahr oder 5 mit Kind zu Hause sein will, klar, warum nicht? 
ABER dann sollte man auch mit den Konsequenzen leben können!

Warum ich das schreibe? Persönliche Erfahrung mit jammernden Müttern. 
Da hört es sich grad so an, als ob ihnen das Leben doppelt so schwer gemacht würde, als allen anderen. Als ob Vätern nicht darunter leiden, dass Familie und Beruf nur mit erheblichem Mehraufwand halbwegs zu vereinbaren sind. Ach so, die fragt ja keiner...
Es ist nicht einfach. Behaupte ich nicht. Aber Gejammer ist respektlos gegenüber denen, die wirklich mehr Unterstützung brauchen und gegenüber denen, die die Zähne zusammen beißen und versuchen es besser zu machen. Für Familien mit wenig Unterstützung ist Gejammer blanker Hohn. 
Das möchte ich mal erwähnen. 

Und nein, ich gehöre bei weitem nicht zu den Benachteiligten, auch wenn ich nie Anspruch auf Elternzeit hatte und haben werde, auch wenn ich keine Lohnersatzleistungen bekomme, auch wenn ich heftige Auseinandersetzungen mit meiner Chefin durchstehen muss, weil ich mit dem kranken Kind zu Hause bin. 
Ich muss mir genauso blöde Sprüche anhören mich gegen Schubladisierung wehren und mir meinen Weg erarbeiten. Das nennt man Erwachsensein und Positionierung, aber bestimmt nicht Diskriminierung. 

Umdenken muss nicht nur 'die Gesellschaft' sondern auch 'die Mütter'. Wenn Frauen sich in eine Opferrolle zurückziehen (weil es der vermeintlich einfachere Weg ist) so ist das unfair gegenüber ihren Partnern, weil sie somit gar nicht erst bereit sind auf Augenhöhe zu diskutieren. 

Und Mütter in Opferrollen darzustellen ist gerade zu verantwortungslos dem Kind gegenüber, denn dieses muss sich zwangsläufig schuldig fühlen, wenn Mami alles aufgibt, was sie sich erträumt hat um den Sprößling zu hüten. Das Kind trägt dafür aber niemals auch nur einen Teil der Verantwortung. Das tun immer und zu 100% die Eltern. Und diese Verantwortung müssen sie aktiv wahrnehmen.

Es gibt heute in allzu vielen Fällen Menschen, die tatsächlich zum Opfer werden oder die mehr Unterstützung brauchen. Das darf man keinesfalls bagatellisieren.

Eine gut ausgebildete Frau, die nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, weil sie ein Kind hat, gehört nicht dazu. Die darf sich aber natürlich dennoch darüber ärgern, dass sie sich bei einem unpassenden Arbeitgeber beworben hat. Und dann darf sie den betreffenden Personaler anrufen und ihn zusammenstauchen, oder sich offiziell über ihn beschweren.

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