Donnerstag, 17. Januar 2013

Identifikation

Für mich ein wichtiges Thema. 

Mein Kind war nie ein Projekt. Ich kann verstehen, dass es Situationen gibt, die die Fokussierung aufs Kind fast zwingend mit sich bringen.
Aber ich wurde sofort schwanger (nach dem Beschluss ein Baby zu bekommen) und war immer beruflich derart eingespannt, dass ich kaum Zeit hatte, aus dem kleinen Baby einen riesen Elefanten zu machen. 
Klar verfolgte mich das Baby praktisch vom Tag der Einnistung an. Volle 9 Monate heftige Übelkeit, diese fiese Müdigkeit, Blasenentzündung - jaja hab ich alles mitmachen wollen. Die Schwangerschaft war trotzdem spitze! 
Das lag vor allem an der Identifikation mit meinem Kind. 

Als Wissenschaftlerin glaub ich tatsächlich nicht an Hokuspokus, noch nicht mal an den üblichen Begriff der 'Seele'. Ich wusste aber sofort, dass ich ein Mädchen bekomme. Und ich fand's toll! Das hat vom ersten Moment an alles sowas von zusammengepasst, dass da gar keine Bedenken, Zweifel oder gar Angst aufkommen konnten. 
Zum Teil ist das meinem Naturell geschuldet, und der Tatsache, dass ich glücklichweise nie eine so schlimme Erschütterung meines Selbstwertes erfahren habe, dass ich eine ängstliche Natur werden konnte. Viel verdanke ich auch meinem Trotz. Den habe ich reichlich und ich habe ihn auch bisher stets ungehemmt an denen ausgelassen, die mich provoziert haben. Meine Professorin nennt das meine 'charmant undiplomatische Ader'. 
Natürlich kann man nicht einfach aus Spaß an der Freude rumzicken. Ich erbringe viel und gute Leistung, sage selten nein und gar nie 'das geht nicht'. Aber wenn ich etwas nicht will, dann will ich das nicht.

Und meine Tochter wollte ich von ersten Moment an. Wenn ich sie heute sehe, dann weiß ich, dass wir zusammen gehören. Wir sind eins, eine Familie. Der Trüffel gehört da auch dazu. Mein Ferkelchen kann einem sehr lange in die Augen sehen. Auch sie weiß, dass wir zusammen gehören. 

An das erste wirkliche Lächeln erinnere ich mich nicht. Aber als sie ca. 2,5 Monate alt war, da sah sie mich an und sie verstand, dass ich ihre Mama bin. Seither ist alles klar zwischen uns und so wird es auch bleiben. Man merkt ihr das an, sie hat weder Angst noch Probleme sich ganz klar mitzuteilen. Sie wird einmal wesentlich trotziger sein, als ihre Eltern. Und sie wird sich wohl nie die Butter vom Brot nehmen lassen. Und ich? Ich fühle mich nicht als Mama - meistens. Aber ich identifiziere mich zu 100% mit meiner Familie, mit meiner Tochter. Ich kann mich sehr gut in sie hinein versetzen und habe selbst sehr lebhafte Erinnerungen an meine frühe Kindheit. Ich kann ihre Reaktionen einfach nachvollziehen und weiß, was sie meint. Warum das so ist, weiß ich nicht. 

Nun lese ich viel in Mamablogs und habe auch das eine oder andere Gespräch mit Eltern gehabt, was mich fast deprimiert hätte. Ich höre viel Gejammer. Und ja, es ist anstrengend mit den Kleinen und man gibt sein bisheriges Leben zum großen Teil auf und fängt ein neues an. 

Aber hey, ich find mein Kind total toll und das Leben als Familie total GEIL! 
Ich empfinde die Veränderungen überhaupt nicht als Einschränkung und der Schlafmangel ist unschön, aber man muss sich eben zusammenreißen. Nach 2 Tassen Kaffee geht auch das. 
Wenn die Kleine krank ist ist das gar nicht schlimm, weil ich ein paar extra Tage mit ihr habe und dafür noch nicht mal Urlaub nehmen muss, den ich eh nicht bewilligt bekommen würde. Und sie ist dann immer so anhänglich und ich kann den ganzen Tag mit ihr im Arm im Bett rumlümmeln und Geschichten erzählen. Ist doch super!
Ich find's dann aber auch wieder gut, Arbeiten zu gehen. Und nach ein paar Tagen mit mir, kann mein Ferkelchen es gar nicht erwarten wieder in die Kita zu ihren Freunden zu gehen. Glaubt mir zwar keiner, ist aber so.

Ich bin seither fast immer müde und ich hab an der Uni so manchen Kampf ausfechten müssen, klar, aber daran ist jetzt wirklich nichts so schlimm, wie sich das bei vielen anhört. Jammern ist irgendwie im Trend. Aber man darf eben auch nicht alles mit sich machen lassen, oder andere über den eigenen Kopf hinweg entscheiden lassen. Wenn mich was stört, muss ich es anpacken. Das geht auch oft nicht, aber versuchen kann man's ja.

Man fragt mich, warum ich trotz meines Kindes so viel arbeite und mir nie Zeit nehme. Das ist sowas von grundfalsch! Von außen betrachtet, kann ein anderer Mensch gar nicht wirklich beurteilen wie viel Zeit ich mir wofür nehme. Und mal ernsthaft, ich arbeite nicht trotz, sondern WEGEN meines Kindes! Sie soll sehen, was man alles bewegen kann, wenn man sich denn selbst bewegt. Sie soll sehen, dass man nicht per Definition Kinder als Einschränkung erleben muss und sie soll aus eigener Erfahrung sagen können, dass sie dabei keine Schäden davon getragen hat, sondern eine schöne Kindheit hatte. Wenn später eine 20-jährige vor mir steht, die das begriffen hat und das alles mit Stolz sagen kann, ist mein Ziel erreicht!

Ach und dann gibt es noch den winzigen Punkt, dass ich Geld verdiene. Im Moment bin ich die Alleinverdienerin, weil mein Trüffel, wie so viele Doktoranden, seinen Abschluss und das Paper für lau machen darf. Das hat Methode und solche Profs gehören geschlagen - das mal am Rande. Aber ja, zumindest einer sollte etwas Geld nach Hause bringen. 

Mag sein, dass ich mir so vieles nur einbilde, oder dass ich der größte Glückspilz auf Erden bin, aber ich hab einfach nur ganz wenig zu jammern. Wir sind alle gesund und fröhlich. Ich hoffe, dass bleibt so! Uns geht's einfach gut.

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